Wissenschaft und Gesellschaft

Ob Diskussionen über Datenschutz oder Künstliche Intelligenz, wissenschaftlich fundierte
Argumente können den gesellschaftlichen Diskurs und politische sowie unternehmerische
Entscheidungen unterstützen. Wissenstransfer ist ein zentrales Anliegen von Open Science, einer offenen Wissenschaft. Es bedeutet weitaus mehr als klassische Wissensweitergabe, sondern einen produktiven Austausch. 

Warum ist Wissenschaft wichtig für die Gesellschaft?

Wir leben in einer Wissensgesellschaft. Wissen ist – neben Bodenschätzen, Kapital und körperlicher Tätigkeit – in dieser Gesellschaft eine wichtiger werdende Ressource. Die Wissenschaft, die maßgeblich zur Wissensproduktion beiträgt, ist mit neuen Herausforderungen konfrontiert, schließlich ändert sich mit der Digitalisierung die Art und Weise, wie Wissen hergestellt, organisiert und vor allem rezipiert wird. In einer deliberativen Demokratie ist es wichtig, dass Diskurse informiert und Entscheidungen auf der bestmöglichen Wissensbasis getroffen werden. Die Wissenschaft leistet so einen Beitrag dazu, dass Demokratien funktionieren, treibt Innovationen voran und hilft Ländern in der globalen Wirtschaft wettbewerbsfähig zu sein. 

Die Frage nach der Rolle der Wissenschaft in einer zunehmend fragmentierten und digitalen Gesellschaft, sowie ihre Bedeutung für Politik und Zivilgesellschaft wird neu definiert. Die Wissenschaft kann niemals eine universelle Wahrheit oder eine objektive Darstellung der Welt anbieten. Sie kann jedoch methodisch prüfbare Deutungsangebote machen, Gewissheiten in Frage stellen und Reflexionen anstoßen. Damit hat die Wissenschaft eine wichtige gesellschaftliche Rolle und trägt gleichzeitig große Verantwortung gerade dort, wo die Lage nicht eindeutig ist: Wie kann Wissenschaft bestehende Unsicherheiten und Streitigkeiten klar kommunizieren und trotzdem den Eindruck von Beliebigkeit vermeiden? 

Was unsere Direktoren zum Thema Wissenschaft und Gesellschaft sagen:

 

Björn-Scheuermann-624x351

"Ein ernsthafter Transfer zwischen Forschung und Praxis braucht Zeit und Energie. Heißt das, dass wir die Dinge in Ruhe lassen sollten? Nein! Wenn du bereit bist, Zeit und Energie zu investieren, belohnt der Transfer mit Ansätzen, die du zuvor nicht gesehen hast, Ergebnissen, die du nicht kennst, Fragen, die du nicht gestellt hast, Problemen, die du nicht wahrgenommen hast sowie mit Methoden, die dir nicht bekannt waren. Das kann unglaublich inspirierend sein."

Björn Scheuermann

Direktor des Instituts

Jeanette Hofmann | HIIG Director

"Eines der Motive, das meinen Austausch mit der Zivilgesellschaft antreibt, ist es, die Voraussetzungen oder Weltanschauungen in Frage zu stellen, die wir für selbstverständlich halten und die daher unsere Fähigkeit zur demokratischen Selbstbestimmung einschränken. Wir müssen zunächst die Vielfalt der Wege erkennen, die eine technologische Entwicklung einschlagen kann, bevor wir über Möglichkeiten nachdenken können, sie gemeinsam und bewusst zu gestalten."

Jeanette Hofmann

Direktorin des Instituts

Ingolf Pernice | HIIG Director

"Deshalb ist die Wissenschaft relevant: Sie ermöglicht es uns, die Auswirkungen von Innovationen, einschließlich der neuen Risiken, die sie für die Gesellschaft mit sich bringen, zu verstehen. Mehr denn je braucht die Demokratie die Wissenschaft, um sich an die Bedürfnisse der digitalen Konstellation anzupassen und die richtigen politischen Antworten auf die anstehenden Herausforderungen zu finden."

Ingolf Pernice

Direktor des Instituts

Wolfgang Schulz | HIIG Director

"In den letzten Jahren hat sich die Welt verändert: Prinzipien der wissenschaftlichen Arbeit, die früher als selbstverständlich angesehen wurden, sind politisch geworden. Dies zeigt sich besonders deutlich in der internationalen Zusammenarbeit. Es versteht sich von selbst, dass die Forschung nicht auf Vereinfachung abzielt, sondern Vielfalt und Unterschiede sichtbar macht. Und die Gemeinschaft der Forscher ist wirklich global und nicht nationalistisch wie viele politische Bewegungen."

Wolfgang Schulz

Direktor des Instituts

Thomas Schildhauer | HIIG Director

"Das Zusammenspiel von Forschung und Praxis könnte dazu beitragen, neue und hoch relevante Forschungsfragen zu stellen. Deshalb ist es wichtig, Möglichkeiten und Räume zu schaffen, um sich zu treffen und Ideen auszutauschen. Deswegen haben wir ein Format entwickelt, das den Austausch zwischen Startup-Gründern, Managern etablierter mittelständischer Unternehmen und Forschern fördert – und damit eine dringend benötigte Austauschplattform eingerichtet."

Thomas Schildhauer

Direktor des Insituts

Was ist Wissenstransfer?

Das Zusammenspiel zwischen Wissenschaft und Gesellschaft stellt sicher, dass das Wissen zwischen den verschiedenen Interessensgruppen ausgetauscht, geprüft und reflektiert wird. Es wird dabei oft von Wissenstransfer gesprochen, eine „Weitergabe von erworbenem Wissen“. Zum Beispiel spricht man von Wissenstransfer, wenn medizinische Forschung in der Praxis angewandt wird oder wenn bestimmt Technologien auf Forschung basieren.

Warum das HIIG von Wissenschaftskommunikation spricht:

Entgegen der weit verbreiteten Vorstellung, dass es einen in eine Richtung laufenden Transfer von der Wissenschaft zur Gesellschaft gibt, spricht das HIIG von dem umfassenden Begriff Wissenschaftskommunikation: Wissen ist veränderlich und entsteht im Dialog, wenn es geteilt wird. Ein wichtiger Aspekt der Wissensproduktion ist der ständige Austausch zwischen verschiedenen Akteuren und Institutionen. Deswegen sollte nicht von einem einseitigen Transfer gesprochen werden, sondern von einem produktiven Dialog zwischen wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Akteuren. Die Wissenschaft trägt die Verantwortung, sich diesem kommunikationen Anspruch zu stellen und stets gewonnenes Wissen zu prüfen und zu reflektieren. 

Wir fühlen uns der verantwortungsvollen, transparenten und problemorientierten Wissenschaftskommunikation (als begriffliche Erweiterung von Wissenstransfer) verpflichtet. Deswegen streben wir einen Dialog auf Augenhöhe und Empathie für verschiedene Anspruchsgruppen an und verfolgen den Ansatz, auch Unsicherheiten in der Wissenschaft zu akzeptieren und transparent zu machen. 

FAQs zu Wissenschaft und Gesellschaft

Braucht die Gesellschaft Wissenschaft?

Wissen ist in unserer Gesellschaft eine stetig wichtiger werdende Ressource. Die Wissenschaft trägt maßgeblich zur Wissensproduktion bei und leistet so einen Beitrag dazu, dass Demokratien funktionieren, treibt Innovationen voran und hilft Ländern in der globalen Wirtschaft wettbewerbsfähig zu sein. 

Die Wissenschaft kann niemals eine universelle Wahrheit oder eine objektive Darstellung der Welt anbieten. Sie kann jedoch methodisch prüfbare Deutungsangebote machen, Gewissheiten in Frage stellen und Reflexionen anstoßen.

Was ist Impact of Science?

Die gesellschaftlichen Wirkungen von Wissenschaftskommunikation – d.h. die Konsequenzen kommunikativer Beziehung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft – nennt man Impact of Science. Es wird in innerwissenschaftliche und außerwissenschaftliche Wirkung unterschieden. Innerwissenschaftliche Wirkung wird oft in Form von Publikationsmetriken gemessen. Impact of Science ist komplex und kann nicht auf quantitative Zahlen runtergebrochen werden. 

Am HIIG ist Impact of Science einer der Forschungsgegenstände des Forschungsprogramms „Wissen und Gesellschaft“, in dem die Auswirkungen der Wissenschaft auf die Gesellschaft analysiert werden.

Weitere Lektüre: In einem Kommentar in der FAZ erklären HIIG-Forscher Benedikt Fecher, Sascha Friesike und Gert G. Wagner, warum heutige Methoden zur Bemessung von wissenschaftlicher Relevanz die Wahrnehmung und Entstehung bedeutsamer Forschung verhindern. 

Kann man die Wirkung von Wissenschaft in der Gesellschaft messen?

Die Wirkung von Wissenschaft zu messen ist komplex und hat wichtige Einschränkungen. Wichtig dafür ist ein Methoden-Mix, der sowohl qualitative und quantitative Evaluationsverfahren nutzt, um die gesellschaftliche Relevanz wissenschaftlicher Forschung zu messen. Das HIIG-Forschungsprojekt IMPAQT erforscht mögliche Messindikatoren von Impact of Science theoretisch und empirisch.

Was ist der Altmetric-Score?

Altmetriken sind Werkzeuge um die Aufmerksamkeit zu messen, die eine wissenschaftliche Publikation im Netz erfährt. Das Unternehmen Altmetric, dass die Software anbietet, ist Teil der Digital-Science-Gruppe und ist ein Beispiel für Altmetriken. Es bietet mit Almetric ein Tool an, dass visuell darstellt, wie viel groß die Beachtung einer wissenschaftlichen Arbeit in verschiedenen Online-Medien ist.

Der Altmetric-Score wird von vielen als ein Maß für gesellschaftliche Relevanz und somit Indikator für Impact of Science betrachtet. Eine seriöse Aussage über gesellschaftliche Relevanz von Forschung kann damit nicht getroffen werden. 

Altmetriken sind nur bedingt in der Lage, den Impact of Science für Forschung zu messen, weil sie dazu beitragen, dass ForscherInnen mehr darauf bedacht sind, u.a. die Anzahl der „Likes“ auf Social Media zu maximieren. Sie sorgen nicht automatisch für mehr gesellschaftliche Relevanz.

Welche Probleme gibt es mit der Messung des Impact of Science?

Impact of Science ist diffus und schwer zu attribuieren. Es dauert lange bis er einsetzt und die Perspektive der Messindikatoren und Messbarkeit kann sich in diesem Zeitraum signifikant ändern.

Newsletter

Möchten Sie über die neuste Entwicklungen in der Wissenschaft und Gesellschaft informiert bleiben?

Melden Sie sich heute für unseren Newsletter an.

Das Institut auf einen Blick

Wollen Sie mehr darüber herausfinden, wie wir arbeiten?

Organisation

Finanzierung und Förderung

Globales Netzwerk für Internetforschung

HIIG Podcast

Unsere Journals

Beiträge zum Thema Wissenschaft und Gesellschaft

Excerpt from research impact canvas

Research Impact Canvas: Neues Instrument für wirkungsvolle Wissenschaftskommunikation

Mit dem Wissenschaftskommunikations-Tool Research Impact Canvas schult das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) während der dreitägigen internationalen Impact School Forschende in der Umsetzung von Wissenstransfer und…

alexander von humboldt

Mit Humboldt den digitalen Kosmos entdecken

Er war nicht nur ein Star, der mit Berichten zu seinen Reisen und Entdeckungen Vorlesungssäle füllte. Alexander von Humboldt gilt als letzter Universalgelehrter und gleichzeitig als Vorreiter der Interdisziplinarität in…

Wissenschaftliche Politikberatung – Vermittler zwischen zwei Systemen

Wissenschaftliche Politikberatung gewinnt auch in Deutschland verstärkt an Bedeutung. Worauf es dabei ankommt? Darüber hat sich Rebecca Winkels mit Christian Kobsda, assoziierter Forscher am Alexander von Humboldt Institut für Internet und…

Ist Open Science eine Tautologie?

Unser Dossier über Metaphern der digitalen Gesellschaft versucht Vokabular zu entschlüsseln, mit dem wir beinahe willkürlich umgehen. Viele Begriffe werden wie selbstverständlich im wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Diskurs gebraucht, ohne über deren…

Form follows function? Appell an eine neue akademische Narrative

Das Internet hat das heutige Arbeiten und Publizieren von Wissenschaftlern entscheidend geprägt, jedoch hat es bisher kaum Einfluss auf Erzählstruktur und Layout wissenschaftlicher Veröffentlichungen. In diesem Artikel identifizieren wir die…

Wiederholungsstudien sind eine Frage der Reputation

Wiederholungsstudien gehören zur guten wissenschaftlichen Praxis, werden jedoch selten durchgeführt. Die Autoren argumentierten daher in ihrem ersten Blogpost aus verschiedenen Gründen für mehr Wiederholungsstudien, die zum Beispiel auf den gleichen Daten beruhen….

Thema Wissenschaft und Gesellschaft: Unsere Videos

Digitaler Salon (auf Deutsch)

Hacking the Elfenbeinturm

THERESA VÖLKER bei der Lange Nacht der Wissenschaften

Was sind die Probleme in der Wissenschaft?

Triff Benedikt Fecher

Wissenschaft, Lernen, Innovation

Unsere Projekte und Programme Rund um das Thema Wissenschaft und Gesellschaft

Impaqt | HIIG

IMPaQT – Indicators, Measurement and Performance of Quality Assurance: Third-Mission-Activities in the Social Sciences

The research project “IMPaQT” is about making knowledge transfer from research to society measurable through quality criteria and indicators. We  plan to analyze communication activities between academia and society in...
Science Impact

Wissen & Gesellschaft: Wandel der Wissensproduktion, -organisation und -vermittlung durch digitale Innovationen

"Überall geht ein frühes Ahnen dem späteren Wissen voraus". Folgt man diesem Prinzip Alexander von Humboldts, so befindet sich das Wissen selbst – seine Herleitung, Organisation und Vermittlung – in...
Gemeinsam digital

Gemeinsam Digital

_Gemeinsam digital, das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Berlin, ist eine zentrale Anlaufstelle für alle Unternehmen in Berlin und bundesweit, die Fragen zur Digitalisierung haben. Wir arbeiten praxisnah, nutzerorientiert und branchenübergreifend. Fünf Partner...