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ki gesundheit
25 Juni 2019| doi: 10.5281/zenodo.3254860

Wie KI den Arztbesuch erweitert

Das Erfassen und Monitoren von Gesundheitsdaten ist für PatientInnen, Ärzte und Versicherungen eine Herausforderung, insbesondere in der Nachversorgung von komplizierten Operationen. Der KI-basierte Gesundheitsassistent von Zana Technologies bietet eine neuartige Möglichkeit, diese Lücke durch eine App, Wareables und eine Plattform zu schließen. Zana bietet eine AI as a Solution Lösung, um ein sehr konkretes Problem in der Gesundheitsbranche zu lösen. Jessica Schmeiss und Nicolas Friederici zeigen in diesem Blogpost, wie das Startup KI-Technologien zum Einsatz bringt und wie daraus ein erfolgreiches Geschäftsmodell entsteht. Der Beitrag ist Teil der “Demystifying AI in entrepreneurship” Studie, die in 2019 am HIIG veröffentlicht wird.

Gesundheit ist für jeden ein essentieller Bestandteil eines erfüllten Lebens. Ob es eine kleine Erkältung ist oder eine ernsthafte Erkrankung, als Patient wünscht man sich schnelle, einfache und leicht verständliche Informationen über den Gesundheitszustand und eine gute Betreuung. Ein Besuch beim Arzt ist daher oft die Lösung, allerdings kann der Arzt meist nicht die Intensität an Betreuung leisten, die der Patient benötigen würde. Ein Arztbesuch endet an der Türschwelle zur Praxis, sobald der Patient wieder zu Hause ist, findet aktuell keine direkte Überwachung des Gesundheitszustandes mehr statt. KI-basierte Technologien wie Sprach- und Texterkennung sowie neuronale Netzwerke können durch virtuelle Gesundheitsassistenten helfen, diese Lücke zu schließen.

Die Zana Technologies GmbH, gegründet in 2018 in Karlsruhe von Dr. Julia Hoxha und Dr. Armand Brahaj, entwickelt einen solchen KI-basierten Gesundheitsassistenten, der über Sprach- oder Texteingabe direkte Fragen zur Gesundheit beantworten kann und über die Einbindung von Wearables ein kontinuierliches Monitoring von Gesundheitsfaktoren ermöglicht. Die Firma beschäftigt aktuell 5 Mitarbeitende, sowie einige freie Mitarbeiter und wurde im Rahmen der EXIST Gründerförderung direkt aus dem Forschungskontext gegründet. Beide Gründer arbeiteten zuvor viele Jahre in der Forschung und beschäftigten sich mit Softwareentwicklung im Life Science und medizinischen Bereich. Die Gründung von Zana war für beide die Möglichkeit, ihre Forschungsergebnisse in ein marktfähiges Produkt zu bringen und einer breiten Masse zugänglich zu machen.

Zana nutzt vor allem Technologien wie Sprach- und Texterkennung sowie Dialogmanagement, um einen verlässlichen Gesundheitsassistenten zu gestalten. Der Assistent lernt dabei zu einen aus allen Interaktionen mit dem Nutzer und greift zum anderen auf zertifizierte medizinische Datenquellen zurück, um ein möglichst genaues Gesundheitsmonitoring zu ermöglichen. Aktuell bietet Zana die Technologie zwei Kundengruppen an. Gesundheitsinteressierte können sich direkt die Zana App herunterladen und bei Fragen rund um die Gesundheit auf die Informationen zurückgreifen. Kombiniert werden kann dies mit der Zana Health Watch, die Gesundheitsdaten wie Blutdruck, Puls, Bewegung und Schlaf erfasst und eine individualisierte Gesundheitsanalyse aufzeigt. Es lassen sich auch weitere medizinische Produkte in den Prozess integrieren, hierzu arbeitet Zana eng mit Partnern zusammen. Ein weiteres besonderes Merkmal ist die Remote Health Monitoring Plattform. Über diese können die Gesundheitsdaten jederzeit aggregiert aufgerufen werden und mit anderen Personen, z.B. Pflegepersonal oder Familienangehörigen, geteilt werden. Kliniken und Versicherungen können ebenfalls von der neuen Technologie profitieren. Die App und bestimmte Wearables können PatientInnen, beispielsweise nach einer Operation, für eine bestimmte Zeit zur Verfügung gestellt werden. Die Daten können über das ZanaConnect Dashboard getrackt werden, so hat sowohl der Arzt als auch die Versicherung mehr Transparenz darüber, wie die der Heilungsfortschritt des Patienten ist.

Mit der Kombination aus App, Plattform und Wareables bietet Zana eine umfassende Lösung für Gesundheitsinteressierte, PatientInnen und Ärzte, eine klare AI as a Solution-Lösung für spezialisierte Anwendungsfälle im Gesundheitsbereich. Die NutzerInnen erhalten ein schlüsselfertiges Produkt mit einer eigenen App, Plattform und Wareables, welche unter der Zana Marke vertrieben werden. So ist die Nutzung der KI-Technologien nicht in Produkte oder Prozesse bestehender Unternehmen eingebunden, sondern es entsteht ein völlig neues Produkt am Markt, welches eine wichtige Lücke im Gesundheitssystem adressiert.

Value Proposition: Zana bietet eine intelligente Lösung, um Fragen zur Gesundheit und Gesundheitsparameter zu monitoren.

Kundenbeziehung: Das Unternehmen operiert in einer streng regulierten Branche. B2C Kundenbeziehungen werden direkt über die App und den Verkauf an Wareables gesteuert. Die Anwendung in Kliniken findet aktuell im Rahmen einer klinischen Studie statt.

Kundensegment: Zana fokussiert sich zum einen auf B2C Geschäft, welches über die App und die Zana Health Watch adressiert wird. Im B2B Bereich gibt es viel Potential bei der Nachversorgung von Patienten, beispielsweise in der Kardiologie.

Umsatz: Im B2C Bereich werden Umsätze durch den Verkauf der Zana Health Watch generiert. Im B2B Bereich gibt es ein Lizenz- bzw. Abomodell, welches Kliniken oder Versicherungen in Rechnung gestellt wird.

Kommunikationskanäle: Zana befindet sich noch in einer frühen Wachstumsphase. Ein wichtiger Kommunikationskanal ist der Online und Social Media Auftritt, aber vor allem auch der Auftritt auf Messen, Startup Wettbewerben und Veranstaltungen, um potentielle Partner zu gewinnen.

Ressourcen: Eine zentrale Ressource ist qualifiziertes Personal, da die Technologie komplett inhouse entwickelt wird. Weiterhin sind verlässliche Datenquellen und Zugang zu strategischen Partnern von großer Wichtigkeit.

Kosten: Größter Kostenfaktor für Zana sind Personal und die Produktion und der Vertrieb der Health Watch.

Partnerschaften: Zana entwickelt die Technologie komplett im eigenen Unternehmen. Um in der Gesundheitsbranche ein erfolgreiches Unternehmen zu etablieren sind jedoch strategische Partnerschaften mit Kliniken, Versicherungen, Ärztekammern und Investoren von zentraler Wichtigkeit. Weiterhin sind die Produzenten von Wearables und medizinischen Produkten essentielle Partner, um Daten richtig zu erfassen.

Aktivitäten: Die beiden zentralen Aktivitäten für Zana in der Wachstumsphase sind zum einen die kontinuierliche Weiterentwicklung der Technologie und zum anderen das Etablieren nachhaltiger Partnerschaften. Aus diesem Grund ist Zana auf vielen Messen präsent und involviert in Inkubator Programme.

Die Veranschaulichung des Geschäftsmodells zeigt deutlich, wie wichtig für ein Startup in einer hoch regulierten Branche wie der Gesundheitsbranche nicht nur die Entwicklung moderner Technologien, sondern vor allem auch die Identifikation von relevanten Anwendungsfällen innerhalb des bestehende Systems (z.B. die Nachversorgung von Patienten) und das Etablieren strategischer Partnerschaften mit relevanten Stakeholdern ist.

Mehr über Zana, die Herausforderungen eines Startups in der Gesundheitsbranche und das Leben als Gründerin können Sie bald im Exploring Digital Spheres Podcast-Interview mit Gründerin Julia Hoxha hören. Sie erklärt im Gespräch mit HIIG-Forscherin Jessica Schmeiss, wie die Idee für Zana entstand, welche Herausforderungen beim Transfer von neuestens Forschungsergebnissen in die Wirtschaft entstehen und welche Vorteile das EXIST Gründerstipendium für Zana hatte.


Dieser Beitrag spiegelt die Meinung der Autorinnen und Autoren und weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wider. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Beiträge und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren Sie bitte info@hiig.de

Jessica Schmeiss, Dr.

Ehem. Assoziierte Forscherin: Innovation, Entrepreneurship & Gesellschaft

Nicolas Friederici, Dr.

Assoziierter Forscher: Innovation, Entrepreneurship & Gesellschaft

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