
Forschungsleiter*in (m/w/d): Demokratischer Wandel und Wissen
Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) sucht eine*n Postdoktorand*in, die*der als Leitung den Forschungsschwerpunkt „Demokratischer Wandel und Wissen“ weiterentwickelt und gestaltet. Es handelt sich um eine seltene Gelegenheit, sich den drängenden Fragen der Demokratie im digitalen Zeitalter zu widmen und zugleich ein interdisziplinäres Forschungsfeld zu prägen, das wissenschaftliche Fundierung mit gesellschaftlicher Wirkung verbindet.
Berlin · Vollzeit (mind. 75%) · Befristet bis September 2029 (Verlängerung möglich)
Ihre Rolle
Demokratien stehen vor einer epistemischen Herausforderung, die grundlegender ist, als es die Schlagzeilen vermuten lassen. Wissen entsteht und zirkuliert heute unter völlig neuen Vorzeichen: algorithmische Öffentlichkeiten, generative KI, gezielte Angriffe auf Wissensinstitutionen, die Erosion geteilten Wissens. Die öffentliche Debatte verkürzt diese Problematik oft auf „Desinformation“ und streitet über die Wahrheit einzelner Aussagen. Wir setzen woanders an. Uns interessiert die epistemische Infrastruktur der Demokratie: das Gefüge aus Institutionen, Verfahren, Autorität und Vertrauen, das die Unterscheidung zwischen wahr und falsch überhaupt erst ermöglicht. Wissenschaft, Medien, Gerichte und Parlamente produzieren Wissen auf je eigene Weise und sie scheinen derzeit in die Defensive zu geraten. Genau hier wollen wir ansetzen und verstehen, was trägt, was bröckelt und was neu zu entwickeln ist.
Als Leitung des Schwerpunkts bekommen Sie den Raum, ausgehend von diesen Beobachtungen ein eigenes Forschungsfeld zu gestalten, getragen von einem Team, im engen Austausch mit den anderen Schwerpunkten des Instituts und eingebettet in die Forschungsagenda des HIIG. Sie forschen an der Schnittstelle von Demokratie, Wissen und Digitalisierung, zum Verlust von Vertrauen in Institutionen, zur Wissenschaftsfeindlichkeit und gezielten Delegitimierung und zum Einfluss von KI auf etablierte Wissensordnungen. Sie denken Wissenschaftskommunikation von Anfang an mit: Forschung, die im Labor bleibt, ist für uns nur der halbe Weg. Sie entwickeln Formate, die Erkenntnisse in Öffentlichkeit, Politik und Zivilgesellschaft wirklich ankommen lassen.
Sie starten nicht bei null. Der Schwerpunkt ist aus unserem abgeschlossenen Forschungsprogramm Wissen & Gesellschaft hervorgegangen und steht auf soliden Beinen: von der Forschung zu Wissenschaftsfeindlichkeit (KAPAZ) über interaktive Anti-Polarisierungsformate (ActIPLEx) bis zu twentyfifty, unserem aktuellen Projekt, das Forschende weltweit einlädt, ihre Erkenntnisse in eine Utopie für eine demokratische Gesellschaft im Jahr 2050 zu übersetzen und daraus eine Geschichte zu entwickeln. Auf diesem Fundament bauen Sie auf und geben dem Feld Ihre Handschrift.
Ihre Aufgaben
- Sie entwickeln den Schwerpunkt strategisch weiter und leiten ihn: Sie bauen ein Team auf und betreuen es, formen eine eigene Forschungsagenda und werben Drittmittel ein.
- Sie sind Teil eines Instituts und gestalten es mit: Gemeinsam mit den anderen Schwerpunktleitungen und in Abstimmung mit dem Direktorium tragen Sie zur übergreifenden Forschungsagenda des HIIG bei und übernehmen Verantwortung in der institutsweiten Zusammenarbeit.
- Sie forschen eigenständig und auf hohem Niveau zu den epistemischen Grundlagen der Demokratie, etwa zu Institutionenvertrauen, demokratischer Wissensordnung, der Rolle von Wissenschaft im öffentlichen Diskurs und den Folgen KI-gestützter Infrastrukturen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen Sie in führenden Peer-Review-Journals und auf Open-Access-Repositorien und stellen sie auf wissenschaftlichen Konferenzen wie auch gesellschaftlichen Veranstaltungen vor.
- Sie verankern Wissenschaftskommunikation und Wissenstransfer fest in Ihrer Forschung: Zusammen mit unserem Team für Wissenschaftskommunikation und Engagement entwickeln Sie Formate für den Dialog mit Öffentlichkeit, Politik und Zivilgesellschaft, von Research Sprints über Policy Sounding Boards bis zu Multi-Stakeholder-Dialogen und Bürger*innenforen. Es gefällt Ihnen, Befunde auch für nicht-wissenschaftliche Zielgruppen auf den Punkt zu bringen.
- Sie bauen Netzwerke mit Partner*innen aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf und pflegen sie, national wie international.
Ihr Profil
- Eine exzellent abgeschlossene Promotion in Politik-, Medien-, Kommunikations- oder Rechtswissenschaft, Soziologie, Philosophie oder einem verwandten Fach.
- Forschungserfahrung in mindestens einem dieser Felder: epistemische Grundlagen der Demokratie, Wissenschaftsvertrauen und -feindlichkeit, Desinformation und Informationsökosysteme, KI und demokratische Öffentlichkeit, digitale Wissensordnungen, belegt durch einschlägige Publikationen und erste eigene Netzwerke.
- Lust, neue Formate der Wissensproduktion und Wissenschaftskommunikation zu entwickeln und auszuprobieren.
- Idealerweise Erfahrung im Projektmanagement und wissenschaftlicher Leitung, mindestens aber die Ambition und das Organisationstalent, einen Schwerpunkt strategisch zu verantworten, und den Teamgeist, das in Kooperation mit anderen zu tun.
- Eine international ausgerichtete Forschungspraxis, idealerweise mit Erfahrung in interdisziplinären und grenzüberschreitenden Projekten oder Netzwerken. Perspektiven aus dem Globalen Süden sind uns besonders willkommen.
- Hervorragende Deutsch- und Englischkenntnisse.
Wir bieten
- Ein Forschungsinstitut, das gesellschaftliche Wirkung als Auftrag versteht, mit einem hochmotivierten, interdisziplinären Team mitten in Berlin und besten Verbindungen im In- und Ausland.
- Eine ausgeprägt kollaborative Forschungskultur: Bei uns wird gemeinsam geforscht, nicht nebeneinander her, und die besten Ideen entstehen im Austausch über die Forschungsschwerpunkte hinweg.
- Viel Raum für eigene Ideen und Forschung, flexible Arbeitszeiten, flache Hierarchien und vielfältige Wege, sich fachlich und international weiterzuentwickeln.
- Tatkräftige administrative Unterstützung, bei der Einwerbung von Drittmitteln, beim Auf- und Ausbau Ihres Teams, im Wissenstransfer und bei der Organisation wissenschaftlicher Veranstaltungen.
- Einen bis September 2029 befristeten Vertrag mit Option auf Verlängerung und eine Vergütung in Anlehnung an TV-L 14, je nach Qualifikation und Erfahrung.
Bewerbung
Sie finden sich in diesem Profil wieder? Dann freuen wir uns auf Ihre Bewerbung. Schicken Sie uns ein Motivationsschreiben, Ihren Lebenslauf, relevante Zeugnisse, eine Publikationsliste und Angaben zu Ihrer Verfügbarkeit über das untenstehende Online-Formular. Ihr Arbeitsort ist Berlin; gern unterstützen wir Sie beim Ankommen.
Die Sichtung beginnt am 24. August 2026. Die Ausschreibung bleibt offen, bis die Stelle besetzt ist.
Bei Fragen wenden Sie sich gern an annemarie.mutscher@hiig.de
Weitere Ausschreibungen
Traumjob nicht dabei? Hier ist eine Übersicht unserer offenen Stellen, unserem Fellowship, sowie unserem Gastforscher*innenprogramm.
Demokratischer Wandel und Wissen
Unsere Forschung untersucht das Zusammenspiel und die Rolle von Wissen und Wissenschaft in der demokratischen Selbstbestimmung. Sie richtet den Blick auf Risiken epistemischer Krisen und Strategien für zukunftsfähige demokratische Prozesse in digitalen Gesellschaften.

