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Startup Finanzierung für die Postwachstumsära

18 Juni 2014

Die Untersuchung von Kapitalquellen, die nicht dem Dogma von Wachstum und Skalierbarkeit folgen

Kapital in eine Firma zu investieren ist eine riskante Unternehmung — insbesondere wenn der Betrieb gerade erst in den Anfängen steckt und weder Historie noch Sicherheiten aufweist. Übliche Investoren verlangen dementsprechend zu ihren Kapitalerträgen hohe Risikoprämien. Um die nötigen Umsätze und Gewinne zu erwirtschaften, sind insbesondere Startups dazu gezwungen hohe Wachstumsraten zu generieren. Diese Wachstumsraten lassen sich jedoch oftmals nicht organisch und sorgfältig erreichen, sondern durch rapide und unnachhaltige Expansion von In- und Outputs (Manigart et al. 2002). Die Fähigkeit zu dieser Expansion nennt sich Skalierbarkeit und ist genau das, wonach die meisten Investoren suchen.

Es gibt jedoch auch alternative Motivationen ein Startup finanziell zu unterstützen. Diese beinhalten unter anderen die Idee von Bona Fide sowie dem Glauben, dass das Startup den sozialen und ökologischen Status quo auf einer Mikro- und /oder Makroebene verbessert.

Die Wege Kapital in ein Unternehmen zu investieren sind vielfältig und reichen beispielsweise von Darlehen über Wandelanleihen bis zu Aktienoptionen. Eine grundlegende Demarkationslinie kann dabei zwischen der Finanzierung durch Fremdkapital und Eigenkapital gezeichnet werden, welche üblicherweise eng mit (a) den Liquidationspräferenzen und (b) den direkten Einflussmöglichkeiten der Investoren verknüpft ist. Eine Gemeinsamkeit vorherrschender Finanzierungsmethoden ist eine geforderte Rendite, die quasi risikofreie, ausgewählte Staatsanleihen übersteigt. Zumindest in der westlichen Welt ist es dabei nicht ungewöhnlich, dass Renditen, die von Startups erwartet werden, 300 oder gar 400 Prozent des eingesetzten Kapitals erreichen (Metrick & Yasuda 2010)  — eine atemberaubende Rate, insbesondere vor dem Hintergrund derzeitiger Zinsniveaus.

Alternative Finanzierungsformen folgen diesem Primat nicht. Einige Methoden haben fast Belanglosigkeit erreicht, da sie scheinbar nicht die Beträge, die der Industrielle Kapitalismus benötigt, agglomerieren konnten. Andere Finanzierungsformen wurden erst durch technologische Fortschritte —wie zum Beispiel das Internet— emöglicht, was wiederum zu einer Einbettung in kapitalistische, wachstumsorientierte und globalisierungsfreundliche Systeme führte.

Die Relevanz alternativer Finanzierungstypen für eine Postwachstumsära stammt dabei nicht unbedingt aus der „deep and long philosophical, cultural, anthropological and institutional critique of the notion of growth and development“ (Kallis 2010, 874) direkt, sondern eher aus ihrer Funktion als ein Primärmittel, um diesen Status zu erreichen. Verschiedene Elemente heutiger Postwachstums- und Degrowthdebatten können dabei mit Finanzierungskonzepten verknüpft werden: Kollektivanstrengungen zur Überwachung und Anregung von Wirtschaftsakteuren hin zu mutmaßlich besseren Verhalten (North 2010) könnten beispielsweise mit Crowdfunding verbunden werden; ebenso wie die Idee des Schenkens und der Abkehr vom kapitalistischen Modus Operandi Überschüsse in die Generierung weiterer Überschüsse zu reinvestieren (Harvey 2007).

In Zukunft wird eine weitergehende Untersuchung von Startupfinanzierungsmethoden nötig sein, die sich durch ein hohes Niveau an (finanzieller wie auch nicht-finanzieller) Investorenbeteiligung, unterdurchschnittlichen Renditen und selektiver oder gar nicht vorhandener Wachstumsnötigung auszeichnen. Neue Einschätzungen und Typologien werden entwickelt werden müssen, die Vor- und Nachteile in Bezug auf Startupfinanzierung sachgerecht und objektiv darstellen. Das Innovation & Entrepreneurship Team des HIIG wird Dich / Sie auf dem Laufenden halten.

Dieser Beitrag ist Teil der regelmäßig erscheinenden Blogartikel der Doktoranden des Alexander von Humboldt Institutes für Internet und Gesellschaft. Er spiegelt weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wieder. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Beiträge und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren Sie bitte info@hiig.de.

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