
Zukunft des Eigentums: Steward Ownership und seine Folgen für ökonomische Leistungsfähigkeit sowie ökologische und soziale Nachhaltigkeit
Eigentumsstrukturen legen in einem Unternehmen fest, wer Entscheidungen trifft, welche Ziele verfolgt werden und wie Gewinne verteilt werden. In der Debatte um eine nachhaltigere Unternehmensorganisation gewinnt ein Ansatz an Aufmerksamkeit, der diese Logik grundlegend verändert. Das Steward-Ownership-Konzept entkoppelt Eigentum von Kapital. Das heißt: Stimmrechte liegen dauerhaft bei denjenigen, die aktiv Verantwortung tragen; Gewinne bleiben weitgehend an den Unternehmenszweck und die langfristige Entwicklung des Unternehmens gebunden. Hier sind Ausschüttungen an Kapitalgeber*in oder Anteilseigner*in – je nach Ausgestaltung – ausgeschlossen oder nur begrenzt möglich. Befürworter*innen des Modells argumentieren, dass derart organisierte Betriebe langfristiger wirtschaften, ökologische Transformation stärker vorantreiben und ihren Beschäftigten mehr Teilhabe ermöglichen. In der Praxis wird Steward Ownership bislang überwiegend über unterschiedliche rechtliche Konstruktionen umgesetzt, die häufig komplex und mit erheblichem Umsetzungsaufwand verbunden sind. Aus diesem Grund wird in Deutschland derzeit mit der Gesellschaft mit gebundenem Vermögen (GmgV) eine eigene Rechtsform für dieses Modell diskutiert. Bislang fehlen jedoch empirische Erkenntnisse darüber, ob und unter welchen Bedingungen Steward Ownership die ihm zugeschriebenen Effekte tatsächlich entfaltet.
Das Forschungsprojekt Zukunft des Eigentums: Steward Ownership und seine Folgen für ökonomische Leistungsfähigkeit sowie ökologische und soziale Nachhaltigkeit untersucht, unter welchen Bedingungen solche zweckgebundene Eigentumsmodelle langfristiges Handeln, Investitionsentscheidungen und nachhaltige Unternehmensentwicklung begünstigen. Zudem analysieren wir, wo Zielkonflikte, Grenzen und unerwartete Nebenfolgen entstehen. Der Fokus liegt auf Unternehmen, die zentrale Prinzipien von Steward Ownership bereits heute über Stiftungs-, Treuhand- oder Sonderstrukturen umsetzen. Damit entsteht wissenschaftlich fundiertes Wissen darüber, ob und wie Steward Ownership über einzelne Pionierunternehmen hinaus als tragfähiges Modell verstanden werden kann.
Das Projekt wird im Verbund mit der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) durchgeführt.
Forschungsvorhaben
Das Projekt kombiniert eine systematische Bestandsaufnahme bestehender Steward-Ownership-Unternehmen mit empirischer Forschung und partizipativer Zukunftsgestaltung. Auf Basis von Dokumentenanalysen und Interviews untersuchen wir, wie zweckgebundene Eigentumsmodelle in der Praxis funktionieren. Mithilfe partizipativer Forschungsmethoden erarbeiten wir mit Akteur*innen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft gemeinsam Szenarien und Handlungsoptionen für die Weiterentwicklung von Steward Ownership in Deutschland.
Analyse der ökonomischen Leistungsfähigkeit von Steward-Ownership-Unternehmen, etwa Nachfolgeprozesse, Krisenresilienz und unternehmerische Langfristigkeit
Untersuchung, ob und unter welchen Bedingungen zweckgebundenes Eigentum ökologische Transformationsprozesse begünstigt
Analyse sozialer Wirkungen innerhalb des Unternehmens, darunter Arbeitsbedingungen und Sinnorientierung
Analyse sozialer Wirkungen auf externe Stakeholder, zum Beispiel Lieferkettengerechtigkeit
Erarbeitung wünschenswerter Zukunftsbilder und Ableitung notwendiger Rahmenbedingungen für Steward Ownership
Ableitung empirisch fundierter Handlungsempfehlungen für Rechtspolitik und Unternehmensförderung
Ergebnisse im Dialog
Die Projektergebnisse werden in wissenschaftlichen Publikationen und Policy Briefs veröffentlicht und in öffentlichen Veranstaltungen gemeinsam mit Akteurinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft diskutiert. Dazu entstehen praxisnahe Bildungsmaterialien und Handreichungen, darunter das Prospection Playbook als frei zugänglicher Kurzleitfaden zur eigenständigen Durchführung der Prospection-Lab-Methode. So schafft das Projekt Orientierung für Unternehmen, Gründer*innen, Investor*innen und politische Entscheidungsträger*innen — und zeigt, welche Rolle Eigentumsstrukturen für eine nachhaltigere Unternehmenspraxis und Rechtspolitik spielen können.
Ali Aslan Gümüsay, Prof. Dr.Forschungsleitung: Innovation, Unternehmertum & Gesellschaft
Amyn Vogel, Dr.Senior Forscher: Zukünfte von Eigentum und Folgen für gesellschaftliche Transformation
Tanja Schomann, Dr.Senior Researcher: Innovation, Unternehmertum & Gesellschaft
Finanzierung
| Dauer: | 01.06.2026 - 31.05.2028 |
| Förderung: | Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der INSIGHT-II-Fördermaßnahme |
