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Shaping 21st Century AI – Konflikte und Entwicklungspfade in Medien, Politik und Forschung


“Künstliche Intelligenz” (KI) befindet sich derzeit in einer Phase gesellschaftlicher Etablierung. Politikerinnen, Experten und Start-Up-Gründerinnen sagen uns, dass KI grundlegend verändern wird, wie wir morgen leben, kommunizieren, arbeiten und reisen. Autonome Fahrzeuge, die Erkennung von Krankheiten, Energie und Klimaschutz, automatisches Filtern von Misinformation und Hassrede – KI soll die großen Probleme unserer Zeit lösen. Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass die zunehmende Automatisierung die soziale und wirtschaftliche Ungleichheit verstärken, die Undurchsichtigkeit der Entscheidungsprozesse verschärfen und letztlich die menschliche Autonomie in Frage stellen könnte. Gleichzeitig ist die weitere Entwicklung der Technologie auch im wissenschaftlichen Feld selbst umstritten, verschiedene Pfade und Ansätze ringen um Bedeutung und Ressourcen, schließlich war KI nicht immer gleichzusetzen mit Deep Learning wie es heute selbstverständlich scheint.

Diese Verbindung von dynamischen technologischen Entwicklungen, grundsätzlichen Kontroversen und massiven Investitionen bildet den Ausgangspunkt für das Projekt “Shaping AI”. Diese multinationale Kooperation von Partnern in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada führt eine eine vergleichende Längsschnitt-Studie dazu durch, wie KI als soziotechnische Institution in unsere Gesellschaften integriert wird.

Das Projekt setzt verschiedene Methoden ein, darunter historische, ethnographische und computergestützte Methoden sowie die cartographie de controverses des Media Lab, um den Diskurs und die Entwicklungen rund um die ”Deep Learning” Revolution der KI in den zehn prägenden Jahren von 2012 bis 2021 in den vier Partnerländern und in drei Schlüsselbereichen zu untersuchen. Die Medienanalyse untersucht KI-Debatten in den wichtigsten Nachrichtenmedien, auf Nischen-Websites und in Gesprächen in sozialen Medien. Die Politikanalyse kartographiert und analysiert die bestehenden politischen Initiativen, Whitepapers und Regulierungsansätze in jedem Land. Die Forschungsanalyse erfasst Publikationen, Ko-Zitationen und die Entwicklung von Teil-Disziplinen und Teil-Communities im Forschungsfeld. Dazu werden quantitative Methoden, aber auch  ethnographische Teilnahme an relevanten Workshops und Konferenzen eingesetzt. Darüber hinaus untersucht und initiiert das Projekt Formate des öffentlichen Engagements, unter anderem mit Workshops, die es Interessenvertretern und Mitgliedern der Öffentlichkeit ermöglichen, KI-Pfade zu debattieren und zu verhandeln.

Dieses Forschungsdesign ermöglicht es dem Projekt nachzuvollziehen, in welcher Form KI gegenwärtig institutionalisiert wird und gleichzeitig zu seiner weiteren Gestaltung beizutragen. KI ist ein sehr vages Konzept und damit weiterhin sozial und technisch hochgradig entwicklungsoffen. KI könnte auch anders ein – oder auch in bestimmten Bereichen als vollständig inakzeptabel gelten. In diesem internationalen Drei-Jahres-Projekt Shaping AI legen wir die schleichende Institutionalisierung von KI jenseits des Hypes frei. Auf dieser Basis können wir als Gesellschaft besser die Entwicklung von KI zum Wohl der Allgemeinheit sicherstellen.

Das Projekt knüpft an längerfristige Arbeiten am HIIG zur diskursiven und politischen Konstruktion von KI, und zur Entwicklung der digitalen Gesellschaft an.

 

Laufzeit02/2021 – 01/2024
FinanzierungFörderlinie Open-Research-Area (ORA)
von DFG, ANR, ESRC, SSHRC
PartnerMedialab am Sciences Po, Paris, Centre for Interdisciplinary Methods (CIM) der University of Warwick, und das NENIC Lab am INRS Montreal, sowie das Algorithmic Media Observatory an der Concordia University

 

Kontakt

Christian Katzenbach, Dr.

Forschungsprogrammleiter: Die Entwicklung der digitalen Gesellschaft