Im März 2014 startete in Babelsberg ein dreijähriges Forschungsprojekt zu neuen Technologien für digitales Bewegtbild: die »dwerft«. Das Forschungsprojekt arbeitet am ältesten Filmstandort der Welt vor dem Hintergrund des beständig wachsenden Einsatzes von IT-Technologien in den einzelnen Gewerken der Filmproduktion und der damit verbundenen Herausforderung nur bedingt kompatibler Daten und Metadaten. »dwerft« will in Babelsberg auf diese Herausforderungen mit einer offenen, gemeinsamen Kerntechnologie „Linked Production Data« antworten.

Das Unternehmensbündnis »dwerft« ist eine Kooperation zwischen sieben Unternehmen aus der Medien- und IT-Wirtschaft, einer Stiftung bürgerlichen Rechts, einer Kunsthochschule sowie zwei An-Instituten großer Universitäten der Region. Assoziierte Partner für die praxisorientierte Forschungs- und Entwicklungsarbeit sind die Unternehmen e.discom Telekommunikation GmbH (IT), Grundy UFA TV Produktions GmbH (TV) sowie die Studio Babelsberg AG (Film).

Das Ziel der »dwerft« besteht nicht nur darin, neue Technologien für die Filmwirtschaft zu entwickeln, sondern auch das erworbene Wissen dem Standort zur Verfügung zu stellen. Im Rahmen des Projekts nimmt daher das Thema Wissenstransfer eine besondere Rolle ein. Einerseits soll das intern dazu führen, dass die einzelnen Projektpartner von ihren unterschiedlichen Hintergründen profitieren und sich ergänzen, andererseits soll das Projekt dazu beitragen, den Standort Babelsberg auf die anstehenden Veränderungen vorzubereiten. Insgesamt ist die »dwerft« in fünf Verbundprojekte gegliedert, das Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) arbeitet an drei dieser fünf mit.

Grafik D-Werft

Verbundprojekt 3: Automatisierung, Rechterfassung und Rechterecherche

Ziel des Verbundprojekts 3 ist es Technologien zu entwickeln, die das Datenmanagement der Rechtsbeziehungen bei Herstellung und Verwertung von Bewegbild automatisieren und damit erheblich effizienter und rechtssicherer gestalten. Insbesondere bei der Datenerfassung und der Recherche nach Rechteinhabern sollen automatisierte Prozesse helfen, die aufgrund neuer Produktions- und Verwertungsszenarien wachsenden Anforderungen an ein Rechtemanagement erfüllen. Grundlage ist der Austausch aller im Herstellungs- und Verwertungsprozess entstehender Daten über die Bündnis-Kerntechnologie ‚Linked Production Data‘.

Beim Rechtemanagement von Filmproduktion besteht daher die aktuelle Herausforderung darin, große Datenmengen mit einer hohen Komplexität rechtssicher und schnell zu verwalten. Nur dann können Filmproduktionen künftig einer Verwertung zugeführt werden. Mit den zu entwickelnden Technologien sollen Daten aus bestehenden und künftigen Produktions- und Verwertungsprozessen sowie frei im Internet verfügbare Daten automatisch recherchiert und für eine Übernahme in das Rechtemanagementsystem zur Verfügung gestellt werden.

Verbundprojekt 4: Technologien für Distribution

  • Beteiligte Projektpartner: yovisto GmbH, Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik gGmbH, Alexander von Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft gGmbH,
  • assoziierte Partner: Schätze des deutschen Films, Grundy UFA Produktions GmbH

Neue innovative Technologien für Distribution, Verwertung und Vermarktung auf der Grundlage der Linked Production Data Kerntechnologie sind Gegenstand dieses Verbundprojekts. Das Ziel des Gesamtprojekts liegt in der Optimierung des Informationsmanagements über die gesamte Wertschöpfungskette der Medienproduktion und -verwertung hinweg, wobei das vorliegende Verbundprojektspeziell auf die Erschließung sowie die Distribution und Monetarisierung von Medieninhalten über digitale Verwertungskanale abzielt. Dies ermöglicht die bessere Vermarktung zukünftiger Produkte im Rahmen des Medien-Wertschöpfungsprozesses unter Rückgriff auf Linked Production Data sowie auf audiovisuellen und semantischen Medienanalysen, explorativen Such- und Empfehlungssystemen, und innovativen, speziell auf diesen Zweck hin entwickelten, grafischen Benutzerschnittstellen.

Parallel zu den technologischen Entwicklungen und wirtschaftlichen Verwertungsansätzen werden in diesem Verbundprojekt die Entwicklungen am Medienmarkt wissenschaftlich analysiert. Hieraus können Ableitungen darüber getroffen werden, welche Geschäftsmodelle in Zukunft sinnvoll sind, welche Trends sich beim Nutzerverhalten abzeichnen und auf welche Akzeptanz neue Verwertungsangebote stoßen.

Verbundprojekt 5: Zukunftsforschung und Wissenstransfer in Technologien und Rezeptionsverhalten

Die Medienbranche befindet sich in einem Transformationsprozess hin zu einer rein digitalen Erlebniswelt. Mit der Einführung durchgehend digitalisierter Produktionsketten, dem vollständig filebasierten Austausch von medialen Inhalten sowie der digitalen Archivierung verändern sich nahezu alle Arbeitsprozesse und Technologien in der Medienlandschaft. Zunehmend sind IT-Technologien zentrale Faktoren im Herstellungs- Verarbeitungs- und Verwertungsprozess von audiovisuellen Medien. Eine der großen Herausforderungen für die Medien- und IT-Wirtschaft ist es, audiovisuelle Inhalte vollständig digital zu produzieren, zu archivieren und auf digitalen Marktplätzen bereitzustellen und im Rahmen serviceorientierter Infrastrukturen intelligent sicht- und nutzbar zu machen. Zur Sicherung eines zukunftsfähigen Medienstandortes Berlin/Brandenburg gilt es daher, den Einsatz neuer IT-Technologien zu organisieren und die Arbeitsprozesse im Medienbereich an moderne Anforderungen anzupassen. Bisherige Geschäftsabläufe müssen an diesen Transformationsprozess angepasst und neue Geschäftsmodelle entwickelt werden. Zur Sicherung der Nachhaltigkeit der »dwerft« bedarf es einer eng verzahnten, interdisziplinären Zusammenarbeit von Forschung, Wirtschaft und Bildung.

Für dieses Forschungsfeld relevant sind die wissenschaftliche Untersuchung möglicher künftiger Entwicklungen und insbesondere die Interdependenzen zwischen der Medientechnik, dem Nutzungsverhalten und dem Medienmarkt und damit zusammenhängend die Auswirkungen auf heutige Geschäftsstrategien und Geschäftsmodelle. Die qualitative Zukunftsforschung greift aktuelle Veränderungen und Neuerungen auf und bindet sie in die anzustellenden Überlegungen ein, um anhand von Szenarien und Fallstudien Zukunftsmodelle abzuleiten.

 

Bundesministerium für Bildung und Forschung Das Projekt »dwerft« wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.

Journal Publikationen und Conference Proceedings:

Maier, H. (2017). German Federal Court of Justice rules on parody and free use. Journal of Intellectual Property Law and Practice, 12(1), 16-17. Publication details

Maier, H. (2016). Meme und Urheberrecht. GRUR-Prax, 2016(19), 397-398. Publication details

Maier, H. (2015). Games as Cultural Heritage – Copyright Challenges for Preserving (Orphan) Video Games in the EU. JIPITEC 2015, 120-131. Publication details

Andere Publikationen:

Maier, H. (2016). Von Urheberrecht und Dokumentarfilmen – Interview mit den Machern des geplanten “illegalen” Films. HIIG Blog. Publication details

Kind, U. (2016). Branded Content im TV und auf YouTube: Was sind die Unterschiede? HIIG Blog. Publication details

Kind, U. (2016). Live-streaming im Internet und seine Auswirkungen auf die Medienlandschaft. HIIG Blog. Publication details

Maier, H. (2016). Nicht immer unversöhnlich: Meme und Urheberrecht. irights.info. Publication details

Maier, H. (2016). Digital Copyright & Free Speech: Technische Schutznahmen nach US-Recht auf dem Prüfstand. Telemedicus. Publication details

Maier, H. (2016). Parody and free use in Germany: Federal Court of Justice decides first parody case after Deckmyn. IPKat. Publication details

Maier, H. (2016). EuGH gibt grünes Licht für E-Book-Verleih, doch offene Fragen bleiben. irights.info. Publication details

Maier, H. (2015). Where to sue in online infringement cases. Internet Policy Review – News & Comments. Publication details

Maier, H. (2015). Orphan works in the US: getting rid of “a frustration, a liability risk, and a major cause of gridlock”? The 1709 Blog. Publication details

Vorträge:

Memes im Urheberrecht – Eine Bestandsaufnahme mit Blick auf deutsche und amerikanische Schranken
“One does not simply…” – Memes zwischen #Originalität und #Viralität, Interdisziplinärer Workshop (Session: Memes und Recht). Graduiertenkolleg “Innovationsgesellschaft heute” der TU Berlin in Kooperation mit der Gesellschaft für Musikwirtschafts- und Musikkulturforschung (GMM) sowie der HMKW Berlin. Technische Universität Berlin, Berlin, Germany: 16.03.2016

Rike Maier

Urheberrecht und Technik am Beispiel von Hostingplattformen
Versprechungen des Rechts: Dritter Kongress der deutschsprachigen Rechtssoziologie-Vereinigungen (Session: Urheberrecht – Technologie – künstlerische Produktion). Law and Society Institute Berlin, and others. Humboldt Universität zu Berlin, Berlin, Germany: 09.09.2015

Rike Maier

aVoD Werbefinanziertes video on demand
Linked Production Workshops 2015 (Session: Video on Demand - So stellen Sie ihren Content gewinnbringend auf geeignete Plattformen). transfer media. Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, Berlin, Germany: 01.07.2015

Urs Kind

Film meets IT-Veranstaltung
Film meets IT 2015 (Session: Film meets IT-Veranstaltung). transfer media, media.connect brandenburg. Medieninnovationszentrum, Babelsberg, Germany: 26.03.2015

Urs Kind, Christoph Krachten, Christian Meinberger

Produzieren und Verwerten von Big, Medium & Small Screen Content
Linked Film & TV Workshops 2014 (Session: Block II - Anytime, Anyway, Any Devices!). transfer media, media.connect brandenburg. transfer media, Babelsberg, Germany: 16.09.2014

Urs Kind, Uwe Schnepf, Hannes Jakobsen, Veit Quack

Organisation von Veranstaltungen:

d-werft Geschäftsmodell Workshop
From 12.01.2016 to 12.01.2016. Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft, Berlin, Germany (National)

Kerstin Bass, Urs Kind, Martina Dopfer