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DieWorkshops wurden von den Doktoranden des HIIG begleitet und ihre Berichte und Einschätzungen zu den jeweiligen Themen lassen sich in unserem Blog finden:

Global Rules and Regulation | Network Architecture and Political Communication | Open Science | Open Software and Open Design | Patterns of Participation | Transformation of the Public Sphere

Download des Programmheftes inklusive Abstracts.


11:00 – 12:30 

Patterns of Participation
Moderation: Annalies Gartz, Ayca Nina Zuch

Julia Hauck
Eine Frage des Vertrauens: Die Nutzung von Online-Communitys (de)

Mit dem rasanten Aufstieg von Online-Communitys als beliebte Web-Angebote steht die Kommunikationswissenschaft vor einem neuen Forschungsgegenstand, der sich durch die Interaktivität der Kommunikation von bisherigen Massenmedien unterscheidet. Bei Communitys, die auf Basis von nutzergenerierten Inhalten beruhen, ist Vertrauen und die Annahme von Reziprozität Voraussetzung für eine Entscheidung zur Nutzung. Die Übernahme der Selektion des Anderen, d.h. anderen zu vertrauen, ist hier mit – wenn auch „nur“ alltagsspezifischem – Risiko verbunden. Aus den Tipps, Ratschlägen und Vereinbarungen, die online getroffen werden, können negative Folgen durch einen Missbrauch von Vertrauen (offline) resultieren. Der Vortrag gibt einen Überblick zum Thema und stellt erste theoretische Erkenntnisse des Dissertationsprojekts vor.

Sabine Thürmel
Die partizipative Wende – Konstellationen verteilten und kollektiven Handelns  in soziotechnischen Systemen (de)

Neuartige Kooperationsmöglichkeiten zwischen Menschen, Robotern und Softwareagenten sind derzeit im Entstehen. Diese neuartigen Interaktionsmöglichkeiten finden sich in einer Vielzahl von soziotechnischen, computervermitteltem Umgebungen. Als offene, dezentral organisierte Systeme unterstützen sie eine partizipative Kultur. Konstellationen verteilten und kollektiven Handelns werden vorgestellt. Ihr  Facettenreichtum belegt, wie vielseitig bereits heute die menschlichen Fähigkeiten erweitert werden und wie weit die Abgabe von Handlungsoptionen an technische Agenten fortgeschritten ist. Ein begrifflich-systematischer Ansatz wird exemplarisch vorgestellt. Auf seiner Basis kann Handlungsträgerschaft und dieDelegation von Handlungsoptionen an nichtmenschliche Akteure beschrieben und bewertet werden. Anwendungsspezifische Partizipationsmuster lassen sich herausarbeiten.

 

11:00 – 12:30
Netzwerk-Architektur und politische Kommunikation
Moderation: Christian Katzenbach

Holger Greve
Zugangsbeschränkungen im Internet (de)

Die digitale Kommunikation im Internet ist nicht sakrosankt und kann natürlich ebenso gesetzlich vorgezeichneten Beschränkungen unterfallen, die einem berechtigten Rechtsgüterschutz dienen. Bei der Umsetzung netzbezogener Eingriffe sind aber vor allem auch die jeweiligen Auswirkungen in der Architektur des Internets in den Blick zu nehmen, die auf das Grundrechtsverwirklichungsnetz empfindlich zurückwirken können. Seiner Struktur nach ist das Internet auf einen freien, territorial ungebundenen, ubiquitären Informationsfluss angelegt. Eingriffe, die dies nicht berücksichtigen oder aufgrund ihrer Streubreite oder Intensität unausgewogen sind, richten meist mehr Schaden an, als dass sie nutzen. Eine rationale Anlegung des Verhältnismäßigkeitsgrundsatzes unter hinreichender Ermittlung einer validen Tatsachengrundlage kann daher durchaus ein verlässlicher Wegweiser sein, um eine angemessene Ausbalancierung der aufeinandertreffenden Interessen zu gewährleisten. Angesichts der territorial nicht gebundenen Kommunikation ist zudem der Ausbau des internationalen und europäischen Kommunikationsrechts zwingend erforderlich, um einheitliche Maßstäbe zur Sicherung und Harmonisierung kommunikativer Freiheit im Netz zu gewährleisten.

Felix Francke
Netzneutralität als Nebenbedingung politischer Kommunikation in digitalen Demokratien Europas (de)

Die Ergänzung traditioneller Wege politischer Kommunikation durch Beteiligungsmöglichkeiten im Internet schwächt herkömmliche Gatekeeper öffentlicher Diskurse, wie sie in Rundfunk und Printmedien existieren. Das Internet erscheint als „demokratischstes Massenmedium der Welt“. Der Datenaustausch basiert jedoch immer auf der inneren Architektur des Internets, wo mehr und mehr Technologien zum Filtern und Verändern von Informationen bereit stehen. Internetanbieter werden zu neuen potentiellen Gatekeepern, der Charakter des Internets als offenes Medium und damit die Legitimität politischer Kommunikation auf seiner Basis stehen in Frage. Politische Kommunikationsforschung kann das Internet nicht weiterhin als Black Box behandeln. Im Vortrag werden Interdependenzen zwischen der Entwicklung politischer Beteiligungsformen und verschiedenen Regulierungsentwürfen zur Netzneutralität aufgezeigt.

Breindl Yana
Internet Blocking in Liberal Democracies: A Comparative Public Policy Analysis (de)

Research into internet blocking has typically focused on authoritarian regimes. However, Western states, with a long-term commitment to freedom of expression, are increasingly debating and implementing internet filtering. Filtering is becoming a global norm as states and businesses make use of increasingly sophisticated techniques to deal with problematic content. The research adopts a comparative public policy perspective to contrast internet blocking policies across twenty liberal democracies. It focuses on the articulation of institutional, ideological and discursive elements on internet blocking policies (or the lack thereof). If the rule of law or transparency and accountability mechanisms need to be taken into account, other factors may also be of importance for understanding the regulation of online content in democracies. For instance, cultural and historical parameters provide insights into why certain states block one type of content but not another or privilege one type of regulatory mechanisms over another.

 

13:30 – 15:00
Transformation of the Public Sphere

Moderation: Wolfgang Schulz

Jan-Felix Schrape
Social Media, Massenmedien und Öffentlichkeit (de)

An neue Medien werden seit jeher hohe Erwartungen geknüpft und auch mit der Etablierung des Web gingen von Beginn an zahlreiche Visionen einher. Das Platzen der ›Dotcom-Blase‹ mündete zwar in vorübergehender Ernüchterung; seit 2005 aber durchkreuzen erneut drei interagierende Erwartungen den allgemeinen Diskurs: (1) die Substitution massenmedialer Strukturen durch nutzerzentrierte Austauschprozesse; (2) eine Auflösung der Rollenverteilung zwischen Produzenten und Konsumenten; (3) eine netzgetriebene Demokratisierung gesellschaftlicher Entscheidungsprozesse. Vor diesem Hintergrund ist es das Ziel des Beitrags, das derzeitige Verhältnis von Social Media und Massenmedien unaufgeregt zu taxieren: Welche Bevölkerungsteile nutzen welche Angebote zu welchen Zwecken? Durch welche Qualitäten zeichnet sich das Social Web aus? Welche Interaktionen liegen zwischen nutzergenerierten und journalistischen Inhalten vor? Und: Inwieweit deuten diese Entwicklungen tatsächlich auf egalitärere Öffentlichkeitsstrukturen hin?

Jingwei Wu
Change of the Boundary between Public and Private on Social Network Sites: An Intercultural Comparison between Germany and China (en)

The high level of public disclosure and increasing opinion expression on social network sites (SNSs) has given rise to a public and private boundary problem between online privacy protection and the public sphere. This dissertation explores how the boundary between private and public has been changed in SNSs based on different cultural backgrounds (individualist vs. collectivist) and media systems (free vs. non-free). Online questionnaires and interviews will be used to generate data which explain how interacting in SNSs affects online disclosure and opinion expression from both the individual and group perspectives. The comparison between Germany and China, as type-cases of individualist and collectivist national cultures, respectively, aims to provide an understanding of privacy protection and opinion expression on the internet, as well as a means of examining the online public sphere (Habermas, 1990) and the “spiral of silence” theory (Noelle-Neumann, 1974) in an international digital era. It will contribute insights to the regulation of privacy for the private sphere and online opinion-formation (Meinungsbildung) for the public sphere.

Evgeniya Boklage
Blogging in the (counter) public sphere: mapping Russian queer blogs

tba

 

13:30 – 15:00
Open Science

Moderation: Cornelius Puschmann

Constanze Engelbrecht
Offene Wissensökologien: kollaborative Wissensproduktion in hybriden virtuellen Communities (de)

Dieser Vortrag gibt Einsichten in die wachsende Zahl offener Wissensökologien, in denen Wissen in hybriden Communities mit bislang kaum als innovationsrelevant eingeschätzten Akteuren (Nutzer und Laien), über neue Arten der Wissenszirkulation (virtuelle Kommunikations- und Interaktionsformen) und in alltäglichen Räumen der Wissenspraxis (häusliche Arbeitsplätze und Werkstätten) produziert wird. Ausgehend von einer Differenzierung in analytische, synthetische und symbolische Wissensbasen werden jeweils konkrete Communities aus den Bereichen Astronomie (Klassifizierung und Erforschung von Himmelskörpern), Freizeitsport (Herstellung und Aktualisierung von Trekkingtouren- und Surfspotführern) und Kochkunst (Kreieren und Verfeinern von Rezepten) vorgestellt. Die Analyse entlang einzelner Wissensbasen ermöglicht eine differenzierte Abbildung spezifischer Wissenspraktiken sowie sozialer und räumlicher Dynamiken offener Wissensökologien.

Pasko Bilic
Emerging communication structures in new media systems: flows and counter-flows through wikis (en)

The goal is to analyze connections between a wiki-like and a wiki-based project and their external media ecology and social context. WikiLeaks (WL) and Wikipedia (WP) projects have different goals. WL attempts to control the agenda through obtaining and publishing information deemed to be of public relevance. WL sets the agenda, controls the information flow through cooperation with mass media, and creates a document database. The case of WP, and the In the News (ITN) section on the English WP, is completely the opposite. The mass media set the agenda, but WP resets the information flow, and, through remediation of publicly available information, creates a novel format of publicly available knowledge. Although based on somewhat similar technologies, and not being formally institutionalized, these projects have significantly altered public communication structures and transformed the sphere of public communication. Despite obvious differences they both operate under the assumption of radical openness, transparency and accessibility.

Christoph Lutz
Open Science and Alternative Measures of Scientific Impact (Altmetrics) (en)

Der Beitrag beschäftigt sich mit dem Open Science Aspekt der Altmetrics. Dabei geht es um die Frage, wie wissenschaftlicher Erfolg – oder Scientific Impact – mit differenzierteren Maßen als der Bibliometrie gemessen werden kann: In einem durch die Digitalisierung sich stetig verändernden Wissenschaftsbetrieb (Stichworte sind Open Access, Open Data und Networked Science) bieten sich dazu immer mehr Möglichkeiten und Daten. In Zusammenarbeit mit der wissenschaftlichen Social Network Site ResearchGate findet deshalb an der Universität St. Gallen ein exploratives Pilotprojekt statt, das Scientific Impact in der BWL über Netzwerkmetriken und die Aktivität von Wissenschaftlern in der Online-Community messen möchte. Die Präsentation gibt einen Einblick in das entstehende Feld der Altmetrics und stellt das Pilotprojekt vor. Als übergeordnetes Ziel soll die Diskussion angeregt werden, ob und wie Daten aus Online Social Networks wie Research Gate oder Mendeley die traditionelle Bibliometrie ergänzen oder gar ersetzen können.

 

15:30 – 17:00
Global Rules and Regulations

Moderation: Osvaldo Saldias

Matthias C. Kettemann
Hilft das Völkerrecht gegen die Feinde des Internet? (de)

Das Völkerrecht ist ein kraftvolles Instrument der internationalen Gemeinschaft zur Regelung von Gegenständen von international-öffentlichem Interesse, zum Schutz globaler Allgemeingüter und zur Begrenzung der Rechte und Pflichten von Staaten. Inzwischen hat sich der Schutz des Internet als Gegenstand international-öffentlichen Interesses etabliert; das Internet ist mithin ein globales Schutzgut. Das heißt: Das Völkerrecht nimmt dem Internet feindlich gesinnte Staaten an die Kandare. Hierbei einschlägig sind insbesondere die Rücksichtnahmepflicht, die Kooperationspflicht, das Nichteingriffsprinzip, das Vorsorgeprinzip und das internationale Regime des Menschenrechtsschutzes. Doch noch sind die Pflichten in großen Teilen nicht ausreichend genau ausbuchstabiert, um ihre Ahndung durch die internationale Gemeinschaft zu ermöglichen. Völkerrechtspolitisch ist hier eine stärkere Verrechtlichung zu fordern.

Ben Kamis, Thorsten Thiel
The Original Battle Trolls: Why States Need the Internet to be a Violent Place (de)

Although it is a banal observation, no violent act has ever been committed over the Internet. However, terms such as ‚cyber-warfare‘, ‚cyber-terrorism‘ and ‚cyber-security‘ all relate to acts that are only possible in virtue of the Internet and they all carry an obvious connotation of hostility and violence. To the extent that states can be accurately characterized as institutions that legitimately monopolize violence, their attempts to represent the Internet as a domain of violence, demands explanation. In our talk we look at the reasons for projecting violence into the virtual domain as well as the ways to do this. ‚Normal‘ trolls disrupt discourse with inflammatory remarks, one forum at a time; in many ways states are doing the same, but to the internet as a whole and with grave implications for society.

Ge Chen
Urheberrecht und Entwicklungsländer: von der normativen Interoperabilität zur institutionellen Inklusivität in der globalen Copyright Governance (de)

Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie im Rahmen einer von konstitutionalistischen Überlegungen geprägten Post-WIPO-Entwicklungsagenda ein Ausgleich zwischen universellem Urheberrechtsschutz und verschiedenen Entwicklungsniveaus gefunden werden kann. In normativer Hinsicht wird die Funktionalität von Zugangsregeln untersucht, d.h., wie Zugangsregeln in verschiedenen globalen Urheberrechtsregimen entstehen, sich fortentwickeln und in einer interoperablen Weise so  gehandhabt werden können. Mit Blick auf die institutionelle Dimension wird der Frage der Legitimität der Entwicklungsziele nachgegangen, welche Rolle die Entwicklungsziele verschiedene Regimes bei der Überwindung von normativen Konflikten spielen können und wie inklusive die Entwicklungszielen überhaupt werden können,. Vor diesem Hintergrund zeigt sich letztlich ein Bedürfnis nach einer differenzierteren und kooperativen administrativen Rollenverteilung zwischen WIPO und WTO im konstitutionellen Diagramm der globalen Copyright Governance.

 

15:30 – 17:00
Open Software & Open Design

Moderation: Jörg Müller

Begoña G. Otero
Compelling to disclose software interoperable information: A risk for innovation or a balanced solution? (en)

The vision that interoperability may be taken into account as a priori standard which crosscuts a wide spectrum of IT laws and policies, found its confirmation in the Digital Agenda for Europe 2010-2020, whose second pillar refers to interoperability and standards. To improve and promote the enhancement of interoperability, the Agenda envisages several actions, but strikingly none of those actions address directly the Software Directive. Two actions of the Digital Agenda refer to this matter but mainly through the study of compulsory licensing. This paper will expound, on one hand, how and why interoperability as a priori standard, has its background in the conception and legal regime established by the Software Directive, and on the other hand, how this Directive might affect a possible licensing approach of interoperability information.

Christoph Schneider
Concrete utopias of an open technology. The practices and futures of open design (en)

As open source practices are spreading into the world of atoms, the scope of open source widens. Practices of open design, or open source hardware are creating new objects, visions and organizations that potentially have a significant influence on the futures of artifacts and society. Implicitly or explicitly, the practices of open design embody different ideas of how the world should be. In my research I ask what the conditions and possibilities of the spreading of open design practices and the related goals and visions are. I consider projects of open design as „concrete utopias“ that mediate visions of the future with present possibilities and in turn widen the possibilities of open design itself. Empirically the project will trace the mobilities of objects and visions and reconstruct their role in creating processual and future-oriented practices of open design.

Ein Gedanke zu “Berliner Kolloquium – Berichte / Abstracts 2012

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