Das Internet ist verbunden mit der Vision von individuellen und kollektiven Mitwirkungsmöglichkeiten. Online-Partizipation wird daher zu einem zentralen Aspekt für das Verständnis des Zusammenspiels zwischen Internet und Gesellschaft. Menschen bringen sich mittels verschiedener Partizipationsformen auf diversen gesellschaftlichen Ebenen ein – von der politischen Entscheidungs- und  Konsensfindung bis hin zur Kundenintegration und zur Mitgestaltung in der Wirtschaft. Als Kommunikationsinfrastruktur verbindet das Internet die Reichweite der Massenmedien mit der Möglichkeit bidirektionaler Kommunikation. Durch n2n-Kommunikation ergeben sich unzählige neue Möglichkeiten, zuvor nicht verknüpftes Wissen zu verbinden. Da Innovationen häufig auf neuen Kombinationen bereits vorhandenen Wissens basieren, ist das Internet für Anwendungen im Innovationsmanagement sehr attraktiv. Für Organisationen ergibt sich eine Verschiebung von Grenzen – mit einer Tendenz zu mehr Transparenz und einer stärkeren Beteiligung seitens der Interessengruppen. Diese Interessengruppen werden durch Vernetzung sowie aufgrund des Austauschs von Ansichten und der Bündelung von Meinungen gestärkt. Einschränkend kann argumentiert werden, dass im Zusammenhang mit dem Internet die Beziehungen zwischen Organisationen und Interessengruppen sich noch nicht so tiefgreifend verändert haben, wie teilweise erwartet wurde.

Das Institut für Internet und Gesellschaft widmet sich der übergeordneten Thematik der Online-Partizipation anhand mehrerer Forschungsprojekte (zB.: Motivation zur Online-Partizipation, Open Science, Global Privacy GovernanceVerwaiste Werke in digitalen Bibliotheken, Rechtsfragen von Crowdsourcing). Dieser übergreifende Ansatz wird mittels einer transdisziplinären Literaturliste in allen vier Forschungsbereiche verfolgt, um bestehende Argumentationsmuster und Forschungsströmungen herauszuarbeiten. Dabei analysiert das Institut insbesondere die Voraussetzungen und vorangegangene Prozesse der Online-Partizipation, Abläufe und Bedingungen im Prozess der Online-Partizipation sowie Konsequenzen, die sich aus Online-Partizipation ergeben.

In dieser übergeordneten Thematik werden die Grundlagen und Vorbedingungen für Online-Partizipation untersucht, d.h. es wird gefragt, für welche Aufgabengebiete sich Online-Partizipation eignet bzw. wie die Einsatzbereiche aufgegliedert werden müssen, um sie geeignet darstellen zu können. Das Forschungsprojekt konzentriert sich sowohl auf den konkreten Prozess der Online-Partizipation (beispielsweise durch Untersuchungen und Vergleiche von Management-Konzepten in politischen Organisationen und Unternehmen) als auch auf die Folgen von Online-Partizipation (indem untersucht und verglichen wird, welchen Impetus zur Transformation diese in Bezug auf Kräfteverhältnisse, Hierarchien und soziale Verhältnisse in politischen und wirtschaftlichen Organisationen aufweisen). Das Institut führt außerdem eine Reihe weiterer Projekte durch, die einen Beitrag zur übergeordneten Thematik liefern: So spielt Online-Partizipation beispielsweise eine wichtige Rolle im Forschungsprojekt Open Science, da ein wesentlicher Aspekt von Open Science in der kollektiven Wissensaneignung besteht. Im Rahmen von Projekten, die im Zusammenhang mit Global Privacy Governance sowie Verwaiste Werke in digitalen Bibliotheken stehen, wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Öffentlichkeit mittels Online-Partizipation auf supranationale Regulierungsinitiativen Einfluss nehmen kann. Weiterhin ist ein Workshop zu spezifischen Rechtsfragen von Crowdsourcing in Planung.