Eine weitere übergeordnete Perspektive des Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft widmet sich Koordinationsstrukturen und der Regelsetzung im digitalen Umfeld. Die aktuelle Literatur zu Governance Arrangements betont die Vielzahl von Quellen, Bereichen und Ressourcen, die Prozessen der Regelsetzung zugrunde liegen. Auch die juristische Forschung richtet das Augenmerk verstärkt auf die Beziehung zwischen sozialen Normen und Rechtsstaatlichkeit sowie zwischen öffentlichen und privaten Regelungsbereichen. Die Debatte zu Verletzungen des Urheberrechts im Internet zeigt, dass sich soziale und rechtliche Normen sowohl gegenseitig verstärken als auch untergraben können. Allerdings bietet das Internet auch Belege dafür, dass technische Normen als Basis privater Normierungsprozesse im digitalen Raum wirken können. Lawrence Lessigs „code is law“ spiegelt die verbreitete Annahme wieder, dass technische Rahmenbedingungen im digitalen Bereich ähnlichen Einfluss auf soziale Interaktion entfalten können, wie Rechtsnormen.

Das Internet hat sowohl die Koexistenz von sozialen, rechtlichen und technischen Normen, als auch deren befähigenden oder beschränkenden Charakter bereits weithin erfahrbar gemacht. Dennoch hat sich das dynamische Zusammenspiel von Regelungsansätzen in der digitalen Welt nur allmählich einen Weg in Forschungsansätze gebahnt. Je weiter allerdings das Internet in sämtliche gesellschaftlichen und ökonomischen Lebensbereiche vordringt, desto deutlicher wird der Charakter einer dezentralen Regelungsinstanz zu Tage treten. Was der Internet-Forschung quer durch alle beteiligten wissenschaftlichen Disziplinen bislang noch fehlt, ist eine systematische Erfassung der Interdependenzen sowie der sich stetig zwischen rechtlichen, technischen und sozialen Quellen verschiebenden Regelungsimpulse in technisch vermittelten Umgebungen.

Mehrere Projekte des Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft sind explizit auf die Wechselwirkungen zwischen sozialen, technischen und rechtlichen Normen ausgerichtet (Social Media GovernanceZirkulation von KulturgüternGlobal Privacy Governance, Verwaiste Werke in digitalen BibliothekenMeinungsfreiheit in quasi-öffentlichen Räumen). Heterogene Regulierungsprozesse dieser Art sind auch für diverse andere Projekte von Bedeutung (Open ScienceDie digitale öffentliche Verwaltung). Indem das Institut dieser Problematik den Status eines übergeordneten Themenkomplexes einräumt, wird eine interdisziplinäre Verbindung zwischen den vier Forschungsbereichen etabliert und zugleich Voraussetzungen für vergleichbare Beiträge zu verschiedenen Forschungsgebieten im Zusammenhang mit Regulierungsprozessen geschaffen.

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