
Wie wir zum HIIG wurden
In den frühen 2010er Jahren warf die Digitalisierung immer mehr Fragen auf, auf die die deutsche Wissenschaftslandschaft nicht eingerichtet war. Das Internet war und ist kein Gegenstand, für den eine einzelne Disziplin zuständig sein könnte: Die Veränderungen reichten von Geschäftsmodellen bis in die Art, wie öffentlich gestritten und entschieden wird, und ließen sich nur im Zusammenspiel mehrerer Fächer verstehen. Was fehlte, waren Orte für diese Zusammenarbeit.
Vor diesem Hintergrund bündelten das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), die Humboldt-Universität zu Berlin (HU), die Universität der Künste Berlin (UdK) und das Hans-Bredow-Institut in Hamburg (heute Leibniz-Institut für Medienforschung) ihre Kompetenzen, um ein neues Forschungsinstitut aufzubauen: interdisziplinär, unabhängig und mit einem klaren Blick auf die Wechselwirkung von Technologie und Gesellschaft. Durch eine großzügige, nicht zweckgebundene Spende von Google wurde das Fundament für das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) geschaffen. Im Oktober 2011 kamen die Gründungsakteure zu einem Eröffnungssymposium zusammen, um Agenda und Ausrichtung zu entwickeln. Wenige Monate später erfolgte die formale Gründung als erstes Institut für Internet und Gesellschaft in Deutschland.
Von Beginn an verstand sich das HIIG als Knoten eines internationalen Netzwerks der Wissensproduktion. Mit der Entstehung des Instituts formte sich auch das Global Network of Internet and Society Research Centers (NoC), zu dessen initialen Partnern das HIIG gehörte und dessen erste Koordination es übernahm. Heute verbindet das Netzwerk über 140 Einrichtungen weltweit, seit 2017 mit einem zunächst vom HIIG koordinierten europäischen Hub.
Die Jahre danach brachten Brüche, die die vernetzte Gegenwart prägten: Ob die Snowden-Enthüllungen, Angela Merkels berühmte Bezeichnung des Internet als "Neuland", die Datenschutz-Grundverordnung oder der Aufstieg generativer KI. Das HIIG begleitete diese Entwicklungen der digitalen Gesellschaft und erforschte das dynamische Verhältnis von Innovation und Governance.
Was als Zusammenschluss unterschiedlicher Disziplinen begann, wuchs durch vielfältige Forschungsprojekte, vielstimmige Diskussionen und das Finden einer gemeinsamen Sprache, das Üben und mitunter auch die Irrwege gemeinsamer Forschung zu einem genuin interdisziplinären, in einigen Projekten sogar transdisziplinären Institut heran. Dieses Zusammenwachsen ist bis heute kein abgeschlossener Prozess, sondern etwas, das am HIIG stetig weiter erprobt und entwickelt wird. Der aktuelle Stand dieser Entwicklung zeigt sich in den Themenschwerpunkten und Projekten des Instituts.
Nach elf Jahren institutioneller Förderung durch Google, weiterer erfolgreicher Einwerbungen und Drittmittelprojekte steht das HIIG seit 2025 auf einem neuen Fundament: Die Joachim Herz Stiftung, die Stiftung Mercator und die Stiftung Wissenschaft und Demokratie tragen gemeinsam die institutionelle Finanzierung. Auf dieser Basis entwickelt das Institut seine Forschung entlang vier großer Schwerpunkte weiter.
Alexander von Humboldt wurde einst größter „wissenschaftlicher Reisender aller Zeiten“ genannt. Als Pionier der interdisziplinären Forschung und geistiger Vater der Aufklärung dient er dem Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) in Berlin heute als Vorbild. Bis zu seinem Tod hat er unermüdlich an seinem Buch „Kosmos“ gearbeitet, mit dem er die ganze Welt zu erklären suchte. Das HIIG hat sich einen Forschungsgegenstand ähnlicher Größe vorgenommen: Die dynamischen Beziehungen zwischen Internet und Gesellschaft im Zeitalter des Digitalen.
Forschung und Dialog
Wir stellen an unsere Forschungspraxis den Anspruch, wissenschaftliche Erkenntnis und gesellschaftlichen Dialog zu verschränken.
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