Zum Inhalt springen

DIGITAL SOCIETY BLOG

Wissen über unsere vernetzte Welt

DIGITAL SOCIETY BLOG

Wissen über unsere vernetzte Welt

jonathan-velasquez-c1ZN57GfDB0-unsplash

From Zero To One: Wie ein Podcast die Entrepreneurship-Lehre unterstützen kann

15 Februar 2021

Der Blogbeitrag diskutiert, wie ein Podcast die Entrepreneurship-Lehre in Pandemiezeiten unterstützen kann. Die größte Herausforderung für Startups ist laut dem aktuellen Deutschen Startup Monitor wiederholt das Thema Kundengewinnung und Vertrieb. Der Podcast beleuchtet, wie Gründer*innen namhafter Startups ihre ersten Kunden gewonnen, eine skalierbare Marketing- und Vertriebsstrategie gefunden haben und welche Herausforderungen sie dabei sonst noch zu bewältigen hatten. Der Interviewer führt die Gespräche mit wissenschaftlichem Anspruch und setzt den Podcast zur Unterstützung seiner Entrepreneurship Lehrveranstaltungen in verschiedenen Bachelor- und Masterkursen ein. Insbesondere in Zeiten von Corona und digitalen Lehrveranstaltungen ist damit eine lernfördernde Umgebung und Praxisnähe garantiert. Der “Marketing From Zero To One Podcast” ist auf allen üblichen Kanälen (z.B. Soundcloud, Spotify und Apple Podcasts) abrufbar.


Vor einiger Zeit habe ich den “Podcast Marketing From Zero To One” gestartet, um diesen als begleitendes Tool für meine Entrepreneurship Lehrveranstaltungen einzusetzen. In jeder Folge geht es um eine andere Person, um ein anderes Startup und somit um eine andere Geschichte. Im Kern geht es um die Themen Vertrieb und Kundengewinnung. Ein Thema, was laut Analyse des Deutschen Startup Monitor 2020 für 2/3 aller Startups die größte Herausforderung darstellt – Tendenz steigend. Dies bestätigen auch meine Beobachtungen und Forschungsergebnisse. Es gibt kaum etwas schwierigeres für Startups, als die ersten zahlenden  10, 50, 100 Kunden zu gewinnen. Genau diese können eine Positivspirale auslösen, indem sie durch ihr wertvolles Feedback Produktverbesserungen anstoßen oder aber für Investoren der Auslöser für eine Finanzierungsrunde sind. Im Fachjargon formuliert können sie ein Startup von “Null” auf “Eins” bringen.

In den Gesprächen versuche ich zu analysieren, wie es den jeweiligen Startups gelungen ist, eine funktionierende Marketing- und Vertriebsstrategie zu entwickeln und welche Taktiken und Kanäle sie retrospektiv zum Erfolg geführt haben. Ich betreibe den Podcast mit einem wissenschaftlichem Anspruch, versuche Muster zu erkennen und Erkenntnisse abzuleiten, von denen wiederum weniger erfahrene Gründerinnen und Gründer profitieren können.

In meiner Rolle als Professor an der Technischen Hochschule Brandenburg hilft mir der Podcast nicht nur dabei, nah am Thema zu bleiben, sondern vor allem spannende Geschichten ans Licht zu bringen. Gründerinnen und Gründer sind Überzeugungstäter und wer sich wie sie über mehrere Jahre tiefgehend mit einem Thema auseinandersetzt, der hat in der Regel viel zu berichten. Das habe ich bei jeder der mittlerweile mehr als 35 Folgen gemerkt und lerne immer wieder selbst neue und spannende Dinge dazu. Übliche Fragen, die in Gesprächen thematisiert werden sind:

  • Wie sind die Gründer*innen auf die Idee ihres Startups gekommen? 
  • Wie haben Sie ihre ersten zahlenden Kunden gewonnen? 
  • Wie ist es ihnen gelungen, eine funktionierende, skalierbare Marketing- und Vertriebsstrategie für ihr jeweiligen Startup zu entwickeln? 
  • Welche Marketing- und Vertriebskanäle haben am besten für sie funktioniert? 
  • Was waren ihre 2-3 größten persönlichen Learnings, die sie an andere, weniger erfahrene Gründer*innen weitergeben können? 
  • Wie hat Corona ihr Startup beeinflusst und was steht aktuell auf ihrer Agenda?

In der Lehre ist es mein oberstes Ziel, den Studierenden Praxisnähe zu vermitteln. In der Vergangenheit habe ich regelmäßig Gründerinnen und Gründer für Gastvorträge an die Hochschule eingeladen, für die Studierenden Exkursionen zu Startups organisiert oder aber gemeinsame Projekte mit diesen organisiert. In Zeiten von digitaler Lehre und Corona versuche ich das, was möglich ist, ins Virtuelle zu verlagern. Der Podcast garantiert Praxisnähe, sodaß ich regelmäßig darauf zurückgreife. Während der stattfinden Online Vorlesungen höre ich mir gemeinsam mit den Studierenden kurze Sequenzen an, die eine inhaltliche Bereicherung für meine theoretischen Vorlesungsinhalte sind. An anderer Stelle verweise ich lediglich darauf, sodaß die Studierenden die Inhalte orts- und zeitungebunden konsumieren können.

Die Umstellung von Präsenz- auf Online-Lehre hat mich auf die Idee gebracht, den Podcast noch intensiver einzusetzen und daraus Fallstudien zu produzieren. Existierende “Business Case-Studies” drehen sich leider selten um Unternehmen aus der gleichen Region, werden für gewöhnlich nur in Textform veröffentlicht und sind oft sehr abstrakt, was zur Demotivation führen kann. Außerdem ist es als Lehrender vergleichsweise teuer, die Rechte daran zu erwerben, um sie in der Lehre verwenden zu dürfen. Für die Studierenden ist es weiterhin kaum möglich, klärende Fragen zu stellen, die über die Lösungen zum selbstständigen Nachlesen hinausgehen.

Angelehnt an die klassischen Harvard Business Case-Studies arbeite ich daher gemeinsam mit ausgewählten Startups aus der Metropolregion Berlin Brandenburg strukturiert ihre größten Herausforderungen beim Unternehmensaufbau heraus, baue diese zu offenen Fragen um und nehme anschließend die Antworten der Gründerinnen und Gründer als Podcast auf. Häufig drehen sich auch hier die Probleme um marketing- und vertriebsrelevante Fragestellungen. Die Studierenden erhalten anfangs ein paar für das Verständnis wichtige Informationen zu den Personen und deren Hintergrund sowie zu ihren Ideen in Kombination mit den Fragen. Anschließend können sie sich Gedanken machen, untereinander über mögliche Lösungswege diskutieren und ihre Ergebnisse dann anschließend präsentieren. Die Auflösung gibt es dann am Ende als kurze Podcast Sequenz und ab und zu schalten sich die jeweiligen Gründerinnen und Gründer auch persönlich in die Vorlesungen, um weitere Fragen der Studierenden zu beantworten.


Die Fallstudien sollen vor allem dazu beitragen, die Hürden zum Gründen zu senken und den Studierenden nachvollziehbare reale Geschichten liefern, die sie daran glauben lassen, dass sie diesen Weg ebenfalls einschlagen können. Darüber hinaus sollen wichtige Kompetenzen wie Kreativität, Analytik, Ergebnisorientierung oder aber Problemlösungs-, Kommunikations- und Teamfähigkeit gestärkt werden. Der Marketing_021 Podcast ist auf Soundcloud, Spotify und Apple Podcasts zu finden. Mit dabei waren bereits die Gründer*innen von Blinkist, Bookingkit, COMATCH, Machtfit, Neue Narrative, POSPulse, Selfapy, Stickerstars, Theyo, Uberall, Urban Sports Club und viele andere.


Martin Wrobel ist Professor für Allgemeine BWL insb. Unternehmensgründungen an der Technischen Hochschule Brandenburg und assoziierter Forscher am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft. 

Twitter
LinkedIn

Marketing_021
Instagram
LinkedIn
Soundcloud
Spotify
Apple Podcasts

Dieser Beitrag spiegelt die Meinung der Autorinnen und Autoren und weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wider. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Beiträge und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren Sie bitte info@hiig.de

Martin Wrobel, Prof. Dr.

Assoziierter Forscher: Innovation, Entrepreneurship & Gesellschaft

Bleiben Sie in Kontakt

und melden Sie sich für unseren monatlichen Newsletter mit den neusten Blogartikeln an.

JOURNALS DES HIIG

Weitere Artikel

Warum wir weniger Männer in der Informatik brauchen

Seit Jahrzehnten wird gefordert, dass wir mehr Frauen in der Informatik brauchen, doch bis heute hat sich nichts getan. Deshalb kehren wir die Forderung um: wir brauchen weniger Männer in...

Mythos: KI macht Schluss mit Diskriminierung

Wir entmystifizieren diese Behauptung, indem wir uns konkrete Beispiele dafür ansehen, wie KI Ungleichheiten (re)produziert, und verbinden diese mit verschiedenen Aspekten, die helfen, sozio-technische Verstrickungen zu veranschaulichen.

Siris böse Schwester. Wenn der niederländische öffentliche Dienst Ihre Daten stiehlt

Die “System Risiko Anzeige” (SyRI) diente der niederländischen Regierung zur automatisierten Erfassung von Sozialhilfebetrug. Das Programm wurde allerdings wegen Intransparenz und unangemessener Datenerhebung verboten und beendet. Dies demonstriert, wie die...