Research Programme: Actors, Data, Infrastructures/Daten, Akteure, Infrastrukturen | Photo by Scott Webb on Unsplash

Nur ein Wort, ausgesprochen während des morgendlichen Lesens der Zeitung und ein Gerät erwacht, nimmt Stimmen der Umgebung und Befehle auf. Die Lieblingsmusik hören? Eine Einkaufsliste schreiben? Das SmartHome-Gerät wird aufgrund aller Daten, die bisher gesammelt und ausgewertet wurden, die richtige Musik auswählen und alle Listen nach persönlichen Wünschen organisieren.

Doch wie werden diese sensiblen Daten gegenwärtig gesichert und wer gewährleistet die Privatsphäre der NutzerInnen? Welche Verantwortung tragen dabei die privaten Unternehmen und welche rechtlichen Schritte müssen eingeleitet werden, um Risiken abzuwägen und anzupassen? Digital verbundene Geräte sind im Stande vielseitige Aufgaben zu vollbringen und den menschlichen Alltag zu erleichtern, gleichzeitig können sie schweren Schaden anrichten. Daten sind eine bedeutende Ressource für ökonomische Entwicklungen, Regierungen, private Unternehmen und die Menschen, die sie für sich nutzen.


Das Forschungsprogramm II – Die Beziehung zwischen Akteuren, Daten und Infrastrukturen in der Digitalen Gesellschaft

strebt eine Analyse dieses Potentials und Lösung seiner Risiken an. Innovationsprozesse, besonders im Bereich der Informationstechnologien, basieren auf intelligenter Datenverarbeitung – das macht Daten zu einer machtvollen Ressource in der digitalen Gesellschaft. Gegenwärtig ist jedoch unser Verständnis der steigenden Relevanz dieser Daten unvollständig. Verbesserter Zugang zu Daten, Information, Bildung und Wissen, Transparenz und die Entwicklung von Netzwerken befähigt beidseitig, Bürger und private Unternehmen. Sie bieten Möglichkeiten um den sozialen Wohlstand in der digitalisierten, demokratischen Zivilgesellschaft zu verbessern. Neue Chancen und Methoden des Datenverarbeitung und -analyse beeinflussen die Beziehung zwischen den Akteuren des öffentlichen und privaten Sektors. Auf der einen Seite können datengetriebene Analysen bereits existierender Dienstleistungen eine effizienteres Arbeiten ermöglichen. Neue Angebote können dabei entstehen. Andererseits können diese Analysen und Überwachungen etablierte Verbindungen in den Bereichen der Arbeit, Gesundheit, dem Versicherungswesen, Cybersecurity-Systemen, Märkten und der öffentlichen Verwaltung herausfordern und die individuelle Freiheit bedrohen.

Das Internet der Dinge (IoT) wird die Menge an vorhandenen Daten multiplizieren. Das Forschungsprogramm beabsichtigt, dieser Infrastrukturen, den Datenbesitz und den Datenfluss zu analysieren sowie unsere Einstellungen zu Datensicherheit und Cybersecurity, Privatsphäre, persönlicher Freiheit und politischer Teilhabe in der globalisierten, digitalen Gesellschaft. Das schließt ein Verständnis der Implikationen von Governance-Prozessen mit ein.


Akteure, Beziehungen und Governance

Derzeitig hat das Forschungsprogramm drei Felder an Forschungsfragen: 

  • Akteure: Wie verändern Daten – ihre Produktion, Sammlung, Kommunikation, Analyse und ihre Verwendung – Akteure (Individuen, Unternehmen, Behörden) und ihr Verhalten, ihren Einfluss und Rolle in der Gesellschaft?
  • Beziehungen: Gibt es verschiedene Arten der Eigentümerschaft von Daten? Wie werden Daten produziert, geteilt und genutzt? Welche neuen Produkte, Services und Geschäftsmodelle kommen demzufolge auf? Welche Infrastrukturen werden genutzt um Daten zu übertragen
  • Governance: Wie sind Daten Individuen, privaten Unternehmen und Behörden zuordenbar? Was sind informelle und formale Regelungen um Zugang zu erlangen und diese Daten zu nutzen? Welche Konzepte und mögliche Strategien sind für zu etablierende, öffentliche Standards und Regularien für Datenschutz und Cybersecurity sind auf globalem Niveau denkbar, die als Grundlage für Vertrauen und angemessener Funktionsfähigkeit des Internets dienen?

Das Forschungsprogramm baut auf bereits geleistete Forschung am Institut auf: wir werden nun diese Ansätze ausweiten und vertiefend auf spezifische Aspekte der genannten Forschungsfragen eingehen, wie z.B. die Erstellung von Innovationsprozessen und -strukturen von Open Data, Privacy- und Security-by-Design, und Standards als Governance-Instrument.

Forschungsprojekte

Das Humboldt Institut hat sicher einer offenen und angewandten Grundlagenforschung verpflichtet und zielt auf einen regen Austausch der Resultate mit zahlreichen anderen Bereichen, wie Smart Cars und Cities, Smart Government, eHealth, Industrie 4.0, internationaler Datentransfer und Spracherkennungssoftware.


Ausgewählte Publikationen

Djeffal, C. (2017). Leitlinien der Verwaltungsnovation und das Internet der Dinge: Vom E-Government Zum Smart Government Durch Verfassung, Gesetz, Organisation Und Strategie. HIIG Discussion Paper Series. Publication details

Hebing, M., Ebert, J. & Schildhauer, T. (2017). Startup Ökosysteme. Eine Studie des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft mit Unterstützung von Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie, Next Media Hamburg, Next Media Accelerator, Die Zeit. Publication details

Maier, H. & Jütte, B.J. (2017). A human right to sample—will the CJEU dance to the BGH-beat? Journal of Intellectual Property Law and Practice, 12(9), 784-796. Publication details

Richter, N., Schildhauer, T. (2017). Startup Clinics – Praxisforschung und „Erste Hilfe“ für Internet Startups. HIIG Discussion Paper Series, (forthcoming). Publication details

Staben, J. & Leisterer, H. (2017). International Cross-Surveillance: Global IT Surveillance Arbitrage and the Principle of Proportionality as a Counterargument. Surveillance & Society, 15(1), 108-122. Publication details

 

Foto: Scott Webb on Unsplash