Couldry_Header-38-38

Nick Couldry: Datenkolonialismus – die Aushöhlung der digitalen Gesellschaft

Die gegenwärtige Datafizierung der Gesellschaft führt nicht nur zu einer weiteren Erneuerung des Kapitalismus, sondern auch zu einer neuen Form des Kolonialismus. Wir werden Zeugen einer neuen Phase in der Menschheitsgeschichte, die dem Aufkommen des historischen Kolonialismus in nichts nachsteht: Kurz gesagt, die Entstehung eines neuen Datenkolonialismus, der auf der Aneignung menschlichen Lebens durch Daten beruht und der den Weg für eine neue Form des Kapitalismus ebnen wird. Der Vortrag wird der Frage nachgehen, wie eine neue Gesellschaftsordnung als Schlüsselfaktor zur Stabilisierung und Durchsetzung dieser Entwicklungen geschaffen wird. Diese Ordnung schafft neue Abhängigkeiten von Plattformen, über die Daten gewonnen werden, und produziert – durch eine Neuerfindung sozialen Wissens – neue Formen von Diskriminierung. Das Ergebnis ist eine Aushöhlung der sozialen Welt. Für den Konzernkapitalismus nimmt diese die paradoxe Form einer entstehenden neuen Gesellschaft an, die für endlose Ausbeutung und Manipulation zur Verfügung steht.

Nick Couldry ist Professor of Media, Communications and Social Theory an der London School of Economics and Political Science (LSE). Als Medien- und Kultursoziologe nähert er sich Medien und Kommunikation aus der Perspektive der symbolischen Macht, die historisch in Medieninstitutionen konzentriert ist. Er befasst sich damit, wie Medien- und Kommunikationsinstitutionen und -infrastrukturen zu verschiedenen Formen der Ordnung (sozial, politisch, kulturell, wirtschaftlich, ethisch) beitragen. Couldry ist Autor und Herausgeber von zwölf Büchern, darunter zuletzt The Mediated Construction of Reality (mit Andreas Hepp, Polity, 2016), Ethics of Media (2013 Palgrave), Media, Society, World: Social Theory and Digital Media Practice (Polity 2012) und Why Voice Matters: Culture and Politics After Neoliberalism (Sage 2010). Sein Vortrag wird sich auf seine kommende Publikation mit Ulises Mejias, The Costs of Connection: How Data Colonizes Human Life and Appropriates it for capitalism (Stanford University Press 2019) stützen.

 

Bitte melden Sie sich bei Interesse über untenstehendes Anmeldeformular zur Veranstaltung an.

 

Agenda

18:30  Einlass
19:00 – 19:15  Begrüßung und Einführung
19:15 – 20:00  Colonised by data – the hollowing out of digital society
  Nick Couldry (London School of Economics and Political Science)
20:00 – 21:00  Moderiertes Gespräch und Fragen aus dem Publikum
21:00 – 22:00  Get-together

 

Die Veranstaltung ist auf Englisch und wird simultan auf Deutsch übersetzt.

Um sich als PressevertreterIn akkreditieren zu lassen, richten Sie sich bitte an Florian Lüdtke.

Die Veranstaltung wird aufgezeichnet und live gestreamt. Mit Ihrer Anmeldung erklären Sie Ihr Einverständnis zur Erstellung von Bild- und Videoaufnahmen Ihrer Person im Rahmen der Veranstaltung sowie zur Verwendung und Veröffentlichung solcher Aufnahmen zum Zweck der öffentlichen Berichterstattung über die Veranstaltung.

 

Making sense of the digital society

Das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) und die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb organisieren zum Thema „Making sense of the digital society“ gemeinsam eine akademische Redenreihe. Mit der prominent besetzten Reihe soll eine europäische Perspektive auf den Transformationsprozess entwickelt werden, den unsere Gesellschaft gegenwärtig durchläuft. Die Vorlesungsreihe begann im Dezember 2017 mit einer Eröffnungsrede von Manuel Castells und wurde von Christoph Neuberger, Elena Esposito, Marion Fourcade und Stephen Graham weitergeführt. 

Anmeldung

Die Veranstaltung ist ausgebucht.

Veranstaltungsdatum

20. Nov 2018 | 18:30 – 22:00 ical | gcal

 

Ort

Auditorium Friedrichstraße,  Friedrichstraße 180,  10117 Berlin

Kontakt

Christian Grauvogel

Veranstaltungen und Wissenstransfer

Zukünftige Veranstaltungen