Datum/Zeit 08.02.2012

Location Ehemalige Institutsräume des HIIG | Raum E27, Bebelplatz 1, 10117 Berlin

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Am 08.02.2012 fand in den Institutsräumen des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft (HIIG) der Launch der neuen Plattform diskurs|a|DLF des Deutschlandfunks statt. Eröffnet wurde die Veranstaltung durch die Gründungsdirektorin des HIIG, Prof. Dr. Jeanette Hofmann und Dr. Willi Steul, Intendant des Deutschlandradios. Nach einem kurzen Impulsvortrag von Prof. Dr. Wolfgang Schulz zur politischen Kommunikation entstand eine spannende Diskussion mit Akteuren aus Wirtschaft, Politik und Medien. Neben einem Livestream verfolgte ein Publikum von 80 Teilnehmer_innen die Debatte vor Ort in den Institutsräumen.

Mit seinem 50. Geburtstag stellt sich Deutschlandradio im Hinblick auf seine lange Tradition als klassisches Medium mit dem Format diskurs|a|DLF sowohl den Fragen nach dem Ort des Politischen in der digitalen Medienwelt als auch der Frage danach, inwiefern Gesellschaft und Medien sich im digitalen Zeitalter entwickeln.
Fragen «auf die wir alle keine Richtige Antwort haben» fasste es Dr. Willi Steul, Intendant des Deutschlandradios gestern in seiner Eröffnungsrede zusammen und verwies damit auf die Funktion des neuen Debattenportals von Deutschlandfunk, das in wöchentlich erscheinenden Essays verschiedene Akteure der Szene zu Wort kommen lassen wird. Begleitet durch Reportagen soll so eine Plattform für eine offene Diskussion eben dieser Fragestellungen entstehen.

Fragestellungen, die in den Interessensbereich des Alexander von Humboldt Instituts für Internet und Gesellschaft (HIIG) mit seinem Leitbild, ausgerichtet auf die Förderung eines Dialogs zwischen Politik, Medien, Wirtschaft und Zivilgesellschaft fallen. Im Hinblick auf die Funktion des HIIG als Plattform für Akteure im Kontext einer interdisziplinären Forschung, die sich an gesellschaftlichen Herausforderungen und politischen Problematiken orientiert korrespondiert das Format zudem mit den Leitlinien des Instituts.

So eröffnete die Gründungsdirektorin des HIIG, Prof. Dr. Jeanette Hofmann zusammen mit dem Deutschlandfunk mit einem Grußwort im Namen der Direktoren und Mitarbeiter die gemeinsame Auftaktveranstaltung des diskurs|a|DLF.
Im Verlauf des Abends entwickelte sich zwischen Jeanette Hofmann, Joel Kaczmarek (Gründerszene) , Bernd Schlömer (stellvertretender Vorsitzender der Piratenpartei) und Stephan Detjen (Chefredakteur des Deutschlandfunks) eine Diskussion Rund um den Themenbereich «Demokratie und Internet». Innerhalb der Diskussion wurden sowohl die Akteursfunktionen von Unternehmen, Usern und deren Relation zu politischen Entscheidungsträgern diskutiert, als auch die neu entstehenden Kommunikationsräume im Hinblick auf ihre demokratischen Funktionsweisen beleuchtet. Weiterhin spiegelte die Diskussion die Möglichkeiten einer digitalen repräsentativen Demokratie, den persönlichen Datenschutz sowie die Veränderung neuer Kommunikationsräume durch mobile Endgeräte und AGBs.

Nicht selten kam die Debatte dabei auf den Aspekt der vermeintlichen Ermächtigung des Users und dem damit verbundenen Demokratisierungsversprechen zurück, die zuvor bereits vom Gründungsdirektor des HIIG, Prof. Dr. Wolfgang Schulz in seinem Impulsvortrag angesprochen wurden.

Dabei betonte Wolfgang Schulz, dass keine Abkehr von einer traditionellen politischen Kommunikation zu konstatieren sei, es sich vielmehr um eine Verschiebung handele. Innerhalb dieser seinen es vor allem junge Nutzer, die sich neue, eigene politische Öffentlichkeiten schafften, die traditionellen Medien blieben dabei aber erhalten. Politische Mobilisierung werde zwar durch die Erweiterung des Kommunikationsrepertoires gefördert, dennoch führe dies nicht dazu, dass die Gruppe der Akteure, die mit politischen Entscheidungsträgern interagieren sich verändere oder sich das bürgerliche Engagement erhöhe. Vielmehr blieben allgemeine gesellschaftliche Problematiken, wie die des unterschiedlichen Bildungsgrads oder der sozialen Unterschiede bestehen.

Dementsprechend, so Schulz, gäbe es keinen Anlass anzunehmen, dass bildungsbedingte Unterschiede durch das Netz geebnet würden. Was sich ändere sei das Auftreten einer neuen Akteursgruppe, die unter dem Label «Netzaktivisten» zusammengefasst werde. Diese neue Elite mit einer wichtig zunehmen Teilöffentlichkeit werde vermehrt von der Politik als Experten herangezogen.
Neben der Diskussion um den medialen Charakter des Internets und seiner vermeintlichen Akteursfunktion stand das Verhältnis von klassischen Medienmachern sowie die Stellung der linearen, alten Medien als «Relevanzagentur» zu eben diesen neuen Experten und Kommunikationsräumen zur Diskussion.

Der Rote Faden des Abends blieb dabei die Frage nach der Qualität und der Beschaffenheit der erzeugten Öffentlichkeiten oder Teilöffentlichkeiten. Die Frage danach, in wieweit es sich bei diesen vermeintlich neuen Phänomenen im Bezug auf die Wechselwirkung zwischen Internet und Gesellschaft um klassische diskursive Probleme handelt war im Weiteren maßgebend für die Diskussion.