{"id":69261,"date":"2020-07-03T11:00:29","date_gmt":"2020-07-03T09:00:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hiig.de\/?p=69261"},"modified":"2021-10-22T18:58:46","modified_gmt":"2021-10-22T16:58:46","slug":"live-love-learn-in-2040","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hiig.de\/en\/live-love-learn-in-2040\/","title":{"rendered":"Live, love, learn &#8211; in 2040"},"content":{"rendered":"\n<p><em>How will we live, love, learn and work in 20 years? Researchers* from ten countries took a look into the future as part of the &#8220;<a href=\"https:\/\/twentyforty.hiig.de\">twentyforty<\/a>&#8221; project. The results can be seen in an <a href=\"https:\/\/www.hiig.de\/en\/events\/exhibition-twentyforty\/\">exhibition<\/a> from 2 &#8211; 15 July. <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Visitors can immerse themselves in the digital utopias of visionary researchers from various fields who are dealing with pressing questions about our future. In an interview, initiator <a href=\"https:\/\/www.hiig.de\/en\/benedikt-fecher\/\">Dr. Benedikt Fecher<\/a> and project manager <a href=\"https:\/\/www.hiig.de\/en\/bronwen-deacon\/\">Bronwen Deacon<\/a> talk about their relationship to the future and science.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><strong>Was ist deine Lieblings-Science Fiction-Geschichte?&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bronwen Deacon<\/strong>: Eine einzelne Geschichte den anderen vorzuziehen, ist schwierig. Sie sind alle so unterschiedlich und in allen stecken wichtige Gedanken und Anregungen. Dennoch ist mir die Geschichte von Preeti Mudliar sehr ans Herz gewachsen, da sie mir bisher unbekannte Dimensionen digitalen Entwicklung aufzeigt, welche sie in ihrer eigenen Feldforschung beobachtet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte spielt in Indien. Getragen wird sie durch einen Protagonisten der untersten Kaste, welcher versucht, die staatlich zur Verf\u00fcgung gestellten Wasserressourcen f\u00fcr seine Familie zu erwerben. Die Sicherstellung von Leben liegt in den H\u00e4nden von Maschinen, die den Erwerb von Wasser nur genehmigen, wenn sie einen Menschen eindeutig durch dessen Handabdruck identifiziert haben. Die H\u00e4nde der Menschen sind aber durch ihre harte Arbeit so zerschunden, dasst eine solche Identifikation aber nicht mehr m\u00f6glich ist. Der utopische Gedanke liegt dann im Aufstand und der daraus resultierenden Zukunftsvision einer menschlicheren Mensch-Maschine Interaktion.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie bist du auf die Idee f\u00fcr twentyforty gekommen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Benedikt Fecher<\/strong>: Mir ist aufgefallen, dass wir Wissenschaftler*innen gut darin sind, die Vergangenheit und die Gegenwart zu verstehen. Mit der Zukunft, also dem was man nicht wissen kann, tun wir uns schwer. Gerade in Bezug auf die Digitalisierung existieren meines Erachtens schon gen\u00fcgend Horrorszenarien. <\/p>\n\n\n\n<p>Mit twentyforty wollte ich ein Format schaffen, mit dem Wissenschaftler*innen \u2013 auf Basis Ihrer Expertise \u2013 Utopien, oder bestm\u00f6gliche Zuk\u00fcnfte, kreieren. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Ich glaube es braucht dieses Denken, um den Herausforderungen von heute konstruktiv zu begegnen. <\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>In unserem Forschungsprogramm betreiben wir ja Wissenschaftskommunikationsforschung. Twentyforty ist in diesem Kontext ein spielerisches Experiment zu epistemischen Bedingungen des Wissenschafts-Gesellschaftsbezugs.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was war an dem Projekt nicht so ganz normal?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Benedikt Fecher<\/strong>: Das Projekt war in vielerlei Hinsicht nicht normal. Wir haben Wissenschaftler*innen aus der ganzen Welt eingeflogen, um kreativ \u00fcber die Zukunft der digitalen Gesellschaft nachzudenken. Wir sind mit ihnen in eine Kleinstadt nach Brandenburg gefahren \u2013&nbsp;fernab vom hektischen Berlin. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben mit Ihnen Geschichten entwickelt, die sich gerade nicht an ein wissenschaftliches Publikum richten. Und wir haben einen wunderbaren Band herausgegeben \u2013 ohne Verlag und Open Access, so dass jede und jeder diese Geschichten lesen kann. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr Wissenschaftler*innen ist all das nicht normal. Auch f\u00fcr uns, die wir das Projekt begleitet haben, war das nicht normal. Unser Brot-und-Butter-Gesch\u00e4ft ist nunmal Forschung. Aber es hat alles wunderbar funktioniert, weil wir engagierte Teilnehmer*innen hatten, die sich auf dieses Experiment eingelassen haben, und ein Projektteam, das stets nach kreativen L\u00f6sungen gesucht hat. Ich w\u00fcrde sagen, wir alle haben durch das Projekt unseren Horizont erweitert und sind noch enger zusammen ger\u00fcckt. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie sah die Umsetzung aus? Was war die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung, die \u00fcberwunden werden musste?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Benedikt Fecher<\/strong>: Wissenschaftler*innen sind es nicht gewohnt \u00fcber die Zukunft nachzudenken. Sie sind es auch nicht gewohnt Geschichten zu schreiben. Das Ganze war ein Wissenschaftskommunikationsexperiment, das zum Gl\u00fcck funktioniert hat. F\u00fcr mich war das die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung: Wie kann man Wissenschaftler*innen dazu bringen, ihren gewohnten Pfade zu verlassen? twentyforty hat gezeigt, dass es m\u00f6glich ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bronwen Deacon<\/strong>: Aus Projektsicht gab es verschiedenen H\u00fcrden die es zu \u00fcberwinden galt und die sehr spannend zu beobachten waren. Der erste Schritt war sicherlich unser Schreibcamp. Hier wurden 13 Menschen bunt auf engstem Raum zusammengew\u00fcrfelt und aufgefordert, jegliche bekannten Strukturen aufzubrechen. Im Denk-und Schreibprozess konnten wir zuschauen, wie schwierig und dann befreiend es f\u00fcr einige Teilnehmer*innen war, kreativ zu schreiben, Protagonisten und Dialoge zu entwerfen und neue Formate auszutesten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr mich pers\u00f6nlich hat es durchaus auch einen langen Atem erfordert \u00fcber ein Jahr am Ball zu bleiben, an Deadlines zu erinnern, Korrekturschleifen zu begleiten usw. Brenzliche Situation, etwa als eine unserer Autorinnen aufgrund ihres Visums am Flughafen eine neue Buchung ben\u00f6tigte, gab es auch. Aber hier haben wir als Team sehr schnell und gut reagieren k\u00f6nnen. Es hat sich definitiv alles ausgezahlt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Warum wagen Wissenschaftler*innen so selten eine Projektion in die Zukunft?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Benedikt Fecher<\/strong>: In der Regel befasst sich Wissenschaft mit dem was ist. Sie ist st\u00e4ndig damit besch\u00e4ftigt die Gegenwart und Vergangenheit zu verstehen und Wissen zu hinterfragen. Sie folgt dem Popperschen Prinzip des <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Falsifikationismus\">Falsifikationismus<\/a> \u2013 nichts ist jemals die finale Wahrheit. Das ist ein guter Ansatz, um eine solide Wissensbasis zu schaffen. Das ist ein schlechter Ansatz, um die Zukunft zu gestalten. <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-style-large is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p>Vielleicht brauchen wir in der Wissenschaft auch einen vorw\u00e4rtsgerichteten Falsifikationismus \u2013 der von einer Utopie ausgehend die bestm\u00f6gliche Zukunft skizziert.&nbsp;<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p><strong>Warum brauchen wir heute Utopien? Warum in literarischer Form?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Benedikt Fecher<\/strong>: Wir leben in einer hektischen Zeit, in der viele Weichen f\u00fcr die Zukunft gestellt werden. Wenn man sich nicht dar\u00fcber austauscht, wie man in Zukunft leben m\u00f6chte und welchen Gefahren man begegnen k\u00f6nnte, ist man unvorbereitet. Wissenschaft hat hier eine zentrale Rolle als Wissensquelle. Aber es ist klar, dass eine Utopie nicht nur von Wissenschaftler*innen entworfen werden kann. Sie muss intersubjektiv geteilt sein.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bronwen Deacon<\/strong>: Die Form des Geschichtenerz\u00e4hlens erm\u00f6glicht einen ganz anderen Zugang zum Inhalt. Uns war es wichtig, dass sowohl unsere Autor*innen neue Wege entdecken ihre Gedanken und Erkenntnisse aus ihren Forschungsbereichen mit der breiten \u00d6ffentlichkeit zu teilen, als auch umgekehrt, dass viele Menschen durch eine gemeinsame Sprache Einblicke in die sonst so verschlossene Welt der Wissenschaft&nbsp; bekommen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gibt es etwas, das du aus dem Projekt twentyforty in deine allt\u00e4gliche Arbeit mitgenommen hast?&nbsp;<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Benedikt Fecher<\/strong>: Vieles. Der Austausch mit den Kolleg*innen hat meinen Horizont erweitert. Ich m\u00f6chte meine Ideen und Arbeiten noch st\u00e4rker interdisziplin\u00e4r entwickeln. Schlie\u00dflich hat mir twentyforty auch gezeigt, dass wir anspruchsvolle und komplexe Projekte umsetzen k\u00f6nnen. Wir sind bereit f\u00fcr das n\u00e4chste.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bronwen Deacon<\/strong>: Vielfalt und Austausch bringt immer etwas Neues hervor und das sollte gef\u00f6rdert werden. Besonders unser Schreibcamp hat mich sehr inspiriert und bereichert.ch habe bemerkt, wie auch alle unsere Teilnehmer*innen erf\u00fcllt aus dieser Erfahrung gekommen sind. Das erfordert auch einen Schritt aus der eigenen comfort zone heraus, bringt aber viel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wenn du einen Wunsch frei h\u00e4ttest, welche der Utopien aus dem Sammelband m\u00f6chtest du f\u00fcr das Jahr 2040 wahr werden lassen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Benedikt Fecher<\/strong>: Ich w\u00fcrde gern mit Mark Graham an einem immersiven Rave teilnehmen und mit Robin Tim Weis die Badeh\u00e4user der Zukunft besuchen. Au\u00dferdem h\u00e4tte ich gern an Dirk Baeckers Next University studiert. Wer wissen will, was ich meine, muss die Texte lesen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Alle Texte sind open access in einem Sammelband ver\u00f6ffentlicht und auch online unter \u201e<\/em><a href=\"https:\/\/twentyforty.hiig.de\/\"><em>twentyforty &#8211; Utopias for a digital Society<\/em><\/a><em>\u201c zu finden. Die <\/em><a href=\"https:\/\/www.hiig.de\/en\/events\/exhibition-twentyforty\/\"><em>Ausstellung<\/em><\/a><em> zum Projekt ist noch bis zum 15. Juli im Haus der Statistik in Berlin zu sehen. <\/em><\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button linkedin shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#1488bf\"><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/sharing\/share-offsite\/?url=https%3A%2F%2Fwww.hiig.de%2Fen%2Flive-love-learn-in-2040%2F\" title=\"Share on LinkedIn\" aria-label=\"Share on LinkedIn\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#0077b5; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 27 32\"><path fill=\"#0077b5\" d=\"M6.2 11.2v17.7h-5.9v-17.7h5.9zM6.6 5.7q0 1.3-0.9 2.2t-2.4 0.9h0q-1.5 0-2.4-0.9t-0.9-2.2 0.9-2.2 2.4-0.9 2.4 0.9 0.9 2.2zM27.4 18.7v10.1h-5.9v-9.5q0-1.9-0.7-2.9t-2.3-1.1q-1.1 0-1.9 0.6t-1.2 1.5q-0.2 0.5-0.2 1.4v9.9h-5.9q0-7.1 0-11.6t0-5.3l0-0.9h5.9v2.6h0q0.4-0.6 0.7-1t1-0.9 1.6-0.8 2-0.3q3 0 4.9 2t1.9 6z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button bluesky shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#84c4ff\"><a href=\"https:\/\/bsky.app\/intent\/compose?text=Live%2C%20love%2C%20learn%20%E2%80%93%20in%202040 https%3A%2F%2Fwww.hiig.de%2Fen%2Flive-love-learn-in-2040%2F  via @hiigberlin.bsky.social\" title=\"Share on Bluesky\" aria-label=\"Share on Bluesky\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#0085ff; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"20\" height=\"20\" version=\"1.1\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 20 20\"><path class=\"st0\" d=\"M4.89,3.12c2.07,1.55,4.3,4.71,5.11,6.4.82-1.69,3.04-4.84,5.11-6.4,1.49-1.12,3.91-1.99,3.91.77,0,.55-.32,4.63-.5,5.3-.64,2.3-2.99,2.89-5.08,2.54,3.65.62,4.58,2.68,2.57,4.74-3.81,3.91-5.48-.98-5.9-2.23-.08-.23-.11-.34-.12-.25,0-.09-.04.02-.12.25-.43,1.25-2.09,6.14-5.9,2.23-2.01-2.06-1.08-4.12,2.57-4.74-2.09.36-4.44-.23-5.08-2.54-.19-.66-.5-4.74-.5-5.3,0-2.76,2.42-1.89,3.91-.77h0Z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button mailto shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#a8a8a8\"><a href=\"mailto:?body=https%3A%2F%2Fwww.hiig.de%2Fen%2Flive-love-learn-in-2040%2F&subject=Live%2C%20love%2C%20learn%20%E2%80%93%20in%202040\" title=\"Send by email\" aria-label=\"Send by email\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#999; color:#fff\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#999\" d=\"M32 12.7v14.2q0 1.2-0.8 2t-2 0.9h-26.3q-1.2 0-2-0.9t-0.8-2v-14.2q0.8 0.9 1.8 1.6 6.5 4.4 8.9 6.1 1 0.8 1.6 1.2t1.7 0.9 2 0.4h0.1q0.9 0 2-0.4t1.7-0.9 1.6-1.2q3-2.2 8.9-6.1 1-0.7 1.8-1.6zM32 7.4q0 1.4-0.9 2.7t-2.2 2.2q-6.7 4.7-8.4 5.8-0.2 0.1-0.7 0.5t-1 0.7-0.9 0.6-1.1 0.5-0.9 0.2h-0.1q-0.4 0-0.9-0.2t-1.1-0.5-0.9-0.6-1-0.7-0.7-0.5q-1.6-1.1-4.7-3.2t-3.6-2.6q-1.1-0.7-2.1-2t-1-2.5q0-1.4 0.7-2.3t2.1-0.9h26.3q1.2 0 2 0.8t0.9 2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>How will we live, love, learn and work in 20 years? 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