{"id":53384,"date":"2018-10-09T17:55:04","date_gmt":"2018-10-09T15:55:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hiig.de\/?p=53384"},"modified":"2023-03-28T17:11:19","modified_gmt":"2023-03-28T15:11:19","slug":"wissenschaftliche-politikberatung-vermittler-zwischen-zwei-systemen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hiig.de\/en\/wissenschaftliche-politikberatung-vermittler-zwischen-zwei-systemen\/","title":{"rendered":"Scientific policy advice \u2013 Mediator between two systems"},"content":{"rendered":"<p><em>Scientific policy advice is also becoming increasingly important in Germany. What is important here? Rebecca Winkels talked to Christian Kobsda, associate researcher at the Alexander von Humboldt Institute for Internet and Society, about this. At the &#8220;Impact School: Science Transfer in the 21st Century&#8221; he spoke with young researchers about the topic.<\/em><\/p>\n<p><strong>Herr Kobsda, wieso ist die Politik aus Ihrer Sicht eine Zielgruppe f\u00fcr wissenschaftlichen Impact?<\/strong><\/p>\n<p>Die Relevanz von Forschung kann durchaus auch jenseits der Wissenschaft liegen. Der Impact kann also ein gesellschaftlicher sein. Zielgruppen des Transfers sind zum Beispiel Industrie und Zivilgesellschaft aber eben auch die Politik. F\u00fcr Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die gesellschaftliche Relevanz ihrer Forschung selbst in den Blick nehmen, ist es deshalb interessant, sich mit den Akteuren auseinanderzusetzen, die Forschung in die Umsetzung bringen k\u00f6nnen \u2013 und zu diesen Akteuren geh\u00f6rt die Politik.<\/p>\n<p><strong>Was macht die Politik speziell als Zielgruppe?<\/strong><\/p>\n<p>Ganz generell sollte man sich, wenn man impactorientiert forscht, Gedanken machen, wie die jeweilige Zielgruppe, die man adressieren will, arbeitet. Man muss sich mit den Stakeholdern, in diesem Fall politischen Akteuren, auseinandersetzen und vor allem auch verstehen, wie die Arbeit in diesem Bereich funktioniert. Bei der Politik kann man sich gut vergegenw\u00e4rtigen, dass es Funktionslogiken, Abh\u00e4ngigkeiten, Geschwindigkeiten und auch Zielsetzungen gibt, die sich von denen in der Wissenschaft unterscheiden. Einen Rat an politische Entscheidungstr\u00e4ger zu geben, hei\u00dft beispielsweise nicht, selbst Politik zu betreiben, sondern in erster Linie Expertise anzubieten. Diese Expertise sollte so angeboten werden, dass sie nicht nur f\u00fcr wissenschaftliche Expertinnen und Experten verst\u00e4ndlich ist und so aufbereitet sein, dass sie die politische Umsetzungsdimension beschriebt. Sie muss dabei schnell und leicht rezipierbar sein und trotzdem den Kriterien guter Wissenschaft entsprechen.<\/p>\n<p><strong>Wie gut funktioniert wissenschaftliche Politikberatung aus Ihrer Sicht in Deutschland?<\/strong><\/p>\n<p>Wir haben noch ein sehr junges System der wissenschaftlichen Politikberatung, aber wir haben vor allem in den letzten Jahren entscheidende Schritte voran gemacht. Wir haben eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Einrichtungen und Think Tanks, die sich in der wissenschaftlichen Politikberatung in Deutschland inzwischen gut etabliert haben. Auch die Gr\u00fcndung der Nationalen Wissenschaftsakademien hat da sicherlich viel bewirkt, da ist in den letzten Jahren eine Art informelles Qualit\u00e4tssiegel entstanden. Insgesamt zeigt sich, dass das Interesse f\u00fcr diesen Bereich gr\u00f6\u00dfer geworden ist und politische Akteure einen Bedarf an wissenschaftlicher Beratung signalisieren.<\/p>\n<p><strong>Sie sprechen von einem jungen System. War wissenschaftliche Politikberatung fr\u00fcher nicht so wichtig oder notwendig oder weshalb gibt es sie noch nicht so lange?<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube, sie war eigentlich immer schon wichtig, aber es gibt sicherlich heute eine gr\u00f6\u00dfere Offenheit daf\u00fcr. Das liegt unter anderem daran, dass wir es heute politisch mit komplexeren Szenarien zu tun haben und st\u00e4rker global agieren. Politische Probleme sind facettenreicher geworden und nicht mehr so prognosef\u00e4hig. Solche komplexen Szenarien zu analysieren ist eine der Expertisen von Forschenden. Auch deshalb hat die Nachfrage nach wissenschaftlicher Politikberatung zugenommen, was wiederum die Professionalisierung des Bereichs auf wissenschaftlicher Seite nach sich zieht \u2013 etwa mit Blick auf interdisziplin\u00e4re Fragestellungen mit gesellschaftlicher Relevanz.<\/p>\n<p><strong>Wissenschaftliche Politikberatung ist ja aber nicht immer von Erfolg gekr\u00f6nt, wie beispielsweise die aktuellen Entwicklungen im Bereich Gr\u00fcner Gentechnik zeigt. Wie nehmen Sie so etwas wahr?<\/strong><\/p>\n<p>Hier geht es aus meiner Sicht vor allem um Erwartungsmanagement auf der wissenschaftlichen Seite. Wenn man die wissenschaftliche Expertise als Beratungsangebot sieht, dann muss man auch bedenken, dass die Expertise, die man anbietet, nur ein Teil dessen ist, was f\u00fcr die politische Entscheidung eine Rolle spielt. Das liegt an den unterschiedlichen Funktionslogiken zwischen Politik und Wissenschaft. In der Politik gibt es oft ganz andere Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr Entscheidungen und da spielen eben auch andere Dinge als die wissenschaftliche Perspektive bei der Entscheidungsfindung eine Rolle. Das Fazit, zu dem die wissenschaftliche Expertise einen f\u00fchrt, ist nicht immer auch das, was sich politisch zur Umsetzung anbietet. Trotzdem ist es wichtig, wissenschaftlichen Rat anzubieten. Aber man muss wissen, dass er nicht die einzige Entscheidungshilfe ist, die die politische Akteure sich einholen. Genau daf\u00fcr versuche ich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu sensibilisieren, wenn ich Seminare und Workshops zur wissenschaftlichen Politikberatung gebe. Ich versuche, die Unterschiede der beiden Systeme herauszuarbeiten und die verschiedenen Einflussfaktoren pr\u00e4sent zu machen.<\/p>\n<p><strong>Wie gro\u00df ist denn das Interesse der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, sich im Bereich der Politikberatung zu engagieren?<\/strong><\/p>\n<p>Ich erlebe eine grunds\u00e4tzliche Offenheit daf\u00fcr, Forschung auch an Akteure au\u00dferhalb der Wissenschaft zu vermitteln. Dabei ist es je nach Kontext und Inhalt der eigenen Forschung ganz verschieden, welche Zielgruppen es sind. Gerade bei den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die die gesellschaftlichen Relevanz ihrer Forschung selbst im Blick haben erlebe ich eine gro\u00dfe Offenheit und ein gro\u00dfes Interesse daf\u00fcr, sich mit dieser Arbeit auch an die Politik zu wenden.<\/p>\n<p>Ein Hindernis ist jedoch oft, dass es im akademischen W\u00e4hrungssystem derzeit noch eine sehr untergeordnete Rolle spielt, sich in diesem Bereich zu engagieren. Bei der Bewertung akademischer Leistung werden zumeist ausschlie\u00dflich akademische Kriterien im engsten Sinne herangezogen. Wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich f\u00fcr dieses Feld interessieren, sind sie zumeist intrinsisch motiviert. Das ist zwar sch\u00f6n, aber es w\u00e4re ebenso w\u00fcnschenswert Anreizstrukturen zu haben, die dieses Engagement aktiv f\u00f6rdern und honorieren, denn dann w\u00e4re die Bereitschaft sicherlich noch gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n<p><strong>Bei der Impact School geben Sie einen Workshop zum Thema wissenschaftliche Politikberatung, was genau versuchen Sie dort zu vermitteln?<\/strong><\/p>\n<p>Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bekommen dort einen ersten Eindruck davon, was f\u00fcr ein Handwerkszeug es braucht, um die Dinge, die man sonst nur im akademischen Kontext kommuniziert, so aufzubereiten, dass sie auch f\u00fcr politische Akteure interessant und in eine Umsetzung \u00fcberf\u00fchrbar sind. Dazu ist es vor allem wichtig, dass man sich klarmacht, was wissenschaftliche Politikberatung eigentlich ist. Wir Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Workshops werden ein eigenes Policy Paper konzipieren und lernen worin die Unterschiede zu einer wissenschaftlichen Publikation liegen.<\/p>\n<p><strong>Welche drei Dinge sollten die Teilnehmenden aus dem Workshop mitnehmen?<\/strong><\/p>\n<p>Am wichtigsten ist es mir, wenn sie eine Begeisterung f\u00fcr das Thema mitnehmen, ganz gleich ob sie bereits vorher interessiert waren oder nicht. Dar\u00fcber hinaus sollten sie das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die unterschiedlichen Handlungslogiken mitnehmen, also einen ersten Eindruck davon, wie Politikberatung funktioniert und welches Handwerkszeug es braucht, um sie zu betreiben. Und bestenfalls f\u00fchrt der Workshop dazu, dass sie am Ende in diesem Bereich aktiv werden wollen. Vielleicht nicht sofort, doch wenn die Teilnehmenden es nach dem Workshop als Option f\u00fcr sich selbst auf dem Schirm haben, dann ist schon viel erreicht. Dabei geht es auch darum, sich bei der eigenen Arbeit regelm\u00e4\u00dfig zu fragen, ob sie f\u00fcr die Politik relevant sein k\u00f6nnten. Regelm\u00e4\u00dfig dar\u00fcber nachzudenken und sich damit zu besch\u00e4ftigen tut wissenschaftlicher Arbeit ganz allgemein gut, zumal sich durch eine solche Auseinandersetzung h\u00e4ufig auch wiederum Impulse f\u00fcr die Forschung ergeben k\u00f6nnen.<\/p>\n<hr>\n<p><em><strong>Rebecca Winkels<\/strong> ist studierte Biologin und Wissenschaftsjournalistin. Sie ist Projektleiterin f\u00fcr das Portal Wissenschaftskommunikation.de. Sie ist bei <a href=\"http:\/\/www.wissenschaft-im-dialog.de\/\">Wissenschaft im Dialog<\/a> t\u00e4tig.<\/em><\/p>\n<hr>\n<p><em>Dieser Beitrag erschien zuerst auf <a href=\"https:\/\/www.wissenschaftskommunikation.de\/wissenschaftliche-politikberatung-vermittler-zwischen-zwei-systemen-18973\/\">Wissenschaftskommunikation.de<\/a> und wurde mit freundlicher Genehmigung ver\u00f6ffentlicht.<\/em><\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button linkedin shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#1488bf\"><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/sharing\/share-offsite\/?url=https%3A%2F%2Fwww.hiig.de%2Fen%2Fwissenschaftliche-politikberatung-vermittler-zwischen-zwei-systemen%2F\" title=\"Share on LinkedIn\" aria-label=\"Share on LinkedIn\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#0077b5; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 27 32\"><path fill=\"#0077b5\" d=\"M6.2 11.2v17.7h-5.9v-17.7h5.9zM6.6 5.7q0 1.3-0.9 2.2t-2.4 0.9h0q-1.5 0-2.4-0.9t-0.9-2.2 0.9-2.2 2.4-0.9 2.4 0.9 0.9 2.2zM27.4 18.7v10.1h-5.9v-9.5q0-1.9-0.7-2.9t-2.3-1.1q-1.1 0-1.9 0.6t-1.2 1.5q-0.2 0.5-0.2 1.4v9.9h-5.9q0-7.1 0-11.6t0-5.3l0-0.9h5.9v2.6h0q0.4-0.6 0.7-1t1-0.9 1.6-0.8 2-0.3q3 0 4.9 2t1.9 6z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button bluesky shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#84c4ff\"><a href=\"https:\/\/bsky.app\/intent\/compose?text=Scientific%20policy%20advice%20%E2%80%93%20Mediator%20between%20two%20systems https%3A%2F%2Fwww.hiig.de%2Fen%2Fwissenschaftliche-politikberatung-vermittler-zwischen-zwei-systemen%2F  via @hiigberlin.bsky.social\" title=\"Share on Bluesky\" aria-label=\"Share on Bluesky\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#0085ff; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"20\" height=\"20\" version=\"1.1\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 20 20\"><path class=\"st0\" d=\"M4.89,3.12c2.07,1.55,4.3,4.71,5.11,6.4.82-1.69,3.04-4.84,5.11-6.4,1.49-1.12,3.91-1.99,3.91.77,0,.55-.32,4.63-.5,5.3-.64,2.3-2.99,2.89-5.08,2.54,3.65.62,4.58,2.68,2.57,4.74-3.81,3.91-5.48-.98-5.9-2.23-.08-.23-.11-.34-.12-.25,0-.09-.04.02-.12.25-.43,1.25-2.09,6.14-5.9,2.23-2.01-2.06-1.08-4.12,2.57-4.74-2.09.36-4.44-.23-5.08-2.54-.19-.66-.5-4.74-.5-5.3,0-2.76,2.42-1.89,3.91-.77h0Z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button mailto shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#a8a8a8\"><a href=\"mailto:?body=https%3A%2F%2Fwww.hiig.de%2Fen%2Fwissenschaftliche-politikberatung-vermittler-zwischen-zwei-systemen%2F&subject=Scientific%20policy%20advice%20%E2%80%93%20Mediator%20between%20two%20systems\" title=\"Send by email\" aria-label=\"Send by email\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#999; color:#fff\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#999\" d=\"M32 12.7v14.2q0 1.2-0.8 2t-2 0.9h-26.3q-1.2 0-2-0.9t-0.8-2v-14.2q0.8 0.9 1.8 1.6 6.5 4.4 8.9 6.1 1 0.8 1.6 1.2t1.7 0.9 2 0.4h0.1q0.9 0 2-0.4t1.7-0.9 1.6-1.2q3-2.2 8.9-6.1 1-0.7 1.8-1.6zM32 7.4q0 1.4-0.9 2.7t-2.2 2.2q-6.7 4.7-8.4 5.8-0.2 0.1-0.7 0.5t-1 0.7-0.9 0.6-1.1 0.5-0.9 0.2h-0.1q-0.4 0-0.9-0.2t-1.1-0.5-0.9-0.6-1-0.7-0.7-0.5q-1.6-1.1-4.7-3.2t-3.6-2.6q-1.1-0.7-2.1-2t-1-2.5q0-1.4 0.7-2.3t2.1-0.9h26.3q1.2 0 2 0.8t0.9 2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Scientific policy advice is also becoming increasingly important in Germany. 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