{"id":23072,"date":"2015-05-19T10:13:48","date_gmt":"2015-05-19T08:13:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.hiig.de\/?p=23072"},"modified":"2023-03-28T17:37:31","modified_gmt":"2023-03-28T15:37:31","slug":"robin-tech-in-the-committee-the-digital-agenda-of-the-german-bundestag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hiig.de\/en\/robin-tech-in-the-committee-the-digital-agenda-of-the-german-bundestag\/","title":{"rendered":"Robin Tech in the Committee &#8216;The Digital Agenda&#8217; of the German Bundestag"},"content":{"rendered":"<p><em>Am 6. Mai wurde ich als Sachverst\u00e4ndiger in den Bundestagsausschuss &#8216;Digitale Agenda&#8217; eingeladen. In der Sitzung ging es um die \u00f6konomischen Aspekte der Digitalisierung und damit auch um Startup-Unternehmen und die Rolle, die sie in diesen Transformationsprozessen spielen \u2014 beispielsweise in Bezug auf Industrie 4.0. Der vorab gestellte Fragenkatalog enthielt entsprechend Fragen zur Zusammenarbeit von deutschem Mittelstand und Startups, Chancen und Risiken f\u00fcr ausgew\u00e4hlte Industrien sowie Potentiale f\u00fcr \u00f6konomische, \u00f6kologische und soziale Nachhaltigkeit.<\/em><\/p>\n<p><em>Meine Antworten finden Sie auf der\u00a0<a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/dokumente\/textarchiv\/2015\/kw19_pa_ada\/371478\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Webseite des Deutschen Bundestages<\/a>\u00a0und im Folgenden:<\/em><\/p>\n<h2>Fragen f\u00fcr das \u00f6ffentliche Fachgespr\u00e4ch des Ausschusses Digitale Agenda des Deutschen Bundestages zum Thema \u201e\u00d6konomische Aspekte der Digitalisierung\u201c am 6. Mai 2015<\/h2>\n<p>\u2014 Stellungnahme des Sachverst\u00e4ndigen Robin P. G. Tech \u2014<\/p>\n<p><strong>1) Eine Umfrage f\u00fcr die DZ Bank hat im Jahr 2014 deutliche Ergebnisse aufgezeigt: Zwar erkennen 77 Prozent der mittelst\u00e4ndischen Unternehmen in Deutschland, dass die Digitalisierung wirtschaftliche Abl\u00e4ufe grundlegend ver\u00e4ndern wird, jedoch ist f\u00fcr fast die H\u00e4lfte der Unternehmen das Thema derzeit nicht relevant. Welche Rolle spielt der deutsche Mittelstand \u2013 zwischen Startups sowie internationalen Plattformen und Gro\u00dfindustrie \u2013 im Rahmen der Digitalisierung der Wirtschaft?<\/strong><\/p>\n<p>Der deutsche Mittelstand zeichnet sich durch eine starke Fragmentierung und Spezialisierung aus. Deutsche Weltmarktf\u00fchrer haben ihren Hauptsitz zwar oftmals in l\u00e4ndlichen Gebieten, unterhalten aber gleichzeitig internationale Standorte und bedienen M\u00e4rkte weltweit. Sogenannte Hidden Champions fokussieren ihre Innovationst\u00e4tigkeit und Produktportfolios stark, was zwar Nischenmarktf\u00fchrerschaft erm\u00f6glicht, jedoch Diversifikations- und damit Risikostreuungsspielr\u00e4ume einschr\u00e4nkt. Hinzu kommt, dass Marktf\u00fchrerschaft in sehr spezialisierten Industrien zum einen Pfadabh\u00e4ngigkeiten produziert, die marginale und prozessuale Innovationen in den Vordergrund stellt. Zum anderen nimmt \u2014 auch durch die Digitalisierung \u2014 der internationale Konkurrenzdruck zu, w\u00e4hrend sich Innovations- und Produktzyklen verk\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Eine Strategie an diesen Entwicklungen zu wachsen, k\u00f6nnte sein, den deutschen Mittelstand nicht als zwischen sondern an der Seite von Startup-Unternehmen und der Gro\u00dfindustrie zu verstehen.<\/p>\n<p>Hidden Champions agieren oftmals als Zulieferer und Business-to-Business (B2B) Unternehmen. Durch zunehmende Digitalisierung findet eine immer engere Verzahnung von Arbeitsabl\u00e4ufen statt, die auch \u00fcber Unternehmensgrenzen hinweg geschieht. Mittelst\u00e4ndische Unternehmen k\u00f6nnten hier sogenannte Lock-In Effekte erzielen, indem sie durch ihre Systeme Kunden an sich binden. Andersherum gedacht, w\u00e4re es m\u00f6glich durch die St\u00e4rkung offener Schnittstellen Wettbewerb zu erh\u00f6hen und somit potentiell marktdominierende Positionen anderer Unternehmen zu brechen.<\/p>\n<p>Durch eine engere Zusammenarbeit mit Startups k\u00f6nnten \u2014 \u00e4hnlich der Open Innovation \u2014 neue M\u00f6glichkeiten der schnellen Innovationst\u00e4tigkeit erschlossen werden. Insbesondere einzelne Komponenten komplexer Produkte k\u00f6nnten durch die Zusammenarbeit mit und durch die Akquise von Startups innoviert werden. Startup-Unternehmen zeichnen sich durch einen starken Fokus auf Digitalprodukte oder zumindest starke digitale Elemente in Hardware-Produkten aus. Hier findet der Mittelstand was er braucht, um sich mittels innovativer Erg\u00e4nzungen bestehender Produkte von der Konkurrenz abzusetzen.<\/p>\n<p><b>2) Welche Segmente, Sektoren und Bereiche der deutschen Wirtschaft sehen Sie als besonders betroffen durch die Digitalisierung an? Wo sehen Sie besondere, vor allem internationale Chancen f\u00fcr den deutschen und europ\u00e4ischen Mittelstand? Wo sehen Sie au\u00dfergew\u00f6hnliche Risiken und wie k\u00f6nnen diese abgemildert werden?<\/b><\/p>\n<p>Chancen liegen insbesondere in den Bereichen Maschinenbau, der Fertigung und dem Vertrieb von Produktionsanlagen, Automatisierung, Maschinenlernen und K\u00fcnstliche Intelligenz, Elektromobilit\u00e4t und multimodaler Verkehr, der Energieerzeugung aus Erneuerbaren Energien und der Stromversorgung sowie dem Gesundheitssektor.<\/p>\n<p>Nun noch einmal der Reihe nach: Im Maschinen- und Anlagenbau ergeben sich Potentiale durch die effizientere Beschaffung, Produktion und Distribution von Komponenten und Produkten. Im After-Sales-Bereich ergeben sich enorme Wertsch\u00f6pfungsm\u00f6glichkeiten \u2014 beispielsweise durch effiziente Fernwartung oder nutzungs- und verbrauchsbasierte Vertr\u00e4ge, die durch Anlagenmonitoring und -kommunikation erst erm\u00f6glicht werden.<\/p>\n<p>Sektoren, die von wachsender Nachfrage nach Automatisierung profitieren \u2014 beispielsweise im Bereich der Geb\u00e4udeautomatisierung \u2014, erhalten durch zunehmende Digitalisierung neue Innovationsspielr\u00e4ume. Smart Home und das Internet of Things seien hier genannt, welche im B2B- wie auch B2C-Bereich (zahlreiche) M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Bauindustrie, die Immobilienwirtschaft, aber auch Hersteller von Haushaltsger\u00e4ten er\u00f6ffnet. Deutschland ist hier mit Forschungsinstituten wie dem DFKI und Instituten an Universit\u00e4ten wie der RWTH Aachen und der Universit\u00e4t des Saarlandes forschungsseitig gut aufgestellt. Unternehmensseitig sind hier unter anderem Beckhoff mit \u20ac 510M Umsatz (2014) oder WAGO mit \u20ac 661M (2014) zu nennen, neben Haushaltsnamen, die diese Bereiche als Sparten f\u00fchren (Bosch mit Bosch Security und Siemens mit Siemens Building Technologies, die 2012 \u20ac 5,8 Mrd. Umsatz erzielten).<\/p>\n<p>Im Sektor Energie sehe ich gro\u00dfes Potential bei der Gewinnung, Speicherung und Distribution von Strom. Auf europ\u00e4ischer Ebene besteht \u2014 durch die Digitalisierung erm\u00f6glicht \u2014 eine realistische Chance f\u00fcr Ultrahochspannungsleitungen und damit die Anbindung von erneuerbarer Stromproduktion aus S\u00fcdeuropa an die Speicherung in Nordeuropa und dem Verbrauch in Zentraleuropa. Digitale Vernetzung er\u00f6ffnet also neue M\u00f6glichkeiten der Harmonisierung von Energieerzeugung, -speicherung und -verbrauch. Auf lokaler \u2014 oder sogar hyperlokaler \u2014 Ebene erm\u00f6glichen Micro Smart Grids intelligente und effiziente Netze ohne die enge Verzahnung mit nationaler Stromversorgung.<\/p>\n<p>Im Bereich Gesundheit und hier insbesondere in der Lebensmittelindustrie vermute ich gro\u00dfe Chancen. Personalized Nutrition und Quantified Self sind Ph\u00e4nomene, die an Bedeutung gewinnen und teilweise erst durch zunehmende Digitalisierung erm\u00f6glicht werden. Smart Watches einerseits, Produkte f\u00fcr die Zusammenstellung individuell ben\u00f6tigter Ern\u00e4hrungskomponenten andererseits \u2014 bedienungsfreundlich \u00e0 la Nespresso \u2014 werden in Zukunft Bestandteil des Lebens vieler Menschen sein.<\/p>\n<p><b>3) Welche konkreten Chancen er\u00f6ffnet die Digitalisierung f\u00fcr bereits etablierte, mittelst\u00e4ndische Unternehmen? Wie sehen Sie Entwicklungschancen durch Konzepte wie \u201eIndustrie 4.0\u201c und die \u201ePlattformwirtschaft\u201c f\u00fcr eine An- und Einbindung der produzierenden Industrie in den globalen Wettbewerb? Wie sch\u00e4tzen Sie die \u00f6kologischen Potenziale, zum Beispiel in Form von Energieeffizienz, Materialeinsparung und k\u00fcrzeren Transportwegen, ein, die sich durch die Digitalisierung ergeben?<\/b><\/p>\n<p>Teile der Frage habe ich vorab bereits beantwortet. Bez\u00fcglich der Nachhaltigkeitsperspektive sehe ich folgende Potentiale: Durch die forschreitende Digitalisierung wird eine effiziente Datenerhebung immer einfacher. Vor dem Hintergrund von Triple Bottom Line Nachhaltigkeits\u00fcberlegungen ergibt sich entsprechend die M\u00f6glichkeit Einfl\u00fcsse genauer zu messen und Ursachen f\u00fcr sch\u00e4dliches Verhalten (\u00f6konomisch, \u00f6kologisch und sozial) zu identifizieren.<\/p>\n<p>Wird das Feld auf innovative Produktionsmethoden wie Additive Manufacturing erweitert \u2014 im allgemeinen Sprachgebrauch als 3D-Druck bezeichnet \u2014 und diese mit dem Thema Digitalisierung verkn\u00fcpft, ergeben sich weitere Potentiale. Im Grundkonzept der additiven, d. h. nicht klassisch-subtraktiven Produktion, sind Materialeinsparungen inh\u00e4rent. Durch das Internet w\u00e4re zudem denkbar, dass die Produktion entweder am oder nahe des Konsumortes stattfindet und nur noch digitale Dateien transportiert werden m\u00fcssen. Das Supply-Chain-Management wird in den kommenden Jahrzehnten entsprechend fundamentale \u00c4nderungen erfahren.<\/p>\n<p><b>4) Wie sind aus Ihrer Sicht die Potenziale (auch soziale und \u00f6kologische) der sog. Share bzw. Sharing Economy grunds\u00e4tzlich einzusch\u00e4tzen und welche Auswirkungen werden diese Prozesse auf die digitale Wirtschaft haben? Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht die Share bzw. Sharing Economy f\u00fcr den Mittelstand? Die M\u00f6glichkeiten der Share Economy werden durch Online-Plattformen auf eine neue wirtschaftliche Ebene gehoben \u2013 wie bewerten Sie diese Entwicklung, und welche Regulierungsstrategien sind daf\u00fcr aus Ihrer Sicht notwendig? Wie lassen sich diese Entwicklungen mit den Errungenschaften der Sozialen Marktwirtschaft verbinden?<\/b><\/p>\n<p>Der Grundgedanke der Shareconomy ist der, dass es viele Ressourcen gibt, die nicht dauerhaft von einer Person ben\u00f6tigt werden. Eine gemeinsame sowie zeitlich begrenzte Nutzung zeichnen Shareconomy aus.<\/p>\n<p>Auf sozialer Ebene sehe ich Potential f\u00fcr eine st\u00e4rkere lokale Vernetzung (Stichwort: Nachbarschaft). Ouishare und Pumpipumpe sind entsprechende Initiativen.<\/p>\n<p>\u00d6kologische Potentiale ergeben sich beispielsweise im Bereich der Mobilit\u00e4t. Hier gewinnen entsprechende Angebote immer mehr an Fahrt. Beispiele sind der rasante Ausbau von Call-a-bike, Daimlers Car2Go \u2014 das in diesem Jahr \u20ac 100M Umsatz plant \u2014 und BlaBla Car, welches gerade die deutsche &#8216;Mitfahrzentrale&#8217; \u00fcbernimmt und damit weltweit 25 Millionen Mitgliederinnen und Mitglieder haben wird.<\/p>\n<p>Oftmals werfen neue Gesch\u00e4ftsmodelle bestehende Industrien durcheinander \u2014 \u00a0passend hier das Beispiel der Mobilit\u00e4t. Hinzu kommen rechtliche und soziale Perspektiven, die in kritische Einw\u00e4nde bzw. teils heftigen Widerstand m\u00fcnden. Es sollte daher stets beachtet werden \u2014 auch vor dem Hintergrund einer Harmonisierung mit der sozialen Marktwirtschaft \u2014, dass es viele unterschiedlichen Auspr\u00e4gungen der Shareconomy gibt. Diese reichen von nachbarschaftsorientierten und klar ressourcenschonenden Initiativen bis hin zu globalen Plattformen, die klare Skalierungs- und Gewinnbestrebungen haben. Vielleicht hilft die Einordnung des New Yorker Venture Capital Unternehmers Fred Wilson; der sagte j\u00fcngst \u00fcber die Neuen der Sharing Szene: \u201eThe \u2018sharing economy\u2019 was outed as the \u2018rental economy\u2019. Nobody is sharing anything. People are making money, plain and simple. Technology has made renting things as simple as it made buying things a decade ago. Uber and Airbnb are the big winners in this category but there are and will be others.\u201c<\/p>\n<p><b>5) Wie bewerten Sie den derzeitigen Forschungsstand und die Verf\u00fcgbarkeit von empirischen Daten bez\u00fcglich der derzeitigen Umbr\u00fcche im Bereich Wirtschaft und Arbeit durch die Digitalisierung? Wie bewerten Sie die Notwendigkeit eines fortlaufenden Monitorings, um diese Umbr\u00fcche fr\u00fchzeitiger erkennen zu k\u00f6nnen und um ggfs. auch aus den Erfahrungen anderer Branchen m\u00f6gliche Konsequenzen, sowohl f\u00fcr den Gesetzgeber als auch die Wirtschaft, zu ziehen?<\/b><\/p>\n<p>Empirische Hinweise auf zunehmende Umbr\u00fcche im Bereich der Arbeit \u2014 insbesondere der freiberuflichen Arbeit und des Dienstleistungssektors sowie mehr und mehr in Sektoren der klassischen Wirtschaft \u2014 sind nicht von der Hand zu weisen. Die zunehmende Nutzung digitaler Hilfsmittel wird heutige Berufsmodelle sowohl substituieren als auch supplementieren. Eine Vielzahl von Aufgaben, die in der Vergangenheit manuell durchgef\u00fchrt werden mussten, k\u00f6nnen heute automatisch erfolgen (klassische Beispiele: die Aufbereitung von Wissen und die Sortierung von Informationen). Inzwischen zeigt sich auch, dass \u2014 eine gewissenhafte Schulung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vorausgesetzt \u2014 die Nutzung von digitalen Technologien die Produktivit\u00e4t deutlich steigert.<\/p>\n<p>Die st\u00e4ndige Verf\u00fcgbarkeit von Informationen \u00fcbt \u2014 nach heutigem Forschungsstand \u2014 einen gro\u00dfen Einfluss auf Kaufentscheidungen insbesondere j\u00fcngerer Kundinnen und Kunden aus. Online-Reviews und Bewertungen sind ein wichtiges Entscheidungskriterium geworden, selbst wenn die Kundinnen und Kunden \u2014 was sie immer seltener tun \u2014 f\u00fcr den Kauf noch in den Elektronikfachhandel gehen.<\/p>\n<p>Eine engere Vernetzung der Politik mit forschenden Unternehmen, Universit\u00e4ten und Einrichtungen ist dringend geboten, um die Zukunftsf\u00e4higkeit des Standardorts Deutschland zu sichern. Denken Sie an Kreditech, eines der jungen Unternehmen in Deutschland, das gerne als Vorzeigestartup diente \u2014 es darf in Deutschland aus regulatorischen Gr\u00fcnden bislang nicht operieren. Denken Sie an DeinBus, einem der Pioniere der Fernbuslinien, die inzwischen von einer gro\u00dfen Zahl der Deutschen f\u00fcr kosteng\u00fcnstige Fernreisen genutzt werden. Der Bus ist das mit Abstand umweltschonenste Reisemittel. Dennoch standen Fernbuslinien bereits kurz nach ihrem Start vor dem Aus, weil sich die Deutsche Bahn auf \u2014 historisch \u00fcberholte und zu \u00fcberdenkende \u2014 Gesetzgebung berief.<\/p>\n<p><b>6) Welche Rolle spielen Daten bzw. datenbasierte Gesch\u00e4ftsmodelle aus Ihrer Sicht? Wie kann die Verkn\u00fcpfung von \u201eklassischen\u201c Gesch\u00e4ftsmodellen (Produktion, Verkauf, Dienstleistung) mit datenbasierten Gesch\u00e4ftsmodellen gelingen und welche Chancen bietet eine solche Entwicklung? Wie bewerten Sie die neuen, internet- bzw. plattformbasierten Gesch\u00e4ftsmodelle, z. B. in den Bereichen Mobilit\u00e4t oder \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten? Welche Herausforderungen, zum Beispiel im Bereich des Datenschutzes, ergeben sich, sowohl f\u00fcr den Gesetzgeber als auch f\u00fcr Anbieter?<\/b><\/p>\n<p>Es ist sicher sinnvoll, wenn der Gesetzgeber klare, belastbare und sinnvolle Rahmenbedingungen f\u00fcr Unternehmen sowie Verbraucherinnen und Verbraucher schafft. Datenbasierte Anwendungen und Gesch\u00e4ftsmodelle werden mit der rasant fortschreitenden Digitalisierung und Vernetzung \u2014 v. a. durch das Internet of Things, das nach Prognosen im Jahr 2020 \u00fcber 50 Mrd. Ger\u00e4te miteinander verkn\u00fcpft \u2014 zu einem entscheidenden Treiber von Innovation und Wirtschaftswachstum. Der Erfolg der zugrundeliegenden datenbasierten Gesch\u00e4ftsmodelle h\u00e4ngt dabei wesentlich von einer technonolgieneutralen Rahmenordnung ab, die das Vertrauen in Datenschutz und -sicherheit sowohl bei den Verbrauchern als auch bei den wirtschaftlichen Akteuren sch\u00fctzt. Nach Studien sehen bis heute 50 % der Mittelst\u00e4ndler Risiken der IT-Sicherheit als Bedrohung und damit als Einstiegsh\u00fcrde in die Industrie 4.0. Andererseits zeigt das Nutzungsverhalten von Konsumenten eine eher indifferente Haltung zum Thema Datenschutz.<\/p>\n<p><b>7) Welche Notwendigkeit von Regulierungsbedarf oder auch Deregulierungserfordernissen und besseren Rahmenbedingungen bestehen aus Ihrer Sicht f\u00fcr eine erfolgreiche Begleitung der Digitalisierung insgesamt? Welche Anforderungen stellen sich, auch im Lichte der Antwort auf Frage 6, an die europ\u00e4ische Datenschutzgrundverordnung? Wo sehen Sie regulatorischen Handlungsbedarf in Bezug auf nicht-informationsbasierte Unternehmen (z.B. im Bereich Besch\u00e4ftigtendatenschutz)?<\/b><\/p>\n<p>Verhaltensbezogene Vorschriften wie das Datenschutzrecht k\u00f6nnen (wie bisher gesehen), die zu Frage 6 beschriebenen Herausforderungen allein nicht leisten. Diese m\u00fcssen \u00fcber entsprechende Pflichten auf technischer Infrastrukturebene erg\u00e4nzt werden. Nur so kann gew\u00e4hrleistet werden, dass deutsche und europ\u00e4ische Standards f\u00fcr Transparenz, Datenschutz und Datensicherheit auch von den bisher marktf\u00fchrenden au\u00dfereurop\u00e4ischen Anbietern eingehalten werden. Bisher werden die Standards de facto, also aufgrund der Marktf\u00fchrerschaft, durch die au\u00dfereurop\u00e4ischen Unternehmen gesetzt, die selbst keine ausreichenden Anreize f\u00fcr die Einhaltung des hohen deutschen und europ\u00e4ischen Schutzniveaus sehen.<\/p>\n<p>Das Datenschutzrecht muss zudem rechtssicherer und innovationsoffener ausgestaltet werden. Die bisherige Systematik ist von einem grunds\u00e4tzlichen Verbot und durch ebenso weitreichende Ausnahmen gepr\u00e4gt. Insbesondere die aufgrund des grunds\u00e4tzlichen Verbots erforderlichen weiten Generalklauseln (insb. der Erlaubnistatbestand des Datenumgangs zu Zwecken legitimer wirtschaftlicher Interessen) f\u00fchrt in Verbindung mit dem allgemeinen Vollzugsdefizit zu erheblicher Rechtsunsicherheit sowohl bei den Verbrauchern als auch bei den datenverarbeitenden Unternehmen. Hintergrund ist, dass die weiten Gesetzesformulierungen mangels entsprechender Gerichtsentscheidungen schlicht nicht konkretisiert werden. Einzelne Vorschriften wie die Anforderung einer strikten Zweckbindung stehen zudem in diametralem Gegensatz mit ausgangsoffenen Innovationsprozessen, bei denen die Zwecke im Vorhinein nur bedingt festgelegt werden k\u00f6nnen. Statt einer strikten Zweckbindung sollte daher lediglich die Anforderung einer Zweckangabe vorgesehen werden, die nicht an jedem einzelnen Datenverarbeitungsvorgang, sondern an den jeweils konkret durch die Datenverarbeitung und -verwendung betroffenen Grundrechten auszurichten w\u00e4re. Dies w\u00fcrde nicht nur aus Sicht des Verbrauchers die Zweckangabe auf die f\u00fcr ihn relevanten Informationen beschr\u00e4nken, sondern g\u00e4be zugleich den datenverarbeitenden Unternehmen den erforderlichen Spielraum f\u00fcr die Offenheit ihrer Innovationsprozesse.<\/p>\n<p><b>8) Welche Rahmenbedingungen sind auf nationaler und auf europ\u00e4ischer Ebene notwendig, um den Wettbewerb und die Vielfalt in der digitalen Wirtschaft zu sichern? Wie bewerten Sie die Strategie und Ma\u00dfnahmen der EU-Kommission zum \u201eDigital Single Market\u201c? Wo sehen Sie konkreten Handlungsbedarf im nationalen bzw. im europ\u00e4ischen Wettbewerbs- bzw. Kartellrecht?<\/b><\/p>\n<p>Konkreten Handlungsbedarf sehe ich auf europ\u00e4ischer Ebene beim urheberrechtlichen Territorialit\u00e4tsprinzip. Aufgrund der Zersplitterung der Rechtsordnungen zwischen den 28 Mitgliedsstaaten m\u00fcssen die Marktteilnehmer (d. h. Werkschaffende, Verwerter und Verbraucher) grunds\u00e4tzlich 28 verschiedene Rechtsordnungen bei der Schaffung, Verwertung und beim Konsum von urheberrechtlich gesch\u00fctzten Werken im Internet beachten. Die M\u00f6glichkeit eines EU-weiten Urheberrechtsgesetzes mit Anwendungsvorrang vor den nationalen Urheberrechtsregimen k\u00f6nnte hier eine \u2014 wenn auch unwahrscheinliche \u2014 L\u00f6sung sein.<\/p>\n<p><b>9) Wie beurteilen Sie die politische Begleitung bzw. Unterst\u00fctzung bei der Digitalisierung der Wirtschaft, vor allem auch in Hinblick auf die geteilte Zust\u00e4ndigkeit des Themas \u201eDigitales\u201c bei mehreren Ressorts innerhalb der Bundesregierung?<\/b><\/p>\n<p>Die Bundesregierung und insbesondere das Wirtschaftsministerium ist hier meines Wissens nach bereits aktiv geworden. Wichtig wird sein, ob und wie die \u2018Digitale Agenda\u2019 noch ausgebaut wird. Nachvollziehbar ist, dass die starke Verteilung von Kompetenzen Abstimmungsprozesse erschwert. Gleichzeitig durchzieht Digitales jedoch auch viele Lebensbereiche. Daher ist es tendenziell begr\u00fc\u00dfenswert wenn eine Auseinandersetzung mit Prozessen und Inhalten der Digitalisierung sich auch in verschiedenen Bereichen der Bundesregierung widerspiegelt. Dem Ausschuss \u2018Digitale Agenda\u2019 kommt daher eine wichtige Rolle der Pr\u00fcfung, Mediation und Entscheidungsfindung zu. Ziel sollte also sein eine gemeinsame Strategie und ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Herausforderungen und Chancen des digitalen Wandels zu schaffen, welche sodann das Handeln aller Regierungsressorts informiert.<\/p>\n<p><b>10) Die Oxford-\u00d6konomen Carl Benedikt Frey und Michael A. Osborne prognostizieren in ihrer Studie \u201eThe Future of Employment\u201c (2013)1, dass 47 Prozent von 702 in den USA untersuchten Berufsgruppen durch Computer gef\u00e4hrdet sind. Teilen Sie diese Ansicht? Wie sind Wirtschaft und Gesellschaft in ihren Grundz\u00fcgen k\u00fcnftig zu gestalten, falls diese Prognosen zutreffen?<\/b><\/p>\n<p>Es gibt Studien, die darauf hindeuten, dass die Produktivit\u00e4t sehr deutlich von Digitalisierung profitieren kann, wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend geschult und eingebunden werden (vgl. Garicano &amp; Heaton, 2010; Bloom, Garicano, Sadun &amp; van Reenen, 2014). Es wird weiterhin zu einem Wandel der Berufswelt kommen und einzelne Berufe werden durch neue ersetzt werden. Ein tats\u00e4chlicher Verfall von Arbeitspl\u00e4tzen ist aber vermeidbar, wenn der Fokus auf die lebenslange Aus- und Weiterbildung sowie die Schaffung neuer Kompetenzen gelegt \u00a0wird (vgl. Atkinson &amp; Ezell, 2012).<\/p>\n<p>Es b\u00f6te sich an eine Unterscheidung zwischen Berufsgruppen und Berufsprofilen zu treffen. Auch wenn bestehende Berufsprofile wom\u00f6glich gef\u00e4hrdet sind, f\u00fchrt dies nicht gleich zur Gef\u00e4hrdung ganzer Berufsgruppen. Berufsprofile entwickeln sich stetig weiter, passen sich an neue Herausforderungen der Arbeitswelt an und schaffen neue Kompetenzprofile der jeweiligen Berufsgruppen.<\/p>\n<p>Manchmal hilft die R\u00fcckschau: Zu Zeiten der zweiten Globalisierungswelle wurde prognostiziert, dass es in Deutschland zu Massenarbeitslosigkeit durch das Verschwinden vieler Berufe und dem Abzug der Industrie kommen w\u00fcrde. Obschon negative Effekte durchaus nicht von der Hand zu weisen sind, sehen wir heute eine grunds\u00e4tzlich positive Entwicklung des Arbeitsmarktes und des deutschen Wirtschaftsstandortes. Eine m\u00f6gliche Ma\u00dfgabe w\u00e4re entsprechend: Trends erkennen, (Ausbildungs-)Ziele setzen, Angst bannen.<\/p>\n<h4>This post is part of a weekly series of articles by doctoral canditates of the Alexander von Humboldt Institute for Internet and Society. It does not necessarily represent the view of the Institute itself. For more information about the topics of these articles and asssociated research projects, please contact\u00a0<a href=\"mailto:info@hiig.de\">info@hiig.de<\/a>.<\/h4>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-medium\"><li class=\"shariff-button linkedin shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#1488bf\"><a href=\"https:\/\/www.linkedin.com\/sharing\/share-offsite\/?url=https%3A%2F%2Fwww.hiig.de%2Fen%2Frobin-tech-in-the-committee-the-digital-agenda-of-the-german-bundestag%2F\" title=\"Share on LinkedIn\" aria-label=\"Share on LinkedIn\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#0077b5; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 27 32\"><path fill=\"#0077b5\" d=\"M6.2 11.2v17.7h-5.9v-17.7h5.9zM6.6 5.7q0 1.3-0.9 2.2t-2.4 0.9h0q-1.5 0-2.4-0.9t-0.9-2.2 0.9-2.2 2.4-0.9 2.4 0.9 0.9 2.2zM27.4 18.7v10.1h-5.9v-9.5q0-1.9-0.7-2.9t-2.3-1.1q-1.1 0-1.9 0.6t-1.2 1.5q-0.2 0.5-0.2 1.4v9.9h-5.9q0-7.1 0-11.6t0-5.3l0-0.9h5.9v2.6h0q0.4-0.6 0.7-1t1-0.9 1.6-0.8 2-0.3q3 0 4.9 2t1.9 6z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button bluesky shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#84c4ff\"><a href=\"https:\/\/bsky.app\/intent\/compose?text=Robin%20Tech%20in%20the%20Committee%20%E2%80%98The%20Digital%20Agenda%E2%80%99%20of%20the%20German%20Bundestag https%3A%2F%2Fwww.hiig.de%2Fen%2Frobin-tech-in-the-committee-the-digital-agenda-of-the-german-bundestag%2F  via @hiigberlin.bsky.social\" title=\"Share on Bluesky\" aria-label=\"Share on Bluesky\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#0085ff; color:#fff\" target=\"_blank\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"20\" height=\"20\" version=\"1.1\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 20 20\"><path class=\"st0\" d=\"M4.89,3.12c2.07,1.55,4.3,4.71,5.11,6.4.82-1.69,3.04-4.84,5.11-6.4,1.49-1.12,3.91-1.99,3.91.77,0,.55-.32,4.63-.5,5.3-.64,2.3-2.99,2.89-5.08,2.54,3.65.62,4.58,2.68,2.57,4.74-3.81,3.91-5.48-.98-5.9-2.23-.08-.23-.11-.34-.12-.25,0-.09-.04.02-.12.25-.43,1.25-2.09,6.14-5.9,2.23-2.01-2.06-1.08-4.12,2.57-4.74-2.09.36-4.44-.23-5.08-2.54-.19-.66-.5-4.74-.5-5.3,0-2.76,2.42-1.89,3.91-.77h0Z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><li class=\"shariff-button mailto shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#a8a8a8\"><a href=\"mailto:?body=https%3A%2F%2Fwww.hiig.de%2Fen%2Frobin-tech-in-the-committee-the-digital-agenda-of-the-german-bundestag%2F&subject=Robin%20Tech%20in%20the%20Committee%20%E2%80%98The%20Digital%20Agenda%E2%80%99%20of%20the%20German%20Bundestag\" title=\"Send by email\" aria-label=\"Send by email\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; background-color:#999; color:#fff\"><span class=\"shariff-icon\" style=\"\"><svg width=\"32px\" height=\"20px\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" viewBox=\"0 0 32 32\"><path fill=\"#999\" d=\"M32 12.7v14.2q0 1.2-0.8 2t-2 0.9h-26.3q-1.2 0-2-0.9t-0.8-2v-14.2q0.8 0.9 1.8 1.6 6.5 4.4 8.9 6.1 1 0.8 1.6 1.2t1.7 0.9 2 0.4h0.1q0.9 0 2-0.4t1.7-0.9 1.6-1.2q3-2.2 8.9-6.1 1-0.7 1.8-1.6zM32 7.4q0 1.4-0.9 2.7t-2.2 2.2q-6.7 4.7-8.4 5.8-0.2 0.1-0.7 0.5t-1 0.7-0.9 0.6-1.1 0.5-0.9 0.2h-0.1q-0.4 0-0.9-0.2t-1.1-0.5-0.9-0.6-1-0.7-0.7-0.5q-1.6-1.1-4.7-3.2t-3.6-2.6q-1.1-0.7-2.1-2t-1-2.5q0-1.4 0.7-2.3t2.1-0.9h26.3q1.2 0 2 0.8t0.9 2z\"\/><\/svg><\/span><\/a><\/li><\/ul><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 6. 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