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E-Health in Deutschland – Konsumenten geben die Richtung vor

04 Mai 2017

Digitale Gesundheit wird in den letzten Jahren verstärkt diskutiert, dennoch erfolgt der Ausbau von E-Health in Deutschland bisher nur langsam. Dabei ergeben sich mit E-Health große Chancen für das deutsche Gesundheitssystem, wie etwa Kosteneinsparungen und eine flächendeckende Versorgung von Patienten mittels neuer digitaler Therapieformen. E-Health soll, im Hinblick auf ein interoperables digitales Gesundheitssystem, die Qualität in der Gesundheitsversorgung sichern und verbessern. Auch wenn die Bundesregierung bisher nicht viel für einen Wandel unternimmt, werden seitens der Konsumenten Angebote im Bereich der digitalen Gesundheit vermehrt genutzt.

Während die Digitalisierung in Deutschland in allen möglichen Lebensbereichen voranschreitet, sind die Entwicklungen im Hinblick auf E-Health und der Erweiterung digitaler Strukturen im Gesundheitswesen bei weitem noch ausbaufähig. So schneidet Deutschland laut einer Studie der EU-Kommission (2013) im internationalen Vergleich in allen untersuchten Bereichen schlecht ab, besonders bei der elektronischen Datenerfassung und im Austausch von Gesundheitsinformationen zwischen verschiedenen Organisationen im Gesundheitswesen sind Länder wie Schweden oder Dänemark Deutschland voraus.

Doch was ist eigentlich genau gemeint, wenn der Begriff E-Health – auch Health 2.0 – verwendet wird? E-Health bezeichnet grob gesagt das Aufeinandertreffen von Medizin und Informatik. Die WHO definiert E-Health als einen Sammelbegriff für alle gesundheitsbezogenen Aktivitäten, Dienste und Systeme, die Informations- und Kommunikationstechnik einsetzen, um eine räumliche Distanz zu überwinden.

Die Digitalisierung des Gesundheitssektors erfolgt Bottom-up

In Deutschland vollzieht sich der Wandel hin zu E-Health auf dem zweiten Gesundheitsmarkt, also auf der Ebene der Konsumenten. Besonders mobile Anwendungen erfreuen sich großer Beliebtheit: Mittlerweile werden um die 103.000 Apps für IOS und Android im Bereich Fitness, Wellness und Gesundheit angeboten. Die Spanne reicht dabei von Fitness-Trackern bis hin zu Anwendungen, welche die tägliche Medikamentendosis berechnen. Erklären lässt sich der wachsende Markt bei mobilen Anwendungen im E-Health-Bereich unter anderem mit dem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung, welche verstärkt auf ihre Ernährung achtet und beispielsweise mehr Bio-Lebensmittel kauft, als es noch vor einem Jahrzehnt der Fall war. Auch im Bereich Bewegung und Sport wächst der Markt der Anwendungen: Sportliche Erfolge können dank mobiler Fitness-Apps gemessen werden, um individuell Fortschritte zu verfolgen. Neben mobilen Anwendungen werden auch Web-basierte Informationsportale mit Gesundheitsbezug immer häufiger genutzt, um Symptome und Behandlungsmöglichkeiten selbständig zu recherchieren oder sich den passenden Arzt zu suchen.

Zurückhaltung in Deutschland beim Thema digitale Gesundheit

Die Gründe für den nur schwerfälligen Fortschritt im Bereich E-Health sind vor allem auf regulativer Ebene zu verorten: Noch fehlen geeignete politische Rahmenbedingungen und Gesetzesänderungen, um die Entwicklung von E-Health zu ermöglichen und voranzutreiben. Politische Entscheidungsträger blockieren die Diskussion über die großen Chancen digitaler Gesundheit, da Risiken vorangestellt werden und so der Diskurs über mögliche Potenziale von vornherein ausgebremst wird. An erster Stelle geht es hierbei um Bedenken im Hinblick auf den Datenschutz bei der Verarbeitung und dem Austausch von Patientendaten.

Bedenken, die mit Sicherheit ihre Berechtigung haben und auch zugunsten des Fortschritts nicht ausgeblendet werden dürfen. Allerdings begründet sich die Zurückhaltung bei E-Health noch auf weiteren Faktoren, wie etwa die Bedenken der Ärzteschaft im Hinblick auf arbeitsrechtliche Fragen, eine fehlende Akzeptanz gegenüber neuen Online-Therapieformen und möglicherweise auch eine geringe Bereitschaft seitens des konservativ geprägten Gesundheitswesens, sich an Veränderungen durch den Umstieg auf ein digitales System anzupassen. E-Health ist weit mehr als nur technische Entwicklung: Vielmehr ist E-Health eine globale Einstellung, die es in Deutschland noch zu entwickeln gilt (Eysenbach 2005).

E-Health birgt immenses Potenzial

Trotz der geäußerten Risiken und Bedenken steht die Wichtigkeit eines Wandels hin zu einem digitalen Gesundheitssystem aufgrund seiner Vorzüge außer Frage. Ein großes Potenzial von E-Health liegt in den vielfältigen Möglichkeiten zur Kosteneinsparung, vor allem was mobile Anwendungen betrifft. Laut einer Studie von PriceWaterhouseCooper, könnten etwa 100 Milliarden Euro mit medizinischen Apps und Telemedizin EU-weit eingespart werden.

Ein weiterer Vorteil von E-Health ist die Möglichkeit der flächendeckenden medizinischen Versorgung, da mobile Anwendungen ortsungebunden genutzt werden können und somit vor allem das ärztliche Angebot im ländlichen Raum unterstützen. Auch zeitlich oder finanziell eingeschränkte Gruppen profitieren aufgrund von E-Health und im speziellen von mobilen Anwendungen, da diese jederzeit genutzt werden können und viele kostenlos oder zumindest kostengünstig angeboten werden.

In Schweden gibt es in dünn besiedelten Gegenden bereits Virtual Care Rooms, in denen kein Arzt zugegen ist, der Patient aber mithilfe seiner ID-Karte Zugang zu Nadeln und anderen Utensilien erhält. Außerdem sind die Räume mit einem Krankenhaus vernetzt und ermöglichen mithilfe einer speziellen Ausrüstung die Datenübertragung zwischen Patient und Ärzten. In Großstädten wie Stockholm erprobt man derzeit die Fernpflege via Videolink für Ipad und Iphone. Mit der landesweiten Einführung einer elektronischen Patientenakte bis Ende 2017 will Schweden ein vernetztes System schaffen und somit bürokratische Abläufe minimieren.

Deutschland benötigt eine Strategie

Auch wenn andere Länder bereits gute Lösungen entwickelt und umgesetzt haben und Deutschland sich davon einiges abschauen kann – der Ausbau von E-Health erfordert nicht nur Mut zur Veränderung des Gesundheitswesens, sondern auch grundsätzliche Überlegungen in unterschiedlichen Bereichen. An erster Stelle muss die Sicherung von persönlichen Daten gewährleistet werden können. Um einer Offenlegung und dem Missbrauch von Patientendaten vorzubeugen, werden technische Schutzeinstellungen benötigt, welche einem sehr hohen Standard entsprechen müssen (Fischer/Krämer 2016).

Handlungsspielräume einzelner Akteure und bestehende Gesetze müssen überprüft werden, um eine nutzbringende Anwendung neuer Technologien überhaupt erst zu ermöglichen. Zudem muss die gesellschaftliche Akzeptanz für E-Health – besonders bei medizinischem Fachpersonal – mit Hilfe von Informationsweitergabe und Wissensvermittlung erhöht werden (Blachetta et al.).


Referenzen

Blachetta et al. (2016). Weiterentwicklung der eHealth-Strategie: Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit. Berlin: BMG.

Eysenbach, Gunther (2005). What is Ehealth? Scope and Definitions of an Emerging Field. JMIR Publications.

Fischer, Florian; Krämer, Alexander (2016). eHealth in Deutschland: Anforderungen und Potenziale innovativer Versorgungsstrukturen. Berlin Heidelberg New York: Springer-Verlag.

Dieser Beitrag spiegelt die Meinung der Autorinnen und Autoren und weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wider. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Beiträge und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren Sie bitte info@hiig.de

Daniela Lindner

Ehem. Studentische Mitarbeiterin: Internetbasierte Innovation

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