sputniko

„Doradical Futures“ mit Sputniko

11 Februar 2014

Dieser Blogbeitrag reflektiert über die Werke von Sputniko!. Sputniko! ist eine Designerin / Künstlerin, die derzeitig am MIT Media Lab als Assistant Professor die Design Fictions Gruppe leitet. Vor kurzem hielt sie einen Vortrag auf der Transmediale in Berlin. Dort hatte ich die Gelegenheit ein kurzes Interview mit ihr zu führen.
Mein Originaltext ist hier zu finden.

Was wäre wenn…

In ihren Werken spielt Sputniko! mit der „Was wäre wenn“-Frage, um alternative Zukünfte zu entwerfen. Mit Hilfe von Technologien präsentiert sie eine künstlerische Vision darüber, wie die Welt sein könnte, und lädt Betrachter zu einer Diskussion ein. Stell dir eine alternative Zukunft vor, in der Männer ein besseres Verständnis dafür haben, wie es ist, weiblich zu sein – und anders herum. Kann Technologie helfen diese Kluft zu überbrücken? Menstruation Machine – ein tragbares Konstrukt das den Unterlaib mit Elektroden stimuliert, um Schmerzen zu simulieren, und aus dem „Blut“ tropft – bietet einen Einblick in einen Aspekt des „Frauseins“. Penis Cybernetique – eine tragbare Phallus-Prothese, die auf die Herzfrequenz reagiert – kann Aufschluss darüber geben, was es bedeuten mag, „cockproud“ zu sein. Technologie ermöglicht es über die gewohnte Bandbreite von Erfahrungen hinauszugehen, dient aber gleichzeitig auch als Ermächtigungswerkzeug. Keiner kann ein cleveres Mädchen davon abhalten, eine Moonwalk Machine auf den Mond zu schicken, um dort den fehlenden Abdruck eines Stöckelabsatzes zu hinterlassen.

Hacking Pop

Oberflächlich betrachtet, passen Songs wie Google Song oder Skype Song perfekt in die Konventionen der Popkultur. Und doch gibt es einen subtilen Unterschied. Sie nutzen die Sprache der Popkultur, um Fragen über soziale Themen zu injizieren. Sie stellen Verhaltensmuster der Generation, die allgegenwärtig mit Technologien umgeben ist, in Frage, da dieser oft die zur kritischen Reflektion nötige Distanz fehlt.
In meinem Interview mit Sputniko! erklärt sie ihre Herangehensweise bei der Hinterfragung von Technologien im Alltag: ‘I am very interested in hacking the current system or the current language because the current world is more hackable, the media is hackable, and spreading ideas is more hackable.’

Diskussionen entfachen

Viele von Sputniko!s Werken sind mehr als nur Designobjekte, die eine Geschichte bekommen haben, die in einem Musikvideo festgehalten wird. Die Mission dieser Objekte und Geschichten ist das Entfachen von Diskussionen. Eine interessante Diskussion wurde jedoch nicht durch ein Designobjekt sondern durch Sputniko!s Twitter-Kommentar über die Unangemessenheit des Titelbildes eines japanischen Journals für Künstliche Intelligenz, das eine Zeichnung eines weiblichen Reinigungsroboters abgebildet hat, verursacht. Die Diskussion, die als kritische Betrachtung von Stereotypen weiblicher Eigenschaften anfing, artete zum „Shitstorm“ gegen Sputniko! aus. Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass trotz rapider technologischer Entwicklungen und ständiger Konfrontationen mit neuen technischen Geräten, die uns neue Möglichkeiten eröffnen, kritische Reflektionen und Diskussionen unbedingt erforderlich sind und nicht hinter den technologischen Entwicklungen hinterherhinken sollten.

„Doradical Futures“

Von der japanischen Zeichentrickfigur Doraemon inspiriert, die verschiedene Gegenstände der Zukunft aus einer speziellen Tasche hervorholt, hat Sputniko! den Begriff „Doradical Futures“ geschaffen – eine Mixtur aus „Doraemon“, „radical“ und „critical“ – der die Philosophie hinter ihren Werken beschreibt. Beim entwerfen ihrer „Doradical Futures“ arbeitet Sputniko! oft mit WissenschaftlerInnen zusammen. Also habe ich sie gefragt, was sie von den aktuellen Entwicklungen in der Wissenschaft hält und ob WissenschaftlerInnen das, was das Internet zu bieten hat, auch nutzen. Sputniko! sieht ein großes Potenzial in „Citizen Science“: ‘Something that requires a lot of time and tedious effort scientists can definitely get help with from the public on the internet, so that is really different and new I think.’ Welche Visionen weiterer „Doradical Futures“ hat Sputniko!? Sie glaubt, dass biotechnologische Themen eine maßgebliche Rolle spielen werden und dass es vielleicht schon bald möglich sein wird die Farbe seines Blutes, als Modestatement, zu wählen. Und was sind die nächsten „Doradical Futures“ die Sputniko! aus ihrer Tasche zaubert? Die Antwort verbirgt sich hinter einem geheimnisvollen Lächeln. Vielleicht hat das etwas mit Katzen auf Roombas zu tun.

transmediale

Dieser Beitrag ist Teil der regelmäßig erscheinenden Blogartikel der Doktoranden des Alexander von Humboldt Institutes für Internet und Gesellschaft. Er spiegelt weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wieder. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Artikel und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren Sie bitte info@hiig.de.

Dieser Beitrag spiegelt die Meinung des Autors und weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wider. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Beiträge und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren Sie bitte info@hiig.de

Weitere Artikel

Wissenschaftliche Politikberatung – Vermittler zwischen zwei Systemen

Wissenschaftliche Politikberatung gewinnt auch in Deutschland verstärkt an Bedeutung. Worauf es dabei ankommt? Darüber hat sich Rebecca Winkels mit Christian Kobsda, assoziierter Forscher am Alexander von Humboldt Institut für Internet und...

Ungültige Wahlen in Brasilien durch Fake News?

Fake News beeinflussen Wahlen: Diese Befürchtung gilt auch für die diesjährige Präsidentschaftswahl in Brasilien. Die Ergebnisse der Auszählung könnten sogar für ungültig erklärt werden, wie Luiz Fux, Richter am Obersten...

Was ist Überwachungskapitalismus?

Big Brother schaut dir zu. Und nicht nur das – längst bedrohen neue Methoden der Verhaltensauswertung und -manipulation unsere Freiheit. In ihrem neuen Buch „Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ wirft die...

1 Comment

  1. Veröffentlich von jolana wagner-skacel am 28 März 2014 um 4:21 pm

    Mein Interesse gilt neben pop kultur und kritik, vorallem aber der wissenschaftlichen vernetzung in naher Zukunft, ich bin von beruf psychiaterin und psychotherapeutin, so städig mit gesellschaftlichen auswirkungen und auch medialen interaktionen beschäftigt, es würden mich inhalte zu diesem artikel und daran assozierten forschungsprojekte interessieren. vielen dank.

Hinterlassen Sie einen Kommentar