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Digitale Innovation: Digitale Arbeitsplattform für eine bessere Zusammenarbeit

08 Januar 2019

Im dritten Teil dieser Blogartikelreihe stellen wir vor, wie ein internes Wiki die Zusammenarbeit interdisziplinärer Teams der Stoll Gruppe unterstützt hat und welche wertvollen Lernerfolge das Unternehmen an andere Mittelständler weitergeben kann. Der folgende Blogpost stellt ein Fallbeispiel aus der in 2019 erscheinenden Studie “Digitale Innovation im Mittelstand”, die verschiedene mittelständische Unternehmen und ihre Digitalisierungsaktivitäten analysiert, vor. Die Studie wird vom HIIG und Sirius Minds durchgeführt und durch die HypoVereinsbank unterstützt.

 

„Mit dem Wiki wollten wir die Kultur dahingehend verändern, dass Menschen nicht mehr länger warten, bis sie eine Information bekommen und dann erst handeln, sondern umgekehrt: Wir stellen alle Informationen zur Verfügung und jeder kann sich zu jeder Zeit selbst besorgen was er für seinen Job, sein Projekt oder seine Aufgabe braucht. Insbesondere vor dem Hintergrund der stetig hohen Komplexität in der Projektarbeit war das wirklich ein völliger Paradigmenwechsel.
Markus Stoll, Geschäftsführer Stoll Gruppe

Die Planung und Realisation von Investitionsgütern für KundInnen auf der ganzen Welt ist seit über 50 Jahren das Spezialgebiet der Stoll Gruppe. Das familiengeführte, mittelständische Unternehmen mit Hauptsitz im Allgäu bietet seinen KundInnen ganzheitliche, interdisziplinäre und maßgeschneiderte Projektlösungen in verschiedenen Bereichen wie z.B. Gebäudetechnik, Schaltanlagenbau, Automation und Energietechnik. Mit mehr als 180 MitarbeiterInnen in bereits sieben Gesellschaften weltweit, verzeichnet Stoll ein stetiges Wachstum.

Ein internes Wiki verbesserte die prozess- und projektorientierte Zusammenarbeit von interdisziplinären Teams

Projekterfolge entstehen heutzutage dadurch, dass Menschen mit unterschiedlichen Qualifikationen ihre Kompetenzen zusammenbringen und gemeinsam an neuen Lösungen arbeiten. Es erfordert eine funktionierende, interdisziplinäre Zusammenarbeit, so Geschäftsführer Markus Stoll. Für ihn ist daher die Frage wie man Zusammenarbeit organisiert eines der zentralen Themen für den Unternehmenserfolg.

Anstoß für die strukturelle digitale Transformation des Unternehmens und Zielsetzung des Projekts war es, ein funktionierendes Gleichgewicht zwischen Prozess-Stabilität und -Dynamik in den äußerst heterogenen Kundenprojekten herzustellen. Der interne Name hieß daher Projekt-zu-Prozess-geführte Organisation, kurz PPO.

Mittlerweile hat die Stoll Gruppe erfolgreich ein internes Wiki (als digitale Arbeitsplattform) eingeführt, um das prozess- und projektorientierte Arbeiten der jeweiligen Teams zu verbessern. Insbesondere unter Effizienzgesichtspunkten hat die Einführung der digitalen Arbeitsplattform die projektinterne Zusammenarbeit stark verbessert. Das Wiki erwies sich dabei nicht nur als ein wertvolles kommunikatives Werkzeug für einen verbesserten Projektablauf, sondern löste zudem auch eine Veränderung der Unternehmenskultur aus. Fortan stehen Informationen allen MitarbeiterInnen jederzeit zur Verfügung, sodass eine konsequente Informationsversorgung in der Tätigkeit eines jeden Beschäftigten stets gegeben ist.

Mit dem Wiki wollten wir die Kultur dahingehend verändern, dass Menschen nicht mehr länger warten, bis sie eine Information bekommen und dann erst handeln, sondern umgekehrt: Wir stellen alle Informationen zur Verfügung und jeder kann sich zu jeder Zeit selbst besorgen was er für seinen Job, sein Projekt oder seine Aufgabe braucht. Insbesondere vor dem Hintergrund der stetig hohen Komplexität in der Projektarbeit war das wirklich ein völliger Paradigmenwechsel, sagt Geschäftsführer Markus Stoll.

Grafik digitale Innovation wiki

Die Akzeptanz und Etablierung der neuen Kultur trat erst verzögert ein

Als eine der größten Herausforderungen des Projekts stellte sich die Mobilisierung einer kritischen Masse an MitarbeiterInnen heraus, welche die neue Idee und Form der Zusammenarbeit schnell annehmen. Außerdem bedurfte es bereitwilliger Schlüsselpersonen, die sich in der neuen digitalen Kultur wiederfinden, mit gutem Beispiel vorangehen und diese vorleben.

Wenn man mir anfangs gesagt hätte, wie lange es dauert, hätte ich mir das damals wahrscheinlich zweimal überlegt, folgert Markus Stoll.

Der gesamte Prozess hat deutlich länger gedauert als zunächst erwartet. Es gab jedoch zu keiner Zeit Zweifel an der Idee und als der erste Schritt getan war, entwickelte sich eine entsprechende positive Eigendynamik. Die Finanzierung des Projekts aus dem eigenen Cashflow erwies sich dabei als eine zusätzliche Herausforderung. Auch hier spielte der zeitliche Aspekt der Akzeptanz und Etablierung der neuen Kultur insofern eine wichtige Rolle, als dass die Wirkung anders als zunächst erwartet erst verzögert eintrat. Das hatte zur Folge, dass die jährlichen Investitionen und die für das Projekt verwendete Zeit sich als erheblich höher herausstellten.

Das Digitalisierungsprojekt führte zu einer deutlichen Verbesserung aller Prozessabläufe und in Konsequenz zu einer erhöhten Kundenzufriedenheit

Ganz offensichtlich zeigte sich der Erfolg des Projekts durch eine deutliche Verbesserung der Prozessabläufe sowie in der erhöhten Kundenzufriedenheit. Über die letzten eineinhalb Jahre ist die Qualität der Projektlösungen laut Markus Stoll von 80% auf 97% gestiegen und auch die Liefertreue verzeichnete ebenfalls ein deutliches Wachstum von 75% auf knapp 98%. Abgesehen von den Verbesserungen in Qualität und Liefertreue, misst sich der Erfolg für die Stoll Gruppe unter anderem auch in der effizienteren Zusammenarbeit der MitarbeiterInnen und Teams. Der Fokus lag hierbei immer auf der Entstehung einer bedarfsorientierten gemeinsamen Lösung, die in der Regel auf sehr unterschiedlichen Perspektiven basiert. Auch im internationalen Vergleich ist es der Stoll Gruppe gelungen sich gegenüber Wettbewerbern einen zukunftsträchtigen Vorteil zu erarbeiten. Wir sind heute erheblich zukunftsfähiger als in der alten Struktur, weil unsere Mitarbeiter bedarfsorientiert und in der Funktion denken, so Markus Stoll.

Drei wertvolle Lernerfolge, die die Stoll Gruppe an andere Mittelständler weitergeben kann

  • Den Fokus nicht zu sehr auf den kurzfristigen Erfolg legen. Die Bereitschaft für einen langfristigen Transformationsprozess muss gegeben sein, um eine solche digitale Entwicklung im Unternehmen auch zu verankern. Wenn man anfängt, muss man langfristig bereit sein daran zu arbeiten und sollte nicht auf den schnellen Erfolg hoffen.
  • Eine klare und langfristige Zielausrichtung des Projekts entwickeln. Dies bedeutet allerdings nicht die minutiöse Einhaltung einzelner Schritte, sondern gleichermaßen eine gewisse Flexibilität und Offenheit gegenüber den neu gewonnenen, kleineren Lernerfolgen zu kreieren.
  • Die Integration eines Projekts in dieser Größenordnung ist ein kontinuierlich und nie endender Prozess, durch den sich ständig neue Chancen ergeben.

Weitere Learnings: Digitale Innovation im Mittelstand

 

Die Studie wird vom HIIG und Sirius Minds durchgeführt und durch die HypoVereinsbank unterstützt. Sind Sie interessiert, die Publikation „Digitale Innovation im Mittelstand“ direkt nach Erscheinen im Frühjahr 2019 zu erhalten? Dann füllen Sie einfach das nachstehende Formular aus.

 

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Dieser Beitrag spiegelt die Meinung der Autorinnen und Autoren und weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wider. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Beiträge und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren Sie bitte info@hiig.de

Martin Wrobel, Prof. Dr.

Assoziierter Forscher: Innovation, Entrepreneurship & Gesellschaft

Alexander T. Nicolai, Prof. Dr.

Ehem. Assoziierter Forscher: Innovation & Entrepreneurship

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