Zum Inhalt springen
ryoji-iwata-wUZjnOv7t0g-unsplash-2
04 August 2021| doi: 10.5281/zenodo.5153392

Deutschland: Hidden Champion für Online-Plattformarbeit?

Die Corona-Krise hat uns bereits viel abverlangt. Besonders unsere Arbeitswelt wurde durch die globale Pandemie auf den Kopf gestellt. Büros und Geschäfte mussten schließen, die Arbeit wurde – sofern möglich – von zuhause aus erledigt. Besonders für Familien mit Kindern bedeutete dies eine enorme Herausforderung.

Online-Freelancing wird immer populärer

Viele von uns mussten sich erst an das digitale Arbeiten und Video-Meetings gewöhnen. Für andere war diese Form des Arbeitens bereits vor Corona „business as usual“. Die Rede ist von Online-Arbeitskräften, im Englischen sogenannte Crowdworker oder Online Freelancer, die als Software Entwickler*innen, Grafik-Designer*innen, Buchhalter*innen oder Übersetzer*innen Aufträge über Internetplattformen erhalten. Während sich die öffentliche Aufmerksamkeit beim Thema Plattformfirmen meist auf Tech-Unternehmen wie Uber oder Amazon konzentriert, gewinnen Marktplätze für Online-Arbeit – Plattformen wie UpWork oder Fiverr – stetig an Bedeutung. Aktuellen Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 160 Millionen Menschen auf Online-Arbeitsplattformen registriert. In den USA sind mehr als ein Drittel (36%) aller Arbeitskräfte in der Gig-Economy tätig. Doch obwohl immer mehr Menschen, gerade in ökonomisch unsicheren Zeiten, Aufträge – sogenannte Gigs – über weltweit operierende Online-Plattformen finden, bleibt die gesamte ökonomische Tragweite der Online-Arbeitsmärkte zumeist verborgen.

Ein neues Forschungsportal macht nun das weltweite Ausmaß der Online Gig Economy transparenter: Über das Online Labour Observatory – eine Kollaboration des Oxford Internet Institute (Universität Oxford) und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) – können sich Wissenschaftler*innen, Journalist*innen und die Öffentlichkeit nun über verschiedenste Aspekte der Online-Arbeitswelt informieren. Hier werden Fragen zur wirtschaftlichen Relevanz der neuen Märkte adressiert sowie deren regionale Ausbreitung beleuchtet.

Deutschland auf der Überholspur

Diese Vogelperspektive auf die neue Online-Arbeitswelt ist gerade aus deutscher Perspektive höchst interessant. Während ein Großteil der Nachfrage nach Online-Dienstleistungen in der Vergangenheit meist aus den USA und Großbritannien stammte, haben einige Nationen die Aufholjagd begonnen – allen voran Deutschland. Der Online Labour Index erlaubt eine statistische Betrachtung der Online-Arbeitsmärkte. Dieser zeigt, dass die Nachfrage nach Online-Arbeit aus Deutschland in den vergangenen fünf Jahren um bis zu 60 Prozent gewachsen ist (siehe Abbildung). Keine vergleichbare Industrienation hat in diesem Zeitraum so rapide Zuwächse bei der Nutzung von Online-Services erlebt wie die Bundesrepublik.

 

Der Online Labour Index misst seit 2017 die Entwicklung globaler Online-Arbeitsmärkte. In kaum einer anderen Industrienation ist die Nachfrage nach Online-Arbeit so stark gewachsen wie in Deutschland.

 

Aber auch seitens des Arbeitsangebots holt Deutschland mächtig auf. Im Bereich von Schreib- und Übersetzungstätigkeiten zählen deutsche Online-Freelancer*innen mittlerweile zur Weltspitze. Knapp zwei Prozent des weltweiten Arbeitsangebotes in diesem Bereich stammen allein von deutschen Plattformarbeiter*innen. In Europa liegt nur Großbritannien mit knapp acht Prozent vor der Bundesrepublik.

Plattformen bedeuten die Zukunft der Arbeit

Es lohnt sich Online-Plattformarbeit und deren wachsende Popularität im Auge zu behalten, denn auch in typischen Bürojobs wird das Arbeiten über das Internet an Bedeutung gewinnen. Mit den neuen digitalen Arbeitsformen werden auch Plattformen weiter in unsere Arbeitswelt eindringen. Bereits jetzt organisieren Firmen wie Spotify oder Twitter ihre Arbeitsprozesse über firmeninterne Plattformen. Wer die digitale Zukunft der Arbeit meistern will, muss verstehen, wie Algorithmen Arbeit verteilen oder warum Reputation auf Plattformmärkten Gold wert ist. Wir können also noch einiges lernen von den digitalen Vorreitern der Online-Arbeitswelt.

Fabian Stephany, Dr.

Assoziierter Forscher: Innovation, Entrepreneurship & Gesellschaft

Aktuelle HIIG-Aktivitäten entdecken

Forschungsthemen im Fokus

Das HIIG beschäftigt sich mit spannenden Themen. Erfahren Sie mehr über unsere interdisziplinäre Pionierarbeit im öffentlichen Diskurs.

Forschungsthema im Fokus Entdecken

Man sieht einen leeren Büroraum ohne Möbel und braunen Teppichboden. Das Bild steht sinnbildlich für die Frage, wie die Arbeit der Zukunft und digitales Organisieren und Zukunft unseren Arbeitsplatz beeinflusst. You see an empty office room without furniture and brown carpeting. The image is emblematic of the question of how the work of the future and digital organising and the future will influence our workplace.

Digitale Zukunft der Arbeitswelt

Wie werden KI und Digitalisierung die Zukunft der Arbeit verändern? Wir erforschen ihre Auswirkungen sowie die Chancen und Risiken.

HIIG Monthly Digest

Jetzt anmelden und  die neuesten Blogartikel gesammelt per Newsletter erhalten.

Weitere Artikel

Welche Skills braucht man heutzutage auf dem Arbeitsmarkt?

Im Wettlauf gegen die Maschinen: Skills für die Zukunft

Welche Skills brauchen Arbeitnehmer*innen, um mit dem wandelnden Arbeitsmarkt Schritt halten zu können? Die Untersuchung einer der weltweit größten Online-Freelancer-Plattformen gibt wichtige Einblicke.

eine geschwungene weiße Linie vom rechten unteren bis zum oberen rechten Bildrand auf grünem Kunstrasen, die dafür steht, wie Plattformräte zu einer besseren Regulierung von Online-Kommunikation betiragen können

Die Mächtigen regulieren: Das Potenzial von Plattformräten

Unternehmen regulieren öffentliche Debatten im digitalen Raum. Könnten Plattformräte Online-Kommunikation demokratischer machen?

Russische Online-Plattformen halten mit Amazon, Facebook und Co. mit

Wie russische Online-Plattformen mit den globalen Giganten konkurrieren

Russland ist eines der wenigen Länder, in denen inländische Online-Plattformen mit den US-Giganten mithalten können. Was können wir von ihnen lernen?