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Crowd-Studie 2014: Die Crowd als Partner der deutschen Wirtschaft

15 Mai 2014

Die Hierarchie nutzt die Talente und Motivationen von Individuen immer nur zu einem geringen Teil. Die Crowd-Studie 2014 des Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft setzt sich mit dieser Tatsache auseinander. In den seltensten Fällen wird danach gefragt, was man für die Organisation tun kann und möchte, vielmehr werden ein Arbeitsgebiet und Arbeitsverfahren zugeteilt und viele andere Ideen, Fähigkeiten und Motivationen, die wir haben, als irritierend abgewiesen oder negiert (Neuberger 2000, S. 500). Durch die Kostensenkungen der letzten Jahre haben sich zudem die Möglichkeiten und Freiräume für Experimente stetig reduziert; unsere Tätigkeiten wurden zunehmend standardisiert und industrialisiert. Man vergaß, dass ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Kapitalismus „trial-and-error“-Prozesse sind, Experimente und Versuche, die oft scheitern, aber notwendig sind, um neue Neues zu testen. Die schlanke Organisation kennt solche Experimentierräume nicht mehr, sie sind für sie ineffizient. So ist es kein Wunder, dass die Zufriedenheit der Mitarbeiter weltweit nur mehr 35 % beträgt und stetig abnimmt (Towers Watson 2013). Viele Wissensarbeiter verwirklichen sich nun abseits der traditionellen Organisation: Sie entwickeln Open Source Software, schreiben journalistische Beiträge, bewerten Produkte, arbeiten an gemeinsamen kommunalen Projekten und stürzen sogar manchmal Regime (McCloskey 2006). Durch die Digitalisierung können wir als Individuen nun plötzlich mehr für uns und vor allem mit anderen tun (Benkler 2006). Individuen formieren sich als digitale Crowd. Und nun passiert ein eigenartiger und paradoxer Prozess: Jene Unternehmen, die Ideen, Motivationen und Schaffensfreude ihrer Mitarbeiter durch ihre rigiden Strukturen vertrieben und unterdrückt haben, wollen diesen „kognitiven Surplus“ nun wieder zurück.

Im Rahmen dieser Studie über die Nutzung der digitalen Crowd wurden über 200 deutsche Unternehmen und ausgewählte Manager befragt bzw. interviewt. Es wird die Kooperation zwischen Unternehmen und der Crowd im Rahmen des gesamten Spektrums der einzelnen Unternehmensfunktionen nachgezeichnet. Die Untersuchung hat gezeigt, dass schon heute knapp 19 % der Unternehmen mit der Crowd zusammenarbeiten. Der Schwerpunkt der Kooperation bilden die Bereiche Marktforschung, Kundenservice und Marketing. Die Bereiche der Open Innovation und der kollaborativen Produktion sind eher noch Nischen.

Abb.: Unternehmensbereiche, die durch die Einbeziehung der Crowd unterstützt werden (Angaben in %)

Abb.: Unternehmensbereiche, die durch die Einbeziehung der Crowd unterstützt werden (Angaben in %)

Diese Kooperation wird in den nächsten Jahren ansteigen: Obwohl noch die wenigsten Unternehmen diese Erfahrungen mit der Crowd systematisieren und in die Unternehmensprozesse integrieren, möchte eine Mehrheit die Crowd zukünftig in den verschiedenen Funktionen nutzen. Und dies, trotz der Erkenntnis, dass die Nutzung der Crowd auch zu einer Transformation der Unternehmung führen wird: offene Organisationsmodelle sowie einen indirekten Führungsstil. Die Frage bleibt offen, wer diese Veränderungen anstoßen und treiben wird. In der Umfrage zeigte sich, dass derartige Crowd-Projekte nur allzu oft noch auf die Initiative von einigen „unruhigen Geistern“ ausgehen, die persönlich von dieser neuen Kollaboration fasziniert sind, aber noch nicht vom risikominimierenden Managementmainstream.

 

Dieser Beitrag spiegelt die Meinung der Autorinnen und Autoren und weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wider. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Beiträge und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren Sie bitte info@hiig.de

Stefan Stumpp, Dr.

Assoziierter Forscher: Innovation & Entrepreneurship

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