Ausgehend von der Beobachtung, dass die Versprechungen der Partizipation sich nicht von selbst erfüllen und dass Partizipationsmöglichkeiten aktiv gestaltet werden müssen, hatte der Workshop im Rahmen der Thementagung Chancen und Risiken gesellschaftlicher Partizipation zum Ziel, Kriterien für Strategien zu formulieren, die zur Umsetzung einer effektiven Partizipation dienlich sein können.

Der Workshop wurde organisiert und moderiert von Christian Pentzold (wissenschaftlicher Mitarbeiter am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft in Berlin und Dozent an der Technischen Universität Chemnitz), von Dr. Tobias Escher (Wissenschaftler an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) sowie von Dr. Steffen Albrecht (Wissenschaftler an der Technischen Universität Dresden). Eine praxisbezogene Perspektive zum Thema ehrenamtliches Online-Engagement und Zusammenarbeit bot Nikolas Becker (Vorstandsmitglied der Wikimedia Deutschland und Forscher).

Die insgesamt rund 20 Teilnehmer – vorwiegend mit akademischem Hintergrund, insbesondere im Bereich der Sozial- und Geisteswissenschaften – trugen zu einer lebhaften Diskussion bei, die zuvorderst auf die übergreifende Frage gerichtet war, wie Möglichkeiten zur Partizipation organisiert und effektiv gestaltet werden könnten. Der Workshop wurde anhand von drei grundlegenden und aufeinander aufbauenden Fragestellungen strukturiert.

I. Was ist Partizipation? Normative und empirische Perspektiven

Der Begriff der Partizipation umfasst diverse verschiedene Szenarien, in denen Menschen in verschiedenen Zusammenhängen und an einer Reihe von verschiedenen Vorgängen beteiligt sein können. Dieser Vielfalt der Definitionen und Einflussfaktoren für Partizipation wurde im Rahmen des Workshops Rechung getragen. Wenn wir über Partizipationsmöglichkeiten in einer Gesellschaft – oder auch über den Verzicht darauf – sprechen, so müssen (unter anderem) auch Faktoren wie Offenheit, Legitimität, Machtverteilung und Entscheidungsfindungsprozesse als entscheidende Elemente berücksichtigt werden. Während die eingangs von den Workshop-Teilnehmern vorgebrachten Zuschreibungen zur Begrifflichkeit noch nicht alle in einem klaren Sachzusammenhang zueinander standen, konnten wir am Ende der ersten Runde fünf Unterkategorien bestimmen. Gesellschaftliche Teilhabe (ob online oder offline) wird demnach definiert über partizipative Normen, inhaltliche Aspekte, den Partizipationsprozess sowie Gestaltungsmacht durch oder aufgrund von Partizipation – wobei anzumerken ist, dass sich die Kategorien inhaltlich überschneiden und dass die Liste nicht als abschließend zu verstehen ist. Es wurde auch deutlich, dass sowohl empirische als auch normative Kriterien unseren Blick auf die Partizipation bestimmen.

Definition der Partizipation: Kategorien der bedeutendsten Faktoren

Definition der Partizipation: Kategorien der bedeutendsten Faktoren

II. Wie sollte effektive Partizipation aussehen? Der Prozess und das Ergebnis – aber wie stehen diese miteinander in Verbindung?

Die Prozesse und Ergebnisse von Partizipationsprojekten sind eng verknüpft mit den Erwartungen und Bewertungen bezüglich der Effizienz. Die beiden Aspekte wurden von den Workshop-Teilnehmern, die individuell jeweils dem einen oder anderen Aspekt mehr Bedeutung zumaßen, inhaltlich getrennt behandelt. Allgemein gesprochen ist es in Bezug auf die Gestaltung eines Partizipationsprozesses erforderlich, dass man sich einbezogen und anerkannt fühlt. Neben dem Aspekt der Sichtbarkeit stellen diese Bedingungen für das Individuum im Partizipationsprozess einen grundlegenden Anreiz dar, der den erforderlichen Aufwand rechtfertigt.

Ein weiterer Aspekt, dem größere Aufmerksamkeit zuteil wurde, bezieht sich auf die Zuschreibung des Partizipationsprozesses – also auf die Frage nach den Gründen, warum Menschen sich an einem Partizipationsprozess beteiligen, selbst wenn sie mit dem von ihnen erwarteten Ergebnis nicht einverstanden sind. Als Bedingung können hier Entscheidungsprozesse gelten, die als vertrauenswürdig und legitim angesehen werden. In der Politischen Soziologie gilt die Akzeptanz und Internalisierung von gesellschaftlichen Normen als Grundvoraussetzung für eine wahrscheinliche Teilnahme. Im Hinblick auf den Aspekt der Outcome-Orientierung stellen sich Fragen bezüglich der Zielorientierung sowie darüber, wer ein bestimmtes Ziel gesetzt hat und in welchem organisatorischen Rahmen eine bestimmte Fragestellung aufgeworfen wurde. Einige Workshop-Teilnehmer wiesen darauf hin, dass effektive Partizipation gesellschaftliche Wirkung entfalten müsse und dass dies nur auf Basis ausgeglichener Kräfteverhältnisse zu realisieren sei. In diesem zweiten Teil des Workshops wurde deutlich, wie vielschichtig das Verständnis von Effektivität oder einer erfolgreichen Teilhabe sein kann; unter anderem in Abhängigkeit davon, welche verschiedenen Akteure an der Gestaltung der Partizipationsmöglichkeit beteiligt sind – seien dies Bürger, Interessengruppen oder vermittelnde Instanzen. Nach wie vor kann die Frage nach Wechselwirkungen zwischen der Gestaltung eines Partizipationsvorhabens sowie dessen Ergebnis als offenes Forschungsfeld gelten.

Mapping verschiedener Zielsetzungen von Partizipation: Prozess vs. Ergebnis

Mapping verschiedener Zielsetzungen von Partizipation: Prozess vs. Ergebnis

III. Wie kann Partizipation effektiv gestaltet werden? – Ein Referenzrahmen in Bezug auf Wirksamkeit

Auch wenn die Zielsetzung einer effektiven Teilhabe klar formuliert ist, bleibt zu fragen, welche Einflussfaktoren die Effektivität eines Partizipationsprojekts bestimmen. Die Workshop-Teilnehmer waren sich darin einig, dass diese Frage vom konkreten Fall und dem individuellen Kontext abhängt, weshalb es schwierig ist, feste Grundsätze zu formulieren. Stattdessen ist von einem Referenzrahmen der Wirksamkeit auszugehen. Wenn dieser Rahmen sich verändert, ist auch eine Veränderung in Bezug auf den Faktor der Wirksamkeit anzunehmen. Für die Forschung erscheint es hier sinnvoll, von der Beobachtung einzelner Phänomene zurückzutreten und Fälle zu definieren, für die sich Übereinstimmungen finden lassen. Ein gutes Beispiel könnte es etwa sein, zu vergleichen, was im politischen Kontext einerseits und in Unternehmenskontext andererseits als effektive Online-Partizipation angesehen wird. Darüber hinaus wird Wikipedia, sowohl in Bezug auf den Prozess als auch auf das Ergebnis, oft als Beispiel für eine gelungene Partizipation angesehen. Was als grundlegende Erkenntnis gelten kann – auch in Bezug auf unsere Debatte – ist, dass es eines dynamischen und flexiblen Regulierungs- und Ordnungssystems bedarf, um den unterschiedlichen Motivationen und Hoffnungen vieler Menschen Raum zu geben und somit auch widersprüchliche Ziele und Interessen gegeneinander abzuwägen und in gemeinsame Bahnen zu lenken.

Die Diskussion unter den Workshop-Teilnehmern drehte sich im Folgenden auch um weitere Bedingungen zur Gestaltung effektiver Partizipationsmöglichkeiten wie etwa den Zugang, die Formulierung von Zielen, eine gemeinsame Wissensbasis, Incentivierung, Leitung, (neuen) Formen von Hierarchien sowie die Befugnis, Entscheidungen durchzusetzen.

Also, war das für Sie effektiv?

Einerseits existieren viele wissenschaftliche oder berufliche Konzepte und Laienauffassungen bezüglich des Themenfelds der Partizipation – sowie darüber, wie dieses Feld effektiv gestaltet werden könnte. Andererseits sind Beteiligungsprozesse jeglicher Art immer von verschiedenen Akteuren geprägt, die jeweils eine eigene Agenda verfolgen. Die „top-down“-Perspektive auf das Spannungsfeld der Partizipation, der eher zielorientierte Ansatz mit welchem meist das Augenmerk auf ein quantifizierbares Ergebnis gelegt wird, ist noch nicht verschwunden. Gleichwohl kommt inzwischen der „bottom-up“-Perspektive, welche den Fokus primär auf den Prozess an sich richtet und somit weniger klare Ergebnisse hervorbringt, in Bezug auf das Thema der Online-Partizipation eine größere Bedeutung zu.

Angesichts dessen kann der Workshop als ein wichtiger Vorstoß zum richtigen Zeitpunkt gelten, um die verschiedenen Perspektiven und Positionen zu sichten und zu verbinden. Da schließlich auch die Veranstaltung selbst als partizipative Aktivität gelten muss, möchten die Organisatoren nun von den Beteiligten erfahren, ob die Teilnahme am Workshop als effektiv gelten kann und welche Strategien für zukünftige partizipatorische Konzepte wirksam sein könnten. Was haben Sie im Sinn, wenn Sie sich Gedanken über eine effektive Partizipation machen?

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