Die fortschreitende Verbreitung von 3D-Druck Diensten, Modellen und Geräten ermunterte mich einen Folgeartikel zu meinem Blogeintrag ‘Marx, Engels und 3D-Drucker’ zu verfassen. Nachdem ich die potentiellen Implikationen von 3D-Druck auf die Wirtschaftssysteme Kapitalismus und Sozialismus beleuchtet habe, widme ich mich nun seinem Verhältnis zu und mit dem System des Sozialen. Diese Betrachtung findet durch die Linse des Postmodernismus statt, da ich davon ausgehe, dass (1) wir in postmoderner Zeit leben, (2) das System des Sozialen noch wichtiger als Wirtschaftssysteme ist und (3) weil ich gerne aus Fredric Jamesons Klassiker aus dem Jahre 1991 zitiere: ‘Postmodernism or The Cultural Logic of Late Capitalism’.

Was ist Postmodernismus?

Einfach ausgedrückt, folgte Postmodernismus auf die Epoche des Modernismus, dessen letztes Aufbäumen im Expressionismus und Existentialismus bestand. Dieser gesellschaftliche Übergang —oder epische Bruch, je nachdem welchen Hang zur Dramatik Sie verfolgen— fand in der Zeit zwischen dem Ende der 1950er und den frühen 1960er Jahren statt (Jameson, 1991:1). Diese Zeit war geprägt von dem Ausrufen mannigfaltiger Enden dominanter politischer Systeme, Ideologien, Kunstbewegungen usw. und der Entstehung chaotischer und heterogener sozialer und kultureller Bewegungen. Fast nebenbei ging mit dem Eintritt in die Postmoderne aber auch die bis dahin beständige Semiautonomie der Kultur von der “practical world of the existent” (Jameson, 1991:48) einher. Diese Auflösung durch den Spätkapitalismus setzte der Idee von Kultur als eine ungreifbare und losgelöste Einheit ein Ende.

Die Kulturexplosion

Denkt man die Annahmen weiter, dass die Logik des Spätkapitalismus die gesellschaftliche Funktion von Kultur veränderte und dass sie aufhörte als ein autonomer Bereich zu existieren, drängt sich eine Frage auf: ist Kultur als solche durch diesen Prozess verschwunden?
„Quite on the contrary“ antwortet hier Jameson; „we must go on to affirm that the dissolution of an autonomous sphere of culture is rather to be imagined in terms of an explosion“ (1991:48). Kultur ist dabei in alle Lebensbereiche diffundiert „from economic value and state power to practices and to the very structure of the psyche itself“ (Jameson, 1991:48), die sehr greifbaren Elemente der existenten Welt einschließend. Postmodernismus könnte hier unterstellt werden das Ästethische zu popularisieren oder sogar zum Verbauchsgut zu profanieren, u. a. um mit elitären Ideen der Moderne zu brechen.

Begabte Individuen

Gesellschaften, politische Kulturen und allem voran Individuen mussten und müssen Wege finden, um mit der fortlaufenden Komplexität unserer heutigen kulturversetzten, grenzenlosen und sich schnell verändernden Welt zurecht zu kommen. Doch könnte man postmoderne Einflüsse auch als eine Gabe verstehen — vielleicht sogar eine, die verdient werden musste. Individuen, die sie annehmen und Teil der Kulturexplosion sein möchten, machen sie omnipräsent und fassbar.

3D-gedruckte Postmoderne

3D-Drucker erscheinen als ein Medium, nach dem jeder Postmodernist suchte, um Kultur erschließbar und fassbar zu machen. Sie sind Werkzeuge Kreativität durch das Entwerfen und Drucken physischer Gegenstände auszuleben und popkulturelle ästethische Kontext nahezu jedem zu eröffnen. Doch 3D-Drucker könnten ebenso als ein Teil oder sogar die finale Stufe der ästethischen Verbauchsgüterproduktion erachtet werden. Diese Vorstellung beschreibt, was wir heute in den schier endlosen Wellen (scheinbar) neuer Produkte betrachten, die in immer kürzeren Zyklen auf die globalen Märkte geworfen werden.
Sind die neuen Produktionsmittel Katalysatoren dieser — wahrscheinlich nicht nachhaltigen — Hochgeschwindigkeitsproduktion, -verbrauch und -wegwerf Triade? Oder unterstützen 3D-Drucker und andere Elemente der ausgerufenen Hardwarerevolution die ultimative und vollkommene Diffusion von Kultur in unsere Leben?

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Dieser Beitrag ist Teil der regelmäßig erscheinenden Blogartikel der Doktoranden des Alexander von Humboldt Institutes für Internet und Gesellschaft. Er spiegelt weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wieder. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Artikel und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren Sie bitte info|a|hiig.de.

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