Im Rahmen der Thementagung Chancen und Risiken der gesellschaftlichen Partizipation diskutierten

  • Prof. Jussi Ängeslevä, Dozent an der Universität der Künste Berlin und beteiligter Forscher am Rethinking Prototyping Projekt
  • Wolf Jeschonnek, Aktivist und Gründer des FabLab Berlin
  • Andreas Steinhauser, Mitbegründer und ehemaliger CTO von txtr, Genossenschaftsmitglied des Holzmarkt-Projekts

während einer Workshop-Session die zukünftigen Erwartungen bezüglich Open-Source-Hardware sowie dessen potentiellen Beitrag zu Wertschöpfungsnetzwerken. Die Veranstaltung moderierte Dr. Hendrik Send vom Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG).

Das Forschungsprojekt Open-Source-Hardware am HIIG entstand aus unserem allgemeinen Interesse, partizipative Interaktionsformen im Internet zu erforschen. Der Begriff Open-Source-Hardware (OSHW) steht für ein wachsendes Themenfeld in Bezug auf verschiedene Technologien, Methoden, Geschäftsmodelle sowie Regulierungsansätze im Bereich des „Collaborative Manufacturing“. Beispielsweise lässt sich im Bereich des 3D-Drucks für private Anwender ein immenser Innovationsschub beobachten, der auf eine Welle neuer Hardwaregeräte und Organisationsformen zurückzuführen ist. Aus unserer Sicht ist diese Entwicklung als ein innovatives Internet-Phänomen anzusehen, da a) ein Großteil des Austauschs und der Selbstorganisation innerhalb der Gemeinschaft derjeniger, die sich im Bereich OSHW engagieren, online erfolgt und da b) Online-Plattformen, die digitale Designs oder Dienstleistungen bündeln, eine wichtige – wenn nicht gar elementare – Ressource des OSHW darstellen.

Wir begannen mit der Erörterung der Frage, ob die aktuelle explosionsartige Zunahme an Innovationen und Projekten im Bereich OHSW als Anhaltspunkt für eine Entwicklung hin zu einer Demokratisierung der Produktion angesehen werden kann. Während einige der vielversprechenden Projekte tatsächlich als interessante Alternative zu Mainstream-Produkten gelten können, waren sich die Diskussionsteilnehmer darin einig, dass die primäre Bedeutung von OHSW derzeit darin zu sehen ist, dass hier neue Möglichkeiten für Experimente, Produktionsformen und Zusammenhänge entstehen. Die zentrale Frage lautet daher nicht, wie ein massiver Markteintritt für OSHW-Produkte organisiert werden könnte, sondern vielmehr, wie man weitere Experimente und (Re-)Kombinationen vorantreiben könnte.

Im Rahmen der offenen Diskussion erörterten wir, wie sich ein derart schnell entwickelndes Phänomen und seine grundlegenden Strukturen erforschen lassen. Während eine reine Beobachtung der Entwicklung sicher interessant ist und auch zum besseren Verständnis beitragen wird, gehen wir davon aus, dass es durchaus lohnenswert ist, sich der Materie mit eigenen fundierten Fallstudien und Forschungsexperimenten zu widmen, um eigene Erfahrungen im Umgang mit der Offenheit des Forschungsfeldes „in freier Wildbahn“ zu sammeln. Wenn die breite Öffentlichkeit darin bestärkt wird, an zukünftigen Innovationen mitzuarbeiten, wird dies einen weiteren Innovationsschub zur Folge haben. Bei den Diskussionsteilnehmern herrschte Einigkeit darüber, dass ein großer Forschungsbedarf besteht, um festzustellen, wie dies erreicht werden kann.

Im Rahmen des Workshops diskutierten wir Perspektiven für eine komplementäre Interaktion zwischen etablierten Unternehmen und der Kreativbranche, gemäß den Anforderungen des Open-Innovation-Paradigmas. Derzeit existieren, wenn überhaupt, nur wenige Projekte, die geeignet wären, etablierte Unternehmen mit der OSHW-Community zusammenzubringen. Das Publikum und die Referenten waren sich einig, dass wir uns noch in einer sehr frühen Phase der OSHW-Entwicklung befinden und dass derartige Projekte noch zu erwarten sind. Da jedoch die Grenzkosten im Rahmen der OSHW-Produktion nie Null betragen, wie es bei der Softwareproduktion der Fall ist, müssen wir aus Sicht der Unternehmen von einem geringeren Anreiz als im Softwarebereich ausgehen.

Das Gremium schloss mit Überlegungen, inwieweit OSHW einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten könnte. Es konnte bereits gezeigt werden, dass OSHW sich für einige Firmen wirtschaftlich rechnet und auch einen gesellschaftlichen Beitrag in Bezug auf Bildung und mehr Innovation zu leisten vermag – der Faktor der Umweltbelastung wurde jedoch kontrovers diskutiert. So eröffnen 3D-Drucker oder Laserschneider zwar ein weites Experimentierfeld, sorgen dabei zugleich aber auch für erhebliche Mengen an Ausschuss, beispielsweise Fehldrucke. Andreas Steinhauser wies darauf hin, dass wir erst heute – 20 Jahre nachdem das papierlose Büro proklamiert aber nicht umgesetzt wurde – auf Druckseiten tatsächlich nahezu verzichten können. Folglich werden wir vermutlich noch Geduld aufbringen müssen, bevor die positiven Effekte von OSHW zutage treten.

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