Von Anna Hansch, Lisa Hillers und Christopher Newman.

Als die New York Times das Jahr 2012 zum „Jahr des MOOCs“ ausruft, scheint es als hätte das Phänomen „Massive Open Online Courses“ (kurz: MOOCs) das Potenzial die Bildungslandschaft grundlegend zu verändern. Für die Online-Kurse, die auf zahlreichen Lernplattformen wie etwa iversity, Coursera oder Udacity angeboten werden, schreiben sich regelmäßig zehntausende Menschen aus der ganzen Welt ein. Sie verheißen nahezu kostenlose Bildung für jeden, der einen Internetzugang besitzt. Im Zuge der weltweiten Begeisterung für MOOCs haben in den vergangenen Jahren etliche Universitäten und Institutionen die Produktion eigener Online-Lehrinhalte begonnen. Doch auf den Hype folgte weitgehende Ernüchterung — die hohe Abbrecherquote, ungewisse Lernerfolge sowie die enormen Produktionskosten der Kurse bestimmen inzwischen die Diskussion.

Im Rahmen unseres Forschungsprojektes TopMOOC war es unser Ziel die mit der Produktion von MOOCs verbundenen Herausforderungen zu untersuchen. Basierend auf dem Trend traditionelle Vorlesungen in Hörsälen abzufilmen und ins Netz zu stellen, haben sich kurze Video-Vorlesungen als primäre Art der Vermittlung von Lerninhalten in MOOCs etabliert. Jedoch ist die Produktion von solchen Videos typischerweise sehr kostenintensiv und es herrscht Unsicherheit bezüglich der optimalen Verwendung und Produktion des Mediums. Das zentrale Ziel unserer Forschung war deshalb die Rolle von Video in Online-Learning Angeboten kritisch zu untersuchen.

Es ergeben sich in diesem Zusammenhang die folgenden Fragen:

  • Im welchem Verhältnis steht der Produktionswert eines Videos zu seinem (Lern)Erfolg?
  • Wie sinnvoll ist eine Standardisierung der Produktion für Online-Learning Videos?
  • Wie kann ein kostengünstigerer Produktionprozess eingesetzt werden ohne die Lernqualität zu verringern?

Um diesen Fragen nachzugehen, haben wir sowohl Videoexperten der weltweit führenden MOOC Plattformen als auch Videoproduzenten an deren Partner-Universitäten interviewt. Da Video nicht nur integraler Bestandteil von MOOCs, sondern auch von nicht kursbasierten Formen des Online-Learnings ist (z.B. bei Khan Academy, Peer to Peer University oder der HIIG-eigenen Knowledge Base) haben wir unsere Untersuchung auf die Nutzung von Video im gesamten Bereich des Online-Learnings ausgeweitet.

Eine Forschungsreise zu unseren Projektpartnern der Lifelong Kindergarten Group am MIT Media Lab in Cambridge, Massachusetts gab uns die Möglichkeit gemeinsam Ideen zu generieren und vorläufige Ergebnisse der Interviews miteinander abzustimmen. Als besonders wertvoll erwiesen sich die Gespräche, die wir mit zahlreichen Experten im Bereich Online-Education führten. Insbesondere die Arbeits-Session mit dem HarvardX and Berkman Klein Center Fellow Justin Reich lieferte wertvolle Hinweise.

Im Laufe des Gesprächs kristallisierte sich vor allem die Frage „Warum wird Video in der Online-Lehre so häufig genutzt?“ als relevant für unser Forschungsprojekt heraus. Besonders in der MOOC-Sphäre hat sich Video früh als Standard etabliert. Dieser frühen Fokussierung sind viele der anderen Kursproduzenten gefolgt, oftmals ohne dabei über alternative Arten der Wissensvermittlung nachzudenken. Eine weitere Beobachtung ist, dass ein hoher Anteil der Videoproduzenten an den Institutionen und Universitäten einen TV- oder Film-Hintergrund hat. Dies äußert sich vorallem in der Tendenz, das eigene Verständnis von Qualität auf Online-Learning Videos zu übertragen. Doch wie wichtig sind teure Hochglanzproduktionen, wenn es darum geht effektive Lernvideos zu produzieren? Und ist Video überhaupt das richtige Medium, wenn sich mit der Audio-Aufnahme oder interaktiven Modulen der gleiche Lernerfolg erzielen ließe – und das in vielen Fälle noch dazu kostengünstiger?

Die Erkenntnisse von unseren Arbeits-Sessions, Experteninterviews und Literatur- und Plattform-Recherche werden in einem Paper veröffentlicht. Darin erläutern wir beispielsweise unsere Erkenntnis, dass ein schlanker ‘do-it-yourself’ Produktionsprozess mit limitieren Ressourcen oft kreative und effektive Lernvideos hervorbringen kann. Unser Ziel mit diesem Forschungspapier ist mehr kritische Diskussion über die Rolle von Video als pädagogisches Instrument im Bereich des ‘Online Learning’ anzustoßen.

Unsere vollständige Publikation „Video and Online Learning: Critical Reflections and Findings from the Field“ ist hier verfügbar.

Dieser Beitrag ist Teil der regelmäßig erscheinenden Blogartikel der Doktoranden des Alexander von Humboldt Institutes für Internet und Gesellschaft. Er spiegelt weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wieder. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Beiträge und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren Sie bitte info|a|hiig.de.

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