Dieser Blogbeitrag bietet einen Überblick über die Inhalte der Vorträge zum Early Stage Researchers Colloquium rund um den Forschungsbereich „Internetbasierte Innovation“. Im Blickpunkt standen interessante Themen wie Open Science, Open Hardware, Entrepreneurship und Crowdsourcing.

#Session 1: Open Science und Open Hardware

In der ersten Session beleuchteten Sarah Hugelier, Maxi Kindling und Christoph Schneider die Themen Open Science und Open Hardware. Beide Forschungsbereiche sind noch sehr jung und weisen Ähnlichkeiten auf. Klassische Forschungsansätze, traditionelle Organisationsmodelle und die sich bietenden Möglichkeiten der Kollaboration wurden kritisch hinterfragt.

Open Scientific Data for all? A Legal Blueprint, Sara Hugelier

Sarah Hugelier ist Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institue for Law & Technology an der Katholischen Universität in Leuven. Sie präsentierte ein Modell für frei zugängliche wissenschaftliche Daten auf Grundlage von Open-Access-Prinzipien. Während ihrer Präsentation betonte Sarah die Bedeutung von Open-Access-Prinzipien und die Notwendigkeit von geeigneten rechtlichen Rahmenbedingungen für den wissenschaftlichen Fortschritt. Mit dem Entwurf eines rechtlichen Rahmens versucht sie, die beiden wichtigsten rechtlichen Herausforderungen für die gemeinsame Nutzung von Daten in der Forschung zu berücksichtigen – den Schutz geistiger Eigentumsrechte und die Privatsphäre. Laut Sarah hängt viel von der Gestaltung von Datenbanken, von Lizenzbedingungen und von den Eigentumsrechten ab. (Präsentation)

Open Research Data for Re-Use, Maxi Kindling

Maxi Kindling ist Doktorandin am Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt Universität Berlin. In ihrer Dissertation beschäftigt sich Maxi Kindling mit der Bedeutung der Dateninfrastrukur im Rahmen der Wiederverwertung von Daten. In ihrem Vortrag erläuterte sie die wichtige Rolle der Bibliotheks-und Informationswissenschaft für eine effektive Datenwiederverwertung. Die Strukturierung von Daten sowie organisatorische und technische Anforderungen stellen Informationswissenschaftler vor neue Herausforderungen. Ihre Doktorarbeit zielt darauf ab, verschiedene Arten der effektiven Wiederverwertung von offenen Forschungsdaten auf Basis einer wissenschaftlichen Studie zu identifizieren. (Präsentation)

From Software via Hardware, Christoph Schneider

Christoph ist Doktorand am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Er begann seine Präsentation mit grundlegenden Informationen zur Open-Source-Bewegung. Laut Christoph exisitieren drei Entwicklungsphasen innerhalb der Open-Source-Bewegung: Software, immaterielle Dinge (z.B. Bilder, Blogs) und materielle Dinge / Hardware (z.B. RepRap, Ardunio). Open-Source-Lizenzen erlauben eine freie Nutzung und Modifikation unter der Voraussetzung, dass für das neu geschaffene Produkt die gleichen Lizenzbedingungen gelten. Am Fallbeispiel eines Laserschneiders erläuterte er die Herausforderung, Open-Source-Prinzipien auf materielle Dinge zu übertragen. Infolge dessen kommt es laut Christoph zu einem tiefgreifendem Wandel: Unternehmen werden sich weiter öffnen, Wissen wird Geld als wertvollste Ressource in unserer Gesellschaft ablösen und außerdem werden einheitliche Objekte zu modularen Prototypen. Nach Ansicht von Christoph könnten wir in eine techno-wissenschaftliche Gesellschaft eintreten, die Technologie und Wissenschaft in den Mittelpunkt des Handelns stellt. (Präsentation)

#Session 2: Entrepreneurship: Was sind hemmende und fördernde Faktoren des internetbasierten Unternehmertums?

Janet Merkel, Dennys Antonialli und Marie-Luise Groß beleuchteten das Thema „Entrepreneurship: Was sind hemmende und fördernde Faktoren des internetbasierten Unternehmertums?“ aus soziologischer, juristischer und ökonomischer Perspektive.

Nourishing the Scene: The Role of Co-Working Spaces for Internet-enabled Entrepreneurship, Janet Merkel

Janet ist Post-Doktorandin an der Hertie School of Governance und untersucht in ihrer aktuellen wissenschaftlichen Arbeit Coworking Spaces, die gerade in vielen Städten weltweit aus dem Boden sprießen. Diese werden charakterisiert als flexible, offene und gemeinsam genutzte Arbeitsorte mit offener Architektur, an denen mobile Arbeiter in einer kreativen  Atmosphäre zusammentreffen. Ihre präsentierten Ergebnisse basieren auf 20 vorab durchgeführten Interviews mit Inhabern von Coworking Spaces. Auf dieser Grundlage konnte sie vier Hypothesen aufstellen, die unter dem Stichwort “Gemeinsame Fremde” zusammengefasst werden können: Coworking Spaces sind Räume der „(Re-) Organisation von Wissensarbeit“, „Lernwelten“, ein „neues Innovationsmodell für verteilte, organisationsübergreifende, kooperative Zusammenarbeit“und schließlich sind es auch „urban interfaces „. (Präsentation)

Data Protection Beyond the Books: An Empirical Study about its Effects on Competitiveness and Business Strategy in Germany, Dennys Antonialli

Dennys ist assoziierter Forscher am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft. Er begann seinen Vortrag mit der Erläuterung der Relevanz und der Ziele seiner Forschungsarbeit. Dennys wurde dabei inspieriert durch andere Datenschutzregelwerke, die von Land zu Land variieren. Während einige Nationen Datenschutzgesetze mit klar formulierten Vorschriften erlassen haben, bauen die Vereinigten Staaten weiterhin auf Selbstregulierung. Dies kommt amerikanischen Internetunternehmen zugute, die ihre eigenen Datenschutzrichtlinien formulieren. Dennys argumentiert, dass Unternehmen in Ländern mit selbstregulierten Datenschutzvorschriften einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Unternehmen in Ländern mit klar formulierten Datenschutzrichtlinien aufweisen. Mithilfe einer Umfrage möchte Dennys unterschen, wie sich das deutsche Datenschutzgesetz auf die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen auswirkt. (Präsentation)

The Transformation of a Hidden Industry: Freelance Translators and the Social Web, Marie-Luise Groß

Marie-Luise ist Doktorandin an der Universität in Wien. In ihrer Forschungsarbeit untersucht sie die Übersetzerbranche und die Rolle der Übersetzer als Entrepreneure. Laut Marie-Luise sind 80% aller Übersetzer “flexible, fleißige, risikobereite und hochqualifizierte Freiberufler”. Die sozialen Medien des Internets offenbaren negative Effekte für die Berufsgruppe: dominante Übersetzungsagenturen auf Online-Marktplätzen, ein zunehmender Preiskampf und die sinkende Qualität der Übersetzung aufgrund niedriger Markteintrittsbarrieren für unerfahrene Übersetzer sind nur einige Beispiele. Mithilfe von Storytelling und einer sozialen Netzwerkanalyse möchte Marie-Luise untersuchen, warum sich angehende professionelle Übersetzer entweder für die Laufbahn in einer professionellen Übersetzungsagenur oder für die Arbeit in Online Communities entscheiden. (Präsentation)

#Session 3: Internetbasierte Innovation: Neue Formen unternehmerischer Leistungserstellung, Kommunikation und Interaktion

Auch die dritte Session bot ein sehr abwechslungsreiches und interessantes Programm. Es wurden Forschungsthemen rund um digitale Netzwerke, freie Produzenten und die neue Art der Zusammenarbeit zwischen traditionellen Unternehmen und Internetnutzern präsentiert.

Who is in the Crowd? Building a Relationship between Artists and Contributors on a Crowdfunding Platform. Patryk Galuszka

Patryk ist Associate Professor an der Universität von Lodz. Im Rahmen seiner Forschungsarbeit untersucht er die polnische Crowdfunding-Plattform MegaTotal. Auf dieser Plattform können Community-Mitglieder mittels Schwarmfinanzierung Musikkünstler unterstützen. Die Ursprünge des Crowdfunding liegen daher auch im Crowdsourcing. Patryk untersucht die Beziehungen zwischen Kapitalgebern, Künstlern und Fans und ihre jeweiligen zugrundeliegenden Motivationsfaktoren. Ein weiterer wesentlicher Aspekt ist die Untersuchung des Geschäftsmodells, da frühe Kapitalgeber auf MegaTotal in der Lage sind, von künftigen Beiträgen anderer Community-Mitglieder zu profitieren. Patryk stützt seine Studie auf Tiefeninterviews mit Musikkünstlern, die finanzielle Mittel über MegaTotal erhalten, und Methoden aus der Netnographie.

Agenda-Setting, Two-Step Flow and the World of Tech Blogs: The Role of Tech Bloggers in the Flow of Information, Nirit Weiss-Blatt

Nirit ist Doktorandin an der Universität von Haifa. Sie präsentierte Untersuchungen im Rahmen ihrer Doktorarbeit über den Einfluss von Tech-Bloggern in der Informationswelt. Um den Einfluss dieser Blogger als Meinungsführer zu untersuchen, verknüpft sie die Theorien des Agenda-Settings und des Two-Step-Flows. Unter Zuhilfenahme konkreter Keywords ist es ihr möglich, die wichtigsten Themen in den traditionellen Nachrichtenzeitungen mit den Themen in Technikblogs zu vergleichen. Zum derzeitigen Stand ihrer Forschung kann sie noch nicht klar sagen, ob sich Journalisten an den Themen der Tech-Blogger orientieren oder ob dies umgekehrt der Fall ist.

Collaborative Digital Platforms: a Study of Company-Consumer Cetworks in Brazil, Dora Kaufman

Dora Kaufman ist Doktorandin an der  Universität von São Paulo. Ziel ihrer empirischen Forschung ist die Untersuchung kollaborativer Netzwerke zwischen Unternehmen und Konsumenten und die schematische Darstellung solcher kollaborativer digitaler Plattformen. Laut Dora ist es problematisch, wenn Unternehmen mit ihrer “anlaogen” Denkweise in digitale Umgeben eintreten. Aus diesem Grunde hat sie sich auch für dieses Forschungsthema entschieden. Ihre wichtigsten Kriterien für die Untersuchung solcher kooperativer Plattformen sind die Interaktionsintensität zwischen Unternehmen und Konsumenten, die Offenheit der Plattform, die quantitative Relevanz, die Feedback-Qualität, die Relevanz der Inhalte und das Vorhandensein von kollaborativen Praktiken. Ein besonders interessantes Beispiel ist Fiat. Der Autohersteller hat es geschafft, die Crowd zu mobilisieren, indem der Designprozess des Urban Concept Car Mio mit sehr großem Erfolg auf die Community übertragen wurde. (Präsentation)

Dieser Beitrag ist Teil der regelmäßig erscheinenden Blogartikel der Doktoranden des Alexander von Humboldt Institutes für Internet und Gesellschaft. Er spiegelt weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wieder. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Artikel und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren Sie bitte info|a|hiig.de.

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