von Kaja Scheliga

Das wachsende Feld der Internetforschung

Das Internet wird nicht nur von einer immer breiteren Masse von Menschen genutzt, sondern auch zunehmend erforscht. So gibt es eine wachsende Zahl an Forschungseinrichtungen die das Internet untersuchen. Das Forschungsfeld Internet verdichtet sich. Es gibt zum Beispiel das International Journal of Internet Science, das kürzlich erschienene Oxford Handbook of Internet Studies oder die 1st International Conference on Internet Science die am 10 und 11 April in Brüssel stattgefunden hat. Dieser Blogbeitrag fasst Eindrücke von der erwähnten Konferenz zusammen.

Die interdisziplinäre DNA der Internetforschung

Die Konferenz wurde von dem EU-geförderten Network of Excellence in Internet Science (EINS) organisiert. Internet Science wurde aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Sozialwissenschaftliche, Ökonomische, Politische sowie Juristische Perspektiven waren stark vertreten. Technische Aspekte der Internetforschung wurden auch diskutiert, mit besonderem Fokus auf die Möglichkeiten die Informatik zum Erforschen des Internets bietet. Die Internetforschung sei in ihrer DNA interdisziplinär, betonte Urs Gasser (Executive Director, Berkman Center for Internet & Society) in seiner Keynote. Herausforderungen, die Interdisziplinarität mit sich bringe, umfassen ein gemeinsames Vokabular, sowie gemeinsamen Raum und Zeit. Es brauche auch Interoperabilität zwischen den verschiedenen Disziplinen.

Schnappschüsse aus den Keynotes

Die zahlreichen Keynotes haben die Multidisziplinärität der Internetforschung wiedergespiegelt. Interdisziplinarität hingegen wurde nicht immer ausgeprägt; viele der Beiträge blieben disziplinspezifisch, was zu einer sehr interessanten Themenvielelfalt beigetragen hat. Ziga Turk (ehemaliger Wissenschaftsminister, Slowenien und Professor an der Universität in Ljubljana) hob hervor, dass obwohl das Internet technologiegetrieben ist, es in seiner Essenz sozial geprägt sei. Vielmehr stelle das Internet eine öffentliche Informations- und Kommunikationsinfrastruktur für die Gesellschaft dar. Martin Hynes (Chief Executive, European Science Foundation) betonte, dass Forschung unvorhersehbar sei und ein Gleichgewicht zwischen Top-down und Bottom-up Forschung hergestellt werden müsse. Jon Crowcroft (Professor of Communication Systems, University of Cambridge) illustrierte die Kraft von Open Source und argumentierte, dass Patente die Innovation unterdrücken würden. Andrea Matwyshyn (Assistant Professor, Department of Legal Studies & Business Ethics, Wharton School) beschrieb die legale und moralische Macht von Code und skizzierte Bereiche mit denen die Rechtswissenschaft sich (noch) nicht auseinander setzt.

Das HIIG |a|EINS

Auch das Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft war mit zwei Vorträgen auf der Konferenz vertreten. Benedikt Fecher hat Forschungsergebnisse seiner Literaturrecherche über Open Science an Hand des Papers “Open Science: One Term, Five Schools of Thought“ vorgestellt. Gemeinsam mit den Autoren Ben Wagner und Andrea Calderaro vom European University Institute präsentierte Kirsten Gollatz das Paper “Common Narrative Divergent Agendas: The Internet and Human Rights in Foreign Policy“, welches mit dem Best Student Paper Award 2013 ausgezeichnet wurde.

Dieser Beitrag ist Teil der wöchentlichen Blogartikel der Doktoranden des Alexander von Humboldt Institutes für Internet und Gesellschaft. Er spiegelt weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wieder. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Artikel und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren sie bitte info|a|hiig.de.

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