Die Machtverhältnisse in der Digitalbranche scheinen klar verteilt zu sein. Es sind vor allem amerikanische (Google, Apple, Facebook, Amazon) und chinesische Unternehmen (Alibaba, Baidu, Sina Weibo), die sich zum Marktführer in ihren jeweiligen Bereichen entwickelt haben. Nennenswerte Vertreter aus Deutschland erscheinen (zumindest momentan) nicht in der Topliste. Augenscheinlich ist aber, dass sich die führenden Unternehmen vornehmlich im B2C-, also im Geschäftsbereich mit dem Endkunden, aber auch im Hard- und Softwarebereich etabliert haben.  

Was ist das industrielle Internet?

Von großem Interesse ist jedoch auch der produktive Kern unserer Wirtschaft, die Industrie. Initiativen, wie z.B. “Industrie 4.0” in Deutschland, “Made in China 2025” oder das “Industrial Internet of Things”, wie gerne in den USA betitelt, verdeutlichen, dass ein Wettrüsten um das industrielle Internet längst begonnen hat. Es geht hierbei ganz konkret um die digitale Vernetzung von Maschinen, Gebäuden und Produktionsprozessen sowie die Optimierung der industriellen Wertschöpfung unter dem Einsatz leistungsfähiger Roboter und Sensoren, des 3D Drucks, der Cloud und nicht zuletzt von Algorithmen und künstlicher Intelligenz. Auch Geschäftsmodelle stehen im Zuge des industriellen Internets auf dem Prüfstand. Die Chancen liegen insbesondere in der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen.

“The Internet of Things (IoT) is an information network of physical objects (sensors, machines, cars, buildings, and other items) that allows interaction and cooperation of these objects to reach common goals. While the IoT affects among others transportation, healthcare, or smart homes, the Industrial Internet of Things (IIoT) refers in particular to industrial environments.”  (Jeschke, S. et al., 2016)

Dank traditionell erfolgreicher Branchen, wie zum Beispiel der des Maschinenbaus, der Automobilproduktion oder der Medizintechnik, gehört Deutschland zur industriellen Weltspitze. Seit der Frühindustrialisierung um 1815 konnten in unserem Land viele Erfahrungen gesammelt und Produktionsabläufe perfektioniert werden. Beste Voraussetzungen also, um auch im Rennen des industriellen Internets eine gewichtige Rolle zu spielen. Es geht nun darum, deutsche Industrietradition mit der Digitalisierung in Einklang zu bringen.

Vorreiter aus Deutschland

Ausgewählte Beispiele verdeutlichen, dass sich Deutschland auf einem gutem Wege befindet. Die KUKA AG aus Augsburg ist Anbieter von Automatisierungslösungen. Ihre intelligenten und kollaborativen Roboter sind weltweit und in vielen industriellen Bereichen im Einsatz.  KUKA hat laut eigenen Angaben den ersten für die Mensch-Roboter-Kollaboration zugelassenen Roboter entwickelt: den LBR iiwa. Er nutzt intelligente Steuerungstechnik und performante Sensoren – und ermöglicht so kollaborative Lösungen in der Produktionstechnik. Auch APAS Produktionsassistenten von BOSCH ermöglichen eine flexible, mobile, kollaborative und vernetzte Mensch-Maschine-Interaktion für Industriearbeitsplätze. Anstrengende Routinetätigkeiten werden durch Roboter erleichtert oder sogar ersetzt. Das Unternehmen Electro Optical Systems GmbH aus dem bayerischen Krailling ist Technologie- und Qualitätsführer im Bereich des industriellen additiven 3D Drucks, eine Technologie, die in der Luft- und Raumfahrt, in der Automobilindustrie, im Lifestyle-Bereich, in der Medizintechnik und im Werkzeugbau zum Einsatz kommt. Auch Siemens reiht sich mit seiner Marke SIMATIC in den Kreis des industriellen Internets ein. Es handelt sich hierbei um eine programmierbare Steuerung, die in Autofabriken, Skiliften, Fahrstühlen oder in den Kesseln einer Brauerei zum Einsatz kommt. Der Clou an der Sache ist, dass Symatic Symatic produziert: Die speicherprogrammierbare Steuerung fertigt ihre eigenen Artgenossen. Damit gilt das Siemens-Werk in Ansberg als Leuchtturm einer smarten Fabrik.

KUKA-Roboter produzieren BMWs in Leipzig, Quelle: Wikipedia, BY-SA 2.0 DE

Impulse aus der Politik

Diese Beispiele zeigen, dass sich deutsche Unternehmen zu einem Ausrüster für die digitalen Fabriken dieser Welt entwickeln, indem sie ihre langjährigen Erfahrungen aus der Produktion mit den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung verknüpfen. Allerdings steht diese Entwicklung laut Bitkom (2017) noch am Anfang, da viele Unternehmen mit Investitionen in das industrielle Internet nach wie vor zurückhaltend sind. Pünktlich zur bevorstehenden Bundestagswahl 2017 müsse es vor allem zu Impulsen aus der Politik kommen, um das industrielle Internet “Made in Germany” weiter voranzutreiben: Industrie 4.0 Hubs, also Plattformen für Startups und Industrie, könnten dazu beitragen, Anwendungen und Geschäftsmodelle erfolgreicher Startups in den produzierenden Wirtschaftsbereich zu transferieren. Auch dezidierte Forschungsprogramme würden dabei helfen, technische und organisatorische Herausforderungen für die Weiterentwicklung des industriellen Internets zu meistern und Deutschlands Position als Ausrüster digitaler Fabriken zu festigen.

Literatur

  • Beise, M.; Schäfer, U. (2017): Deutschland digital: Unsere Antwort auf das Silicon Valley. Campus Verlag, Frankfurt/New York.
  • Dorst, W. (2017): Industrie 4.0 – Deutschland als Vorreiter der Digitalisierung von Produkten und Produktionsprozessen stärken, Bitkom.
  • Jeschke S, Brecher C, Meisen T, Özdemir D, Eschert T. (2016): Industrial Internet of Things: Cybermanufacturing Systems. Springer.
Dieser Beitrag spiegelt die Meinung des Autors und weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wider. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Beiträge und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren Sie bitte info|a|hiig.de.

Photo: flickr.com | Tecnalia  | CC BY-NC-ND 2.0

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