Es vergeht kein Tag mehr an dem nicht über das Internet geschrieben oder nachgedacht wird, aber wissen wir wirklich wie es funktioniert? Wer kennt sich schon aus mit Netzwerken oder Protokollen, die unsere tägliche Nutzung des Internets möglich machen? Wer hat schon mal etwas von Überlastkontrolle oder Flusskontrolle gehört? Wohl eher wenige, sofern man nicht Informatik studiert hat, obwohl beide Erfindungen das reibungslose Funktionieren des heutigen Internets erst möglich machen.

Am 9. und 10. April hatten eine Gruppe der Forscher des HIIG sowie einige assoziierte Forscher des Instituts die Gelegenheit zu fragen, was sie schon immer mal über das Internet wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten. Prof. Björn Scheuermann aus dem Fachbereich der technischen Informatik der Humboldt Universität zu Berlin nahm sich zwei Tage Zeit, um uns in einem Crashkurs die technischen Strukturen des Internets zu erläutern.

Die Geschichte des Internet ist absolut keine greadlinige Erfolgsgeschichte, sondern vielmehr eine Geschichte immer neuer Herausforderungen. Die Lösungen, die gefunden wurden, sind keine Magie, sondern basieren (meistens) auf ziemlich logischen Ideen.

Auf der zweitägigen Agenda standen die verschiedenen Schichten des Internets, die die weltweiten Datenströme regeln. Wie wir nun wissen, gibt es die Anwendungsschicht, die Transportschicht, die Netzwerkschicht, die Sicherheitsschicht und die Bit-Übertragungsschicht.

Was auf den verschiedenen Schichten passiert, haben wir uns an Beispielen angeschaut. Einblicke gab es in das Simple Mail Transfer Protokoll (SMTP), ein Urgestein der Protokolle der Anwendungsschicht, welches bis heute den Datenverkehr für E-Mail Anwendungen regelt oder in das Hypertext Transport Protocoll (HTTP), dem Transportprotokoll für Webseiten. Wie wir entdecken durften, braucht es einige Zeit um auch nur ansatzweise die komplexen Funktionen des Transport Control Protocol (TCP) zu verstehen, das eines der beiden gängigsten Transportprotokolle des Internets ist.

Was wir alles gelernt haben, lässt sich kaum zusammenfassen. Wer neugierig geworden ist und mehr über die technischen Grundlagen des Internets wissen will, dem sei das Buch „Computer Networking: A Top-Down Approach“ von James F. Kursoe und Keith W. Ross empfohlen, da dort ähnliche Inhalte systematisch erläutert werden (wenn auch nicht so lebhaft wie durch Prof. Scheuermann).

Die Eindrücke der zwei Tage waren so vielseitig wie die Disziplinen, die im Workshop vertreten waren:

Aus sozialwissenschaftlicher Sicht, fanden wir interessant, dass im Zusammenhang mit der Informatik von technischen Geräten wie von Akteuren gesprochen wird. Es klingt so, als träfen Router Entscheidungen oder als könnten Rechner eigenständig kommunizieren, was stark an die Ideen der Actor Network Theory erinnert.

Prof. Ingolf Pernice war besonders von der fehlenden Sicherheit in der Netzinfrastruktur beeindruckt: „Sicherheit gibt es im Internet nicht. Daten gehen verloren, oder kommen später an und insgesamt hört sich alles an wie ein Experiment und Sicherheit gibt es so wie wir sie aus der materiellen Welt kennen gar nicht – und trotzdem ist das Internet weitreichend akzeptiert.“ Aus der Perspektive des globalen Konstitutionalismus fügte er hinzu: „Im Sinne von globalen Regeln gibt es keine besseres Beispiel als das Internet. Es gab keinen globalen Regelsetzer und es hat sich etwas entwickelt, das die halbe Weltbevölkerung mit einem festen Regelwerk anwendet, weil es nützlich ist.“

Mein persönliches Fazit ist, dass ich mit Erstaunen festgestellt habe, wie sehr Informatik Spaß machen kann (aus der Schule habe ich eher andere Erinnerungen). Einen groben Überblick über Schichten und Protokolle bekommt man schnell, doch bei einer näheren Beschäftigung ist die Komplexität des Internets heute überwältigend. Die Anstrengung sich mit Netzwerkstrukturen auseinanderzusetzen lohnt sich dennoch absolut, wenn man verstehen möchte, wie das Internet wurde, was es heute ist.

Dieser Beitrag ist Teil der regelmäßig erscheinenden Blogposts der Doktoranden des Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft. Er spiegelt weder notwendigerweise noch ausschließlich die Meinung des Institutes wieder. Für mehr Informationen zu den Inhalten dieser Beiträge und den assoziierten Forschungsprojekten kontaktieren Sie bitte info|a|hiig.de.

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