Lassen sich neue Muster des Forschungs- und Wissenstransfers im digitalen Zeitalter beobachten?

Dieses Forschungsprogramm befasst sich mit zentralen Fragen an den Schnittstellen zwischen Technologie, Forschung und der Verbreitung von Wissen. Neue Technologien verändern die Grundlagen dafür, wie Wissen entsteht und verbreitet wird. Das Internet kann als wesentliche Infrastruktur für eine Gesellschaft verstanden werden, deren Schlüsselressource das Wissen ist. Wissen zu erlangen, zu verarbeiten und zu «speichern» wäre in diesem Sinne Schlüsselfaktor – sowohl im privaten Bereich wie im öffentlichen Sektor. Das Forschungsprogramm bezieht sich auf Lernprozesse innerhalb von Organisationen und berücksichtigt sowohl Erkenntnisse aus der Innovationsforschung als auch der Analyse von Governance-Strukturen.

Durch die veränderte Rolle der Ressource »Wissen”, ändert sich auch die Rolle jener Organisationen, die im Bereich der akademischen Wissensproduktion tätig sind, wie z.B. Universitäten und Forschungszentren. Dies wird anhand des Austauschs von Forschungsdaten oder technologiebasierten bürgerwissenschaftlichen Vorhaben («citizen science») deutlich, die neue Formen der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit sich bringen. Mittels sozialer Medien können WissenschaftlerInnen Forschungsinhalte schneller und direkter kommunizieren (z.B. in SciBlogs). Gleichzeitig entstehen neue Lehrmodelle wie MOOCs (Massive Open Online Courses). Diese Entwicklungen stellen auch neue Anforderungen an die Wissenschaft selbst, da hier – dem klassischen Verständnis nach – die Inhalte das Publikum formen. Der Fokus auf akademische Wissensproduktion birgt außerdem die Herausforderung, dass Universitäten selbst Veränderungen im Hinblick auf die eigene Wissensproduktion unterworfen sind, während sich gleichzeitig ihre Rolle als Wissensquelle für Unternehmen und Regierungen wandelt.

Das Programm bezieht sich zunächst auf drei wesentliche Aspekte:

  1. Wie wird Wissen in verschiedenen Bereichen erzeugt und verarbeitet werden? (z.B. Regierungen, Parlamente, Unternehmen, andere Sektoren, sowie die Rolle der «Crowd»)?
  2. Wie werden neue Systeme des Wissens beschrieben? Wer entscheidet, was als Wissen gilt – und was nicht?
  3. Ist problemorientierte Forschung ein Sonderfall in der Wissensproduktion? Welche Schnittstellen gibt es zwischen der Wissenschaft und anderen Bereichen (z.B. Politikwissenschaft, Wirtschaft, etc.). Gibt es einen Bedarf für neue Formen?